Als Zeuge im Edenpalast-Prozess erklärt der NS-Führer Adolf Hitler, sich nur legaler Mittel bedienen zu wollen, um die Macht zu erringen. Hans Litten entlarvt das als „Urlüge“ eines künftigen Diktators


Hans Litten will aufhalten, dass Hitlers NSDAP die deutsche Politik wie eine Dampfwalze überrollt. Vor Gericht wie 1931 in Berlin-Moabit gelingt das – auf der Straße nicht

Fotos: DPA, Interfoto (links)


Er sieht sich als „Anwalt des Proletariats“, ist Antifaschist, Kommunist, Anarchist, Metaphysiker. Er bringt Adolf Hitler als Zeugen vor Gericht und wird nach fünf Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern 1938 in den Tod getrieben. Die Rede ist von Hans Litten. Anlässlich der Aufführung des Theaterstücks The Jew Who Cross-Examined Hitler (Der Jude, der Hitler ins Kreuzverhör nahm) in New York über den Anwalt Anfang des Jahres hat Bürgermeister Zohran Mamdani den 5. Februar, Littens Todestag, zum „Hans-Litten-Gedenktag“ erklärt.

Der SA-Sturm 33 macht Jagd auf politische Gegner

Im Herbst 1929 hatte eine Weltwirtschaftskrise begonnen, die Arbeitslosigkeit stieg, für die NSDAP gab es im September 1930 bei der Reichstagswahl einen spektakulären Stimmenzuwachs. Es brach eine Zeit der Straßenkämpfe und Saalschlachten an zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, zwischen SA und Rotfrontkämpferbund (RFB) – daraus folgten Strafprozesse. Zu einem der schlagzeilenträchtigsten wurde der Edenpalast-Prozess von 1931 im Kriminalgericht Berlin-Moabit. Verhandelt wurde der Überfall eines Rollkommandos des SA-Sturms 33 im November 1930 auf ein Fest des Arbeiter-Geselligkeitsvereins „Wanderfalke“ im Charlottenburger Lokal „Eden“, gelegen in einem als „Kleiner Wedding“ bekannten Arbeiterviertel.

Nicht zufällig hat in dieser Gegend der SA-Sturm 33 sein Stammlokal „Altstadt“ als Sammelpunkt für Märsche und Angriffe auf politische Gegner. So sitzen auf der Anklagebank in Moabit sechs SA-Männer, nachdem vier Arbeiter durch Schüsse teils schwer verletzt worden sind. Nebenkläger ist der 28-jährige Rechtsanwalt Hans Litten.

Ihm gelingt es, den „Schriftsteller Adolf Hitler, wohnhaft in München“ am 8. Mai 1931 als Zeuge vor Gericht zu bringen. Littens Prozess-Strategie ist klar: Er macht die Gewaltfrage zum zentralen Thema, um nachzuweisen, dass Gewalt für die NSDAP ein Mittel der politischen Auseinandersetzung ist, die Partei folglich illegal sei. Im Kreuzverhör versichert Hitler: „Ich werde, solange ich die Ehre habe, Führer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu sein, mich nicht vom Wege der Legalität abbringen lassen.“ Er stehe „granitfest auf dem Boden der Legalität“.

Litten lässt nicht locker, hält in der ihm eigenen ruhigen Art dem „Führer“ Zitate aus der Goebbels-Schrift Der Nazi-Sozi entgegen, die damals auf jeder NS-Versammlung ausliegt. Darin ist vom „Kampf mit den Fäusten“ die Rede. Man werde „das Parlament zum Teufel jagen“ und jeden Gegner „zu Brei stampfen“. Hitler wirkt fahrig, er stockt, bringt Sätze nicht zu Ende und brüllt mit hochrotem Kopf: „Wie kommen Sie dazu, Herr Rechtsanwalt, zu sagen, das ist eine Aufforderung zur Illegalität? Das ist eine durch nichts zu beweisende Erklärung.“

Litten feiert einen Sieg, der ihn das Leben kosten wird

Als das Urteil gesprochen wird, bleibt es deutlich unter den Anträgen des Staatsanwalts. Die Justiz der Weimarer Republik erweist sich ein weiteres Mal als nicht sonderlich republikfreundlich. Litten, der den Nationalsozialisten die Maske der Legalität vom scheinheiligen Gesicht gerissen hat, wird in der linken Presse gefeiert. Wenn es ein Sieg war, dann einer, der ihn das Leben kosten wird.

