Der Enthauptungsstrategie Israels liegt die Intention zugrunde, charismatische Führungsfiguren eines Gegners zu treffen, damit der an Kampf- und Entscheidungskraft verliert. Auf den ersten Blick erscheint das logisch, auf den zweiten nicht
Viele Iraner:innen, auch im Exil, haben die Angriffe auf Teheran begrüßt
Foto: Getty Images
Der 86-jährige Großayatollah Ali Khamenei, der seit 1989 Nachfolger des Revolutionsführers Ruhollah Khomeini war, wurde am 28. Februar auf eine Art getötet, wie sie Israel seit Langem als „Enthauptungsstrategie“ praktiziert.
Beihilfe hatte die CIA geleistet. Ihr war das Bewegungsprofil des Geistlichen zu verdanken, der seit Monaten beobachtet wurde. US-Diensten und dem Mossad gelingt es immer wieder, den iranischen Sicherheitsapparat zu infiltrieren.
Ayatollahs sind theologisch höchst bewanderte „Zeichen Allahs“ und somit geeignet, Oberhaupt schiitischer Muslime zu sein, wobei ein Großayatollah im Iran nicht nur Oberster Führer der religiösen, sondern auch der politischen Sphäre ist.
Ali Khamenei ernannte die Mitglieder des Wächterrats und den Obersten Richter. Er war Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Anführer der Revolutionsgarden und praktisch Vormund des gewählten Präsidenten Massud Peseschkian.
Diese Strategie schließt Verhandlungen weitgehend aus
Dass die immer wieder ins Wanken geratende Stabilität und innere Balance des Regimes bislang gewahrt werden konnten, lag nicht nur an der gewaltsamen Niederschlagung von Protestbewegungen, sondern auch am Rückhalt, den es bei den noch immer stark religiös gebundenen Schichten der Ärmeren hat.
Aus diesen rekrutieren sich die Revolutionsgarden, aber ebenso viele fähige Wissenschaftler und Ingenieure. Ein mittelalterlich anmutendes, frauenfeindliches islamistisches Gesellschaftssystem muss nicht im Widerspruch zu Gebrauch und Entwicklung von Hochtechnologie stehen.
Der Enthauptungsstrategie liegt die Auffassung zugrunde, charismatische Führungsfiguren eines Gegners zu treffen, um dessen Eliten zu verwirren, damit sie an Entscheidungs- und Schlagkraft verlieren. Auf den ersten Blick ist diese Kausalität logisch, auch weil das Verteufeln des Gegners im Bedarfsfall Verhandlungen ausschließt.
Allerdings geht ein solches Kalkül vorrangig aus einem Grund nicht auf, dann nämlich, wenn das gezielte Töten lange Zeit vollmundig angekündigt wird. So hatte Khamenei für diesen Fall Vorsorge treffen können und detaillierte Pläne für seine Nachfolge hinterlegt, die nun greifen.
Gerüchte über einen bewussten Märtyrertod des Ayatollah
Auch Schläge gegen andere Gegner, die Israel auf ähnliche Weise und aus dem gleichen Grund ausgeschaltet hat, verfehlten ihre Wirkung. Weder das Liquidieren des Hamas-Auslandsresidenten Ismail Hanija (in Teheran) noch des Hamas-Militärchefs Yahya Sinwar haben den Kriegsverlauf im Gazastreifen merklich beeinflusst. Das trifft ebenso auf die Eliminierung von Hassan Nasrallah zu, bis 2024 Führer der Hisbollah.
Deren deutliche Schwächung war eher auf den unvorsichtigen Kauf von Kommunikationsgeräten zurückzuführen, die vor ihrem Eintreffen im Libanon von israelischen Geheimdiensten manipuliert werden konnten. Daraufhin ließ ein einziges Signal Tausende von Kämpfern kampfunfähig werden.
