Von Thomas Rießinger
Auf Dauer wird es ein wenig öde, immer auf die Gleichen zu schimpfen, auch wenn sie mit konstanter Beharrlichkeit stets Anlass dazu geben. Umso schöner ist es, wenn jemand des Weges kommt, der bisher meiner Aufmerksamkeit entgangen ist, die er nun mit wenigen Sätzen auf sich gezogen hat. Man sieht es immer wieder: Lächerlichkeit kennt keine Grenzen, schon gar keine Parteigrenzen.
Ich spreche von Alexander Hoffmann, seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2025 Vorsitzender der CSU-Landesgruppe dortselbst – offenbar ein Mann von politischer Erfahrung und kraft Amtes ohne Frage sowohl mit Einfluss als auch mit Informationen versehen, sofern er sie denn haben möchte. In der Öffentlichkeit mag er bisher noch einigermaßen unbekannt geblieben sein, und diesem Zustand möchte ich nun nach Kräften abhelfen.
Denn am 17. März hat sich Hoffmann um 14 Uhr 30 auf dem Facebook-Account der CSU im Bundestag geäußert, jeder kann es sich ansehen.<
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Die Investitionen des Sondervermögens – ein Euphemismus für ungeheure Staatsschulden – sollen also das noch nicht selbsttragende Wirtschaftswachstum verursachen, woraus man schließen darf, dass die Mittel korrekt verwendet werden. Das ist doch eine gute Nachricht.
Am gleichen Tag um 10 Uhr 32 verkündete die FAZ, dass nach den Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft 86% dieser Mittel im Jahr 2025 zweckentfremdet wurden, während das Ifo-Institut sogar auf 95% kam, „die nicht für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur eingesetzt worden seien“, obwohl genau das der Zweck des vorgeblichen Sondervermögens war. Es handelt sich um nichts anderes als um Augenwischerei, um einen Verschiebebahnhof, der darüber hinweg täuschen sollte, dass man – hat es jemand anders erwartet? – Haushaltslöcher gestopft und das Geld fröhlich verfrühstückt hat (siehe auch den Artikel von Boris Reitschuster auf dieser Seite dazu hier)-.
Glücklicherweise sind die Besucher des CSU-Facebook-Auftritts etwas vertrauter mit der Realität als der Landesgruppenvorsitzende. Trotz längeren Scrollens war es mir nicht vergönnt, auch nur einen einzigen zustimmenden Kommentar unter den mehr als 1000 Antworten zu finden. Um nur einen zu zitieren: „Dieser Post der CDU/CSU Bundestagsfraktion sollte allen Wählern in Rheinland Pfalz am kommenden Wochenende eine Hilfestellung sein. Gleich zwei namhafte Institute, IW und Ifo, haben nachgerechnet und werfen der Regierung massiven Missbrauch des Sondervermögens vor (Zweckentfremdung bis zu 95%).“ Das stimmt, und viele andere Kommentatoren hatten die gleichen Informationen. Nur Alexander Hoffmann nicht.
Ob er einfach keine Ahnung hatte oder versuchte, der unangenehmen Wahrheit doch etwas auf die Sprünge zu helfen, kann ich nicht wissen. Ein weiterer Kommentator brachte es auf den Punkt: „Kaum wird berichtet, dass 95% des Sondervermögens zweckentfremdet werden, kommt von euch ein Post, dass ihr verantwortungsvoll damit umgeht. Damit glaube ich ab jetzt felsenfest, dass das Geld zweckentfremdet wird.“

Arthur Schnitzler erfreut sich heute keiner übermäßigen Bekanntheit. Im österreichischen Kaiserreich geboren und 1931 gestorben, war er Arzt, Erzähler und Dramatiker zugleich. Über Politik fällte er ein vernichtendes Urteil: „Politik, das ist die Freistatt, wo Verbrechen, die sonst Gefängnis oder Tod zur unvermeidlichen Folge hätten, wo Verrätereien, die sonst zu flammender Empörung aufriefen, wo Lügen, die sonst im allgemeinen Hohngelächter untergingen, nicht nur von diesen sonst natürlichen Konsequenzen bewahrt zu bleiben pflegen, sondern wo all diese Verbrechen, Verrätereien und Lügen als durchaus natürliche, wenn nicht gar rühmenswerte Bestätigungen der menschlichen Natur angesehen werden.“
Ich mahne zur Vorsicht. Ihm zuzustimmen könnte den Verfassungsschutz auf den Plan rufen. Ihm zu widersprechen könnte mentale Notlagen verursachen.
Es ist nicht immer einfach.
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und war Professor für Mathematik und Informatik an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Neben einigen Fachbüchern über Mathematik hat er auch Aufsätze zur Philosophie und Geschichte sowie ein Buch zur Unterhaltungsmathematik publiziert. Sein Buch „Wetten, dass Sie Mathe können – Zahlenakrobatik für den Alltag“ finden Sie hier. Über diesen Link finden Sie eine Übersicht über seine Fachbücher.
Bild: KI-generiert (Grok)
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