1903 in Halle/Saale geboren, wächst Hans Litten in Königsberg auf. Sein Vater Fritz Litten, Dekan der Juristischen Fakultät und Rektor der dortigen Universität, ist mit nationalkonservativen Kreisen des Hauses Hohenzollern bis hin zu Paul von Hindenburg gut vernetzt. Früh gerät sein ältester Sohn Hans in Opposition zum protestantisch getauften, wie der sagt, „karrierekonvertierten“ Vater.

Aus religiösem Bekenntnis wendet sich der junge Litten dem Judentum zu, tendiert politisch nach links und zu einer Jugendbewegung, die gegen „alles Alte“ rebelliert. Er wird zum Anführer des Königsberger „Schwarzen Haufens“, einer anarchistischen Gruppe mit jüdischem Einschlag. Als Schüler lernt er neben den gängigen Sprachen Hebräisch, Chinesisch und Sanskrit. Seine Interessen gelten Literatur und Kunstgeschichte. Sein Vater zwingt ihn schließlich, Jura zu studieren.

1928, mit 25, tritt Litten in die Kanzlei seines kommunistischen Freundes Ludwig Barbasch (1892 – 1967) in Berlin ein. Er vertritt hauptsächlich Arbeiter wie proletarische Jugendliche und erreicht überraschend viele Freisprüche. Kollegen bewundern seinen kreativen Umgang mit der Strafprozessordnung, die akribische Prozessvorbereitung und eine klare antifaschistische Haltung.

Jeder Prozess ist für den Marxisten Litten auch ein Politikum – Klassenkampf gegen Klassenjustiz. Als Freunde ihm nach dem 30. Januar 1933 raten, das Land zu verlassen, antwortet er: „Die Millionen Arbeiter können nicht raus, also muss ich auch hierbleiben.“

Aus Verzweiflung unternimmt Litten einen ersten Selbstmordversuch

Mit dem Edenpalast-Prozess wird Litten, „der kleine dickliche Halbjude, der anarchistische Rechtsanwalt mit ungeschorenem Haar“ – so die NS-Presse, die zum Mord an Litten hetzt –, einer der von den NS-Spitzen meistgehassten politischen Feinde. In der Nacht des Reichstagsbrands vom 27. zum 28. Februar wird er zusammen mit anderen prominenten NS-Gegnern wie Carl von Ossietzky, Erich Mühsam und Hermann Duncker in „Schutzhaft“ genommen.

Für Litten beginnt ein mehrjähriger Leidensweg durch die Konzentrationslager Sonnenburg, Brandenburg, Esterwegen, Buchenwald und Dachau. Er wird endlos verhört und gefoltert, von SA-Männern zum Krüppel geschlagen. Sein Gesicht sei „völlig verquollen, das linke Auge geschwollen“, Beine und Füße seien „unkenntliche Stumpen“, heißt es in einem Bericht. Litten unternimmt einen ersten Selbstmordversuch.

Im Sommer 1934 wird er in das Lager Lichtenburg an der Elbe verlegt, arbeitet hier in der Buchbinderei und der Lagerbibliothek. Es sind drei ruhigere Jahre seiner KZ-Zeit. Er beschäftigt sich, wie dem Briefwechsel mit seiner Mutter zu entnehmen ist, mit ausgefallenen Fragen aus Kunst, Literatur und Theater, mit einem Relief im Bamberger Georgenchor und mit Neuübersetzungen althochdeutscher und altsächsischer Dichtungen.