Dass sich Khamenei zu Kriegsbeginn in keinem Bunker aufhielt, sondern eine erste Lagebesprechung zu Beginn des israelisch-amerikanischen Angriffs in seinem Büro abhielt, ließ das Gerücht aufkommen, der Ayatollah habe mit seinem Märtyrertod bewusst Platz für eine neue, geschmeidigere Führung machen wollen.
Vielleicht hatte er selbst eingesehen, dass seine grobschlächtigen antizionistischen Äußerungen, die auch als antisemitisch ausgelegt werden konnten und bis zur Relativierung des Holocaust gingen, die Lage des Iran auf dem internationalen Parkett zusätzlich belasteten.
Manchmal hat Khamenei solche Statements durch die Aussage relativiert, dass es nicht um die Vernichtung der Juden oder Israels gehe, sondern um das Ende der Besatzung auf palästinensischen Territorien. Was von solchen Korrekturen bei seinen Anhängern inner- und außerhalb des Irans ankam, sei dahingestellt.
Fest steht: Khameneis Diskurse haben dem Ansehen seines Landes geschadet. Sie verdeckten nicht zuletzt die Tatsache, dass im Iran noch immer eine kleine loyale jüdische Gemeinde lebt, die über Kultfreiheit und eigene Ausbildungsmöglichkeiten verfügt, bis hin zu einer theologischen Fakultät.
Hamas-Finanzierung durch das Emirat Katar
Der eigentliche Anlass zur Neuauflage von Kriegshandlungen gegen die Islamische Republik war das Teheran unterstellte Bestreben, Kernwaffen herzustellen und damit Israel auslöschen zu wollen.
Rational lässt sich diese Absicht nicht nachvollziehen, da die iranische Führung mit einem Atomschlag gegen Israel unweigerlich auch der palästinensischen Bevölkerung, als deren stärkster Beschützer sie sich sieht, irreparable Schäden zufügen würde. Ihre Finanzmittel erhielt die Hamas wohl nicht nur vom Iran, sondern auch über einen von der israelischen Regierung kontrollierten Umweg aus dem Emirat Katar.
Benjamin Netanjahu und Donald Trump haben immer wieder den notfalls mit kriegerischer Gewalt zu erzwingenden Regime Change im Iran beschworen. Nun behaupten US-Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Donald Trump selbst, dass dies niemals das Ziel der USA gewesen sei, sondern vom iranischen Volk selbst geleistet werden müsse.
Da ist es schon aufschlussreich, dass etliche iranische Exilgruppen dies für unmöglich halten. Sie haben daher die israelisch-amerikanischen Angriffe und den andauernden Krieg zum Sturz der Mullahs vehement begrüßt.
;chst bewanderte „Zeichen Allahs“ und somit geeignet, Oberhaupt schiitischer Muslime zu sein, wobei ein Großayatollah im Iran nicht nur Oberster Führer der religiösen, sondern auch der politischen Sphäre ist.Ali Khamenei ernannte die Mitglieder des Wächterrats und den Obersten Richter. Er war Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Anführer der Revolutionsgarden und praktisch Vormund des gewählten Präsidenten Massud Peseschkian.Diese Strategie schließt Verhandlungen weitgehend ausDass die immer wieder ins Wanken geratende Stabilität und innere Balance des Regimes bislang gewahrt werden konnten, lag nicht nur an der gewaltsamen Niederschlagung von Protestbewegungen, sondern auch am Rückhalt, den es bei den noch immer stark religiös gebundenen Schichten der Ärmeren hat.Aus diesen rekrutieren sich die Revolutionsgarden, aber ebenso viele fähige Wissenschaftler und Ingenieure. Ein mittelalterlich anmutendes, frauenfeindliches islamistisches Gesellschaftssystem muss nicht im Widerspruch zu Gebrauch und Entwicklung von Hochtechnologie stehen.Der Enthauptungsstrategie liegt die Auffassung zugrunde, charismatische Führungsfiguren eines Gegners zu treffen, um dessen Eliten zu