Zeitenwende in Leipzig: Nach Tschechien und Polen übernehmen nun ein Unternehmen aus China mit fluege.de eines der größten deutschen Online-Portale für Flugtickets. Das steckt hinter dem Deal.
Leipzig.
Das Leipziger Online-Flugportal fluege.de mit Sitz in Leipzig wechselt nach nur wenigen Monaten erneut den Besitzer. Die polnische Wirtualna Polska (WP) Holding trennt sich schon wieder von dem Unternehmen. Sie will es für 42,3 Millionen Euro an die chinesische Tongcheng Travel Holdings Ltd. verkaufen. Eine entsprechende Vereinbarung sei jetzt unterzeichnet worden, teilte die WP Holding mit. Dem Verkauf müsse aber das Bundeswirtschaftsministerium noch zustimmen.
Reisegigant aus China macht 2024 zwei Milliarden Euro Umsatz
Tongcheng ist eine chinesische Reiseplattform mit Sitz in der Millionen-Metropole Suzhou. Mit nach eigenen Angaben 250 Millionen Kunden zählt sie zu den großen Playern der Branche im Reich der Mitte. „Unser Ziel ist es, einen Mehrwert für europäische Reisende und Partner zu schaffen“, sagte Tongcheng-Finanzchef Joyce Li der Mitteilung zufolge. „Besonders überzeugt haben uns die hohe Markenbekanntheit und die treue Nutzerbasis. Dem lokalen Management vertrauen wir voll und ganz, das Unternehmen in seine nächste Wachstumsphase zu führen.“ Tongcheng ist an der Hongkonger Börse notiert. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 2024 umgerechnet rund zwei Milliarden Euro Umsatz und fast 240 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Die Leipziger Flugsuch-Plattform fluege.de zählte im vergangenen Jahr zu den am häufigsten genutzten in Europa.
Bild: Screenshot/fluege.de

Die Leipziger Flugsuch-Plattform fluege.de zählte im vergangenen Jahr zu den am häufigsten genutzten in Europa. Bild: Screenshot/fluege.de
Polnischer Konzern will sich auf „Ab-in-den-Urlaub“ und andere Marken konzentrieren
Mit dem Verkauf von fluege.de zieht sich hingegen die Wirtualna Polska Holding wieder ziemlich schnell aus dem Geschäft mit Flugtickets zurück. Man wolle nun die Ressourcen vollständig auf das Wachstum der verbliebenen Kernmarken konzentrieren, heißt es in der Mitteilung. Darunter fallen bekannte Namen wie Ab-in-den-Urlaub.de, das ungarische Unterkunftsportal Szallas oder auch Travelplanet.
Unister-Firmengründer starb bei Flugzeugunglück
Die Flugsuchmaschine fluege.de wurde 2008 ins Leben gerufen und gehörte zum Portfolio der legendären Unister Holding. Deren Gründer Thomas Wagner war 2016 unter mysteriösen Umständen bei einem Flugzeugabsturz auf dem Weg zum Flughafen Hof-Plauen in Slowenien ums Leben gekommen. Der Fall schaffte es bis zu einer 45 Minuten langen ARD-Doku. Wenige Wochen nach Wagners Tod meldete Unister Insolvenz an. Anschließend brach der Konzern zusammen.
WP setzt jetzt voll auf Pauschal- und Inlandsreisen
Nach der Pleite hatte zunächst der tschechische Reisekonzern Invia das Portal fluege.de und andere Marken aus der Unister-Insolvenzmasse übernommen. Zuletzt zählte fluege.de zu den am häufigsten genutzten Onlineflugportalen Europas. Anfang dieses Jahres erwarb dann die Warschauer WP Holding die Invia-Gruppe. Die betreibt neben fluege.de weitere führende Buchungsplattformen für Pauschalreisen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz (Ab-in-den-Urlaub.de), in Polen (Travelplanet.pl), der Tschechischen Republik (Invia.cz), der Slowakei (Invia.sk) und Ungarn (Invia.hu). Im vergangenen Jahr reisten nach deren eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Kunden über einen der Invia-Anbieter in den Urlaub. Mit Ausnahme von fluege.de sollen alle anderen Reisedienstleister jetzt bei der polnischen WP Holding verbleiben.
„Für uns ist jetzt der richtige Zeitpunkt, unser Portfolio zu straffen“, erklärte Adam Rogaliński, Vizepräsident Unternehmensentwicklung der Wirtualna Polska Holding, in einer Pressemitteilung. „Wir können uns nun voll und ganz auf unser Kerngeschäft im Tourismus konzentrieren – Pauschalreisen und Inlandsreisen. Hier sehen wir das größte Potenzial für Wachstum, Innovation und Kundenzufriedenheit.“
Rund 130 Mitarbeiter in Leipzig betroffen
Der Umsatz der deutschen Tochter Invia Flights Germany, die fluege.de betreibt, wird für 2023 mit rund 30 Millionen Euro angegeben. Der Nettogewinn betrug demnach etwa 1,6 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht beschäftigt die Gesellschaft 132 Mitarbeiter.
Aus Sprungski-Geschäft verabschiedet
Zuletzt hatte Invia Flights Germany mit dem Rückzug aus dem Sponsoring für Sprung-Ski Schlagzeilen gemacht. Die Firma wollte oder konnte kein Geld mehr dafür loseisen. Das Sponsoring hatte in der ehemaligen Germina-Produktionsstätte im thüringischen Floh-Seligenthal die Produktions- samt Personalkosten abgedeckt. Damit endete ein weiteres DDR-Sportgeräte-Kapitel. (juerg mit tp)