In einem frühen Text – überschrieben mit Leitlinien eines Lebens in unserem Sinne – hat Litten von der notwendigen Dreiheit aus „Wahrhaftigkeit, metaphysischer Bindung und politischer Arbeit“ gesprochen. Nun tritt die Beschäftigung mit einer „tatsächlich existenten jenseitigen Welt, die von keinem menschlichen Maß zu fassen“ sei, mit mittelalterlicher Mystik und dem Chassidismus in den Vordergrund. Keine Gemeinschaft, das galt für Hans Litten früh, ohne ein Wissen um und eine Bindung an eine solche Sphäre jenseits der „flachen Verstandestätigkeit des Liberalen“. Litten sei Marxist und religiös gewesen, äußerte später ein Freund, der Schriftsteller Max Fürst (1905 – 1978).

1937 dann, nach zwei Monaten schwerster Arbeit im Steinbruch und beim Bau des Konzentrationslagers Buchenwald, kommt Litten, gesundheitlich schwer angeschlagen, im Oktober 1937 nach Dachau. Inzwischen ist verfügt worden, alle inhaftierten Juden des NS-Staates in einem Lager zu internieren. In Erwartung weiterer Verhöre und Folter erhängt sich Hans Litten in der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1938 in einer Toilette von „Block 6“, dem „jüdischen Block“. Seine Mutter sieht den Leichnam am nächsten Tag zusammen mit einer Freundin. Die beiden trauern allein und sind allein, als es Tage später ein stilles Gedenken im Münchener Krematorium gibt.

Irmgard Litten bittet den Kronprinzen um Hilfe

Nach dem Reichstagsbrand und der Festnahme ihres Sohnes hat Irmgard Litten Jahr für Jahr für dessen Freilassung, und wenn nicht diese, dann wenigstens Hafterleichterung gekämpft. Sie nutzt die Kontakte ihres Mannes zu der NSDAP nahestehenden Personen wie dem Kronprinzen August Wilhelm, der bei Hitler vorspricht und zu hören bekommt: „Wer für Litten eintritt, fliegt ins Lager, selbst wenn Sie es sind.“

Auch zu Roland Freisler, damals Staatssekretär im preußischen Justizministerium, dringt Irmgard Litten vor, damit er Hitler auf den Häftling anspricht. Der schreit: „Es wird niemand etwas für Litten erreichen.“ Hitlers Gesicht hat sich blaurot verfärbt, als er den Namen Litten hörte. Die Mutter gibt nicht auf, sie sucht Gestapo-Beamte auf und schreibt vierteljährlich Gesuche zur Freilassung ihres Sohnes an Größen des Regimes.

ie bewirkt, dass es in Prag und London zu einer Pressekampagne zugunsten des Gefangenen kommt. Nach dessen Tod geht ihr Kampf weiter, unter anderem als Sprecherin der BBC und als Buchautorin. 1940 erscheint in Paris auf Deutsch Die Hölle sieht dich an, 1947 wird das Werk unter dem Titel Eine Mutter kämpft gegen Hitler erstmals in Deutschland, und zwar in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), verlegt (und ist inzwischen wieder im Buchhandel erhältlich).

Hitler hatte bis zum 30. Januar 1933 immer wieder „Legalitätseide“ geschworen. Hans Litten ließ sich von diesen Urlügen eines künftigen Diktators nicht beirren und hat sie 1931 vor Gericht offengelegt. An das Vermächtnis des Juristen erinnern heute in Berlin die Namen von Straßen oder der des Hauses der Bundesanwalts- und der Berliner Landesanwaltskammer.

Im Herbst 1929 hatte eine Weltwirtschaftskrise begonnen, die Arbeitslosigkeit stieg, für die NSDAP gab es im September 1930 bei der Reichstagswahl einen spektakulären Stimmenzuwachs. Es brach eine Zeit der Straßenkämpfe und Saalschlachten an zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, zwischen SA und Rotfrontkämpferbund (RFB) – daraus folgten Strafprozesse. Zu einem der schlagzeilenträchtigsten wurde der Edenpalast-Prozess von 1931 im Kriminalgericht Berlin-Moabit. Verhandelt wurde der Überfall eines Rollkommandos des SA-Sturms 33 im November 1930 auf ein Fest des Arbeiter-Geselligkeitsvereins „Wanderfalke“ im Charlottenburger Lokal „Eden“, gelegen in einem als „Kleiner Wedding“ bekannten Arbeiterviertel.Nicht zufällig hat in dieser Gegend der SA-Sturm 33 sein Stammlokal „Altstadt“ als Sammelpunkt für Märsche und Angriffe auf politische Gegner. So sitzen auf der Anklagebank in Moabit sechs SA-Männer, nachdem vier Arbeiter durch Schüsse teils schwer verletzt worden sind. Nebenkläger ist der 28-jährige Rechtsanwalt Hans Litten.Ihm gelingt es, den „Schriftsteller Adolf Hitler, wohnhaft in München“ am 8. Mai 1931 als Zeuge vor Gericht zu bringen. Littens Prozess-Strategie ist klar: Er macht die Gewaltfrage zum zentralen Thema, um nachzuweisen, dass Gewalt für die NSDAP ein Mittel der politischen Auseinandersetzung ist, die Partei folglich illegal sei. Im Kreuzverhör versichert Hitler: „Ich werde, solange ich die Ehre habe, Führer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu sein, mich nicht vom Wege der Legalität abbringen lassen.“ Er stehe „granitfest auf dem Boden der Legalität“.Litten lässt nicht locker, hält in der ihm eigenen ruhigen Art dem „Führer“ Zitate aus der Goebbels-Schrift Der Nazi-Sozi entgegen, die damals auf jeder NS-Versammlung ausliegt. Darin ist vom „Kampf mit den Fäusten“ die Rede. Man werde „das Parlament zum Teufel jagen“ und jeden Gegner „zu Brei stampfen“. Hitler wirkt fahrig, er stockt, bringt Sätze nicht zu Ende und brüllt mit hochrotem Kopf: „Wie kommen Sie dazu, Herr Rechtsanwalt, zu sagen, das ist eine Aufforderung zur Illegalität? Das ist eine durch nichts zu beweisende Erklärung.“Litten feiert einen Sieg, der ihn das Leben kosten wird Als das Urteil gesprochen wird, bleibt es deutlich unter den Anträgen des Staatsanwalts. Die Justiz der Weimarer Republik erweist sich ein weiteres Mal als nicht sonderlich republikfreundlich. Litten, der den Nationalsozialisten die Maske der Legalität vom scheinheiligen Gesicht gerissen hat, wird in der linken Presse gefeiert. Wenn es ein Sieg war, dann einer, der ihn das Leben kosten wird.1903 in Halle/Saale geboren, wächst Hans Litten in Königsberg auf. Sein Vater Fritz Litten, Dekan der Juristischen Fakultät und Rektor der dortigen Universität, ist mit nationalkonservativen Kreisen des Hauses Hohenzollern bis hin zu Paul von Hindenburg gut vernetzt. Früh gerät sein ältester Sohn Hans in Opposition zum protestantisch getauften, wie der sagt, „karrierekonvertierten“ Vater.Aus religiösem Bekenntnis wendet sich der junge Litten dem Judentum zu, tendiert politisch nach links und zu einer Jugendbewegung, die gegen „alles Alte“ rebelliert. Er wird zum Anführer des Königsberger „Schwarzen Haufens“, einer anarchistischen Gruppe mit jüdischem Einschlag. Als Schüler lernt er neben den gängigen Sprachen Hebräisch, Chinesisch