verwirren, damit sie an Entscheidungs- und Schlagkraft verlieren. Auf den ersten Blick ist diese Kausalität logisch, auch weil das Verteufeln des Gegners im Bedarfsfall Verhandlungen ausschließt.Allerdings geht ein solches Kalkül vorrangig aus einem Grund nicht auf, dann nämlich, wenn das gezielte Töten lange Zeit vollmundig angekündigt wird. So hatte Khamenei für diesen Fall Vorsorge treffen können und detaillierte Pläne für seine Nachfolge hinterlegt, die nun greifen.Gerüchte über einen bewussten Märtyrertod des AyatollahAuch Schläge gegen andere Gegner, die Israel auf ähnliche Weise und aus dem gleichen Grund ausgeschaltet hat, verfehlten ihre Wirkung. Weder das Liquidieren des Hamas-Auslandsresidenten Ismail Hanija (in Teheran) noch des Hamas-Militärchefs Yahya Sinwar haben den Kriegsverlauf im Gazastreifen merklich beeinflusst. Das trifft ebenso auf die Eliminierung von Hassan Nasrallah zu, bis 2024 Führer der Hisbollah.Deren deutliche Schwächung war eher auf den unvorsichtigen Kauf von Kommunikationsgeräten zurückzuführen, die vor ihrem Eintreffen im Libanon von israelischen Geheimdiensten manipuliert werden konnten. Daraufhin ließ ein einziges Signal Tausende von Kämpfern kampfunfähig werden.Dass sich Khamenei zu Kriegsbeginn in keinem Bunker aufhielt, sondern eine erste Lagebesprechung zu Beginn des israelisch-amerikanischen Angriffs in seinem Büro abhielt, ließ das Gerücht aufkommen, der Ayatollah habe mit seinem Märtyrertod bewusst Platz für eine neue, geschmeidigere Führung machen wollen.Vielleicht hatte er selbst eingesehen, dass seine grobschlächtigen antizionistischen Äußerungen, die auch als antisemitisch ausgelegt werden konnten und bis zur Relativierung des Holocaust gingen, die Lage des Iran auf dem internationalen Parkett zusätzlich belasteten.Manchmal hat Khamenei solche Statements durch die Aussage relativiert, dass es nicht um die Vernichtung der Juden oder Israels gehe, sondern um das Ende der Besatzung auf palästinensischen Territorien. Was von solchen Korrekturen bei seinen Anhängern inner- und außerhalb des Irans ankam, sei dahingestellt.Fest steht: Khameneis Diskurse haben dem Ansehen seines Landes geschadet. Sie verdeckten nicht zuletzt die Tatsache, dass im Iran noch immer eine kleine loyale jüdische Gemeinde lebt, die über Kultfreiheit und eigene Ausbildungsmöglichkeiten verfügt, bis hin zu einer theologischen Fakultät.Hamas-Finanzierung durch das Emirat Katar Der eigentliche Anlass zur Neuauflage von Kriegshandlungen gegen die Islamische Republik war das Teheran unterstellte Bestreben, Kernwaffen herzustellen und damit Israel auslöschen zu wollen.Rational lässt sich diese Absicht nicht nachvollziehen, da die iranische Führung mit einem Atomschlag gegen Israel unweigerlich auch der palästinensischen Bevölkerung, als deren stärkster Beschützer sie sich sieht, irreparable Schäden zufügen würde. Ihre Finanzmittel erhielt die Hamas wohl nicht nur vom Iran, sondern auch über einen von der israelischen Regierung kontrollierten Umweg aus dem Emirat Katar.Benjamin Netanjahu und Donald Trump haben immer wieder den notfalls mit kriegerischer Gewalt zu erzwingenden Regime Change im Iran beschworen. Nun behaupten US-Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Donald Trump selbst, dass dies niemals das Ziel der USA gewesen sei, sondern vom iranischen Volk selbst geleistet werden müsse.Da ist es schon aufschlussreich, dass etliche iranische Exilgruppen dies für unmöglich halten. Sie haben daher die israelisch-amerikanischen Angriffe und den andauernden Krieg zum Sturz der Mullahs vehement begrüßt.