Kriege, Hungersnöte, Kriminalität, Anarchie – eine Risiko-Weltkarte der Hamburger Krisenspezialisten zeigt, in welche Länder Geschäftsleute und Urlauber in diesem Jahr besser nicht reisen sollten – und wo es besonders sicher ist.

Hamburg/Chemnitz.

Auf der Welt rumort es – politisch, gesellschaftlich und sicherheitstechnisch. Das zeigt die „Risk Map 2026“ des Hamburger Sicherheitsdienstleisters A3M, die kürzlich aktualisiert wurde. Demnach hat sich die Sicherheitslage in einigen Krisenregionen leicht entspannt, während sie sich anderenorts verschlechtert hat. Für Reisende bedeutet das: Eine sorgfältige Vorbereitung und eine aktuelle Einschätzung der Lage sind wichtiger denn je. Die Originalkarte der Hamburger Experten findet man hier. Mit einem Klick auf das jeweilige Land auf der nachfolgenden Weltkarte können Reisende aber auch direkt sehen, wie A3M die Sicherheitslage in den jeweiligen Regionen einstuft.

Naher Osten bleibt ein Brandherd

Die aktuelle A3M-Karte zeigt: Der Nahe Osten ist in großen Teilen nach wie vor für Reisende sehr gefährlich. In Israel und dem Westjordanland habe sich im Vergleich zum Vorjahr die Lage zwar etwas beruhigt, heißt es. Sie bleibe aber angespannt. Von Reisen dorthin wird daher weiter abgeraten. Das gilt auch für den Iran, den Libanon, den Jemen, Syrien, Afghanistan und Teile der Osttürkei. So hatte sich die Lage im Iran nach der Eskalation des Konflikts mit Israel im vergangenen Jahr zwar etwas entspannt. Nach der brutalen Niederschlagung der Massendemonstrationen dort mit vielen Toten und Verletzten können sich die innenpolitischen Spannungen nun dort jederzeit wieder entladen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar und Oman gelten hingegen als sicher.

Das fließt in die Bewertung ein

Für ihre Risiko- und Gefahrenanalyse scannt A3M die weltweite Nachrichtenlage rund um die Uhr und nutzt dafür nach eigenen Angaben rund 500 verschiedene Quellen – darunter Nachrichtenagenturen sowie Reise- und Sicherheitshinweise von Außenministerien. Das Ergebnis ist schließlich eine Weltkarte, in der das jeweilige Risiko in den jeweiligen Ländern durch eine Farbskala von gering bis sehr hoch dargestellt ist. Grundlage für diese Einstufungen sind unter anderem politische Entwicklungen, militärische Konflikte, soziale Unruhen, Kriminalität und die Aktivität extremistischer Gruppen. Daneben fließen Kriterien wie Ein- und Ausreisebestimmungen, Transportmöglichkeiten, Streiks, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Naturgefahren und Umweltaspekte in die Bewertung ein. Auch Wirtschaftsrisiken und besondere Risiken für bestimmte Gruppen – darunter Personen mit kulturellen Besonderheiten, LSBTI-Personen und weibliche Reisende – werden berücksichtigt.

Vorsicht in Südasien

Für große Teile Südasiens raten die Experten zu erhöhter Vorsicht. So bleibt zum Beispiel der Konflikt zwischen Indien und Pakistan nach ihrer Einschätzung auch weiterhin noch latent. Nachdem ein Terroranschlag auf Touristen in der Region Kaschmir im vergangenen Mai neue Kämpfe ausgelöst hatte, wurde die Lage durch einen Waffenstillstand zwar vorerst entschärft. Die Experten mahnen jedoch: Der Kaschmir-Konflikt könne jederzeit wieder eskalieren, heißt es.

Auch im Grenzgebiet zwischen Thailand und Kambodscha war zuletzt ein lange schwelender Territorialkonflikt erneut aufgeflammt. Es kam zu Kampfhandlungen und Toten. Diese Region stufen die Hamburger Experten deshalb als gefährlicher ein als noch im Vorjahr. Japan, Taiwan, Südkorea und Malaysia gelten hingegen weiterhin als sichere Destinationen.

Im Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha um Gebietsansprüche kommt es immer wieder zu Kämpfen. Dabei wurde auch ein Gebäude in der südlichen Provinz Surin in Thailand, neun Kilometer von der Frontlinie entfernt, durch einen kambodschanischen BM-21-Raketenangriff schwer beschädigt.

Im Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha um Gebietsansprüche kommt es immer wieder zu Kämpfen. Dabei wurde auch ein Gebäude in der südlichen Provinz Surin in Thailand, neun Kilometer von der Frontlinie entfernt, durch einen kambodschanischen BM-21-Raketenangriff schwer beschädigt.

Bild: Adryel Talamantes/ZUMA Press Wire/dpa

Proteste und Gewalt in Afrika

In mehreren Ländern Afrikas hat sich die Situation durch anhaltende Proteste und politische Konflikte verschärft. Das gilt vor allem für Zentralafrika und den Osten des Kontinents. In Mosambik kam es Anfang 2025 erneut zu gewaltsamen Demonstrationen. Die neue Amtszeit des Präsidenten bleibt weiterhin umstritten. Zusätzlich sorgen im Nordosten des Landes Angriffe und Entführungen durch dschihadistische Gruppen für ein erhöhtes Risiko.

Auch Tansania ist in den Fokus gerückt. Seit vergangenen Oktober gab es dort teils schwere Unruhen – wegen der Unterdrückung der Opposition und der erneuten Amtszeit der Präsidentin. Zwar hat die Dynamik der Proteste zuletzt nachgelassen, die Sicherheitslage bleibt jedoch angespannt.

Auf Madagaskar kam es im vergangenen Jahr zu Demonstrationen gegen chronische Strom- und Wasserausfälle und die Misswirtschaft der Regierung. Es gab einen Militärputsch und Unruhen.

Auf Madagaskar kam es im vergangenen Jahr zu Demonstrationen gegen chronische Strom- und Wasserausfälle und die Misswirtschaft der Regierung. Es gab einen Militärputsch und Unruhen.

Bild: Mamyrael/AP/dpa

Auf Madagaskar hat sich die Lage zuletzt hingegen entspannt. Die politischen Unruhen, die während eines Militärputsches im Oktober folgten, sind weitgehend passé. Die Sicherheitslage schätzen die Hamburger Experten nun stabiler ein. Die Insel bliebt aber anfällig für neue Spannungen.

In Afrika schätzen die A3M-Experten nur für Marokko, Namibia und Botswana die Gefahren für Reisende als gering ein. Die erhöhte Gefährdungslage in einigen nordafrikanischen Ländern dürfte auf Aktivitäten extremistischer muslimischer Gruppen und mit besonderen Risiken für LSBTI-Personen und weibliche Reisende in diesen Regionen zurückzuführen sein.

Latein- und Südamerika: Ecuador und Venezuela im Fokus

In Lateinamerika kam es im Herbst hingegen zu gewaltsamen Protesten von indigenen Gruppen, Landwirten und Studierenden – weil unter anderem Kraftstoffsubventionen gestrichen und ein umstrittenes Minenprojekt genehmigt wurden. Gleichzeitig geht das Militär inzwischen entschiedener gegen die organisierte Kriminalität und die Drogenkartelle vor.

Ab Mitte September demonstrierten verschiedene Organisationen in Ecuador unter anderem mit Straßensperren gegen die Kürzung der Dieselsubventionen und weitere Sparmaßnahmen der Regierung. Noboa ist seit 2023 Präsident des Landes und wurde im April wiedergewählt. Zu seinen größten Herausforderungen zählt die grassierende Kriminalität in Ecuador. Mächtige Drogenbanden machen sich in dem einst recht sicheren Land breit.

Ab Mitte September demonstrierten verschiedene Organisationen in Ecuador unter anderem mit Straßensperren gegen die Kürzung der Dieselsubventionen und weitere Sparmaßnahmen der Regierung. Noboa ist seit 2023 Präsident des Landes und wurde im April wiedergewählt. Zu seinen größten Herausforderungen zählt die grassierende Kriminalität in Ecuador. Mächtige Drogenbanden machen sich in dem einst recht sicheren Land breit.

Bild: Dolores Ochoa/AP/dpa

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Risk Map 2026 der Lage in Venezuela. Neben geopolitischen Spannungen – unter anderem im Zusammenhang mit dem Drogenhandel – verschärft sich auch die Situation im Grenzgebiet zu Guyana. Ein ungelöster Territorialkonflikt sowie transnationale Kriminalität tragen dort zu einer erhöhten Gefährdung bei.

Generell misst A3M der grenzüberschreitenden Kriminalität in Südamerika in der aktuellen Ausgabe größere Bedeutung bei. Das spiegelt sich in einer angepassten Risikoeinstufung mehrerer Grenzregionen wider.

Das sind die gefährlichsten Länder

Unverändert zu den weltweit gefährlichsten Ländern zählen laut A3M Afghanistan, Syrien, der Irak, der Südsudan, Myanmar, die Zentralafrikanische Republik sowie große Teile der Ukraine. Lang andauernde Konflikte, fragile staatliche Strukturen und humanitäre Krisen haben dort bislang jede nachhaltige Verbesserung verhindert.

Schon seit mehr als zwei Jahren tobt im Sudan ein Bürgerkrieg. Hier auf dem Foto beerdigen Mitglieder des sudanesischen Roten Halbmonds die sterblichen Überreste von Opfern.

Schon seit mehr als zwei Jahren tobt im Sudan ein Bürgerkrieg. Hier auf dem Foto beerdigen Mitglieder des sudanesischen Roten Halbmonds die sterblichen Überreste von Opfern.

Bild: Marwan Ali/AP/dpa

Die sind die sichersten Länder

Bei den sichersten Ländern auf der Welt hat sich gegenüber der Risk Map für 2025 nur wenig geändert. Norwegen, Finnland, die Schweiz, Japan, Kanada, Island, Australien und Neuseeland halten sich beständig in der Kategorie „sehr geringes Risiko“. In diesen Ländern gibt es eine sehr geringe Kriminalitätsrate, stabile politische Rahmenbedingungen, eine zuverlässige Gesundheitsversorgung und eine gut funktionierende Infrastruktur.

So wird die Lage in Deutschland eingeschätzt

Auch das Risiko in Deutschland bewerten die Hamburger Experten als gering. Im Vergleich zu 2024 ist das aber eine Herabstufung. Damals galt die Bundesrepublik noch als „sehr sicher“. Insgesamt zeigt der Großteil Europas nur minimale Veränderungen. Bis auf Serbien schätzen die Experten dort überall das Risiko für Reisende als „gering“ oder „sehr gering“ ein. In der Ukraine und in Belarus ist es demnach hingegen sehr hoch. (juerg)



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