und Sanskrit. Seine Interessen gelten Literatur und Kunstgeschichte. Sein Vater zwingt ihn schließlich, Jura zu studieren.1928, mit 25, tritt Litten in die Kanzlei seines kommunistischen Freundes Ludwig Barbasch (1892 – 1967) in Berlin ein. Er vertritt hauptsächlich Arbeiter wie proletarische Jugendliche und erreicht überraschend viele Freisprüche. Kollegen bewundern seinen kreativen Umgang mit der Strafprozessordnung, die akribische Prozessvorbereitung und eine klare antifaschistische Haltung.Jeder Prozess ist für den Marxisten Litten auch ein Politikum – Klassenkampf gegen Klassenjustiz. Als Freunde ihm nach dem 30. Januar 1933 raten, das Land zu verlassen, antwortet er: „Die Millionen Arbeiter können nicht raus, also muss ich auch hierbleiben.“Aus Verzweiflung unternimmt Litten einen ersten SelbstmordversuchMit dem Edenpalast-Prozess wird Litten, „der kleine dickliche Halbjude, der anarchistische Rechtsanwalt mit ungeschorenem Haar“ – so die NS-Presse, die zum Mord an Litten hetzt –, einer der von den NS-Spitzen meistgehassten politischen Feinde. In der Nacht des Reichstagsbrands vom 27. zum 28. Februar wird er zusammen mit anderen prominenten NS-Gegnern wie Carl von Ossietzky, Erich Mühsam und Hermann Duncker in „Schutzhaft“ genommen.Für Litten beginnt ein mehrjähriger Leidensweg durch die Konzentrationslager Sonnenburg, Brandenburg, Esterwegen, Buchenwald und Dachau. Er wird endlos verhört und gefoltert, von SA-Männern zum Krüppel geschlagen. Sein Gesicht sei „völlig verquollen, das linke Auge geschwollen“, Beine und Füße seien „unkenntliche Stumpen“, heißt es in einem Bericht. Litten unternimmt einen ersten Selbstmordversuch.Im Sommer 1934 wird er in das Lager Lichtenburg an der Elbe verlegt, arbeitet hier in der Buchbinderei und der Lagerbibliothek. Es sind drei ruhigere Jahre seiner KZ-Zeit. Er beschäftigt sich, wie dem Briefwechsel mit seiner Mutter zu entnehmen ist, mit ausgefallenen Fragen aus Kunst, Literatur und Theater, mit einem Relief im Bamberger Georgenchor und mit Neuübersetzungen althochdeutscher und altsächsischer Dichtungen.In einem frühen Text – überschrieben mit Leitlinien eines Lebens in unserem Sinne – hat Litten von der notwendigen Dreiheit aus „Wahrhaftigkeit, metaphysischer Bindung und politischer Arbeit“ gesprochen. Nun tritt die Beschäftigung mit einer „tatsächlich existenten jenseitigen Welt, die von keinem menschlichen Maß zu fassen“ sei, mit mittelalterlicher Mystik und dem Chassidismus in den Vordergrund. Keine Gemeinschaft, das galt für Hans Litten früh, ohne ein Wissen um und eine Bindung an eine solche Sphäre jenseits der „flachen Verstandestätigkeit des Liberalen“. Litten sei Marxist und religiös gewesen, äußerte später ein Freund, der Schriftsteller Max Fürst (1905 – 1978).1937 dann, nach zwei Monaten schwerster Arbeit im Steinbruch und beim Bau des Konzentrationslagers Buchenwald, kommt Litten, gesundheitlich schwer angeschlagen, im Oktober 1937 nach Dachau. Inzwischen ist verfügt worden, alle inhaftierten Juden des NS-Staates in einem Lager zu internieren. In Erwartung weiterer Verhöre und Folter erhängt sich Hans Litten in der Nacht vom 4. zum 5. Februar 1938 in einer Toilette von „Block 6“, dem „jüdischen Block“. Seine Mutter sieht den Leichnam am nächsten Tag zusammen mit einer Freundin. Die beiden trauern allein und sind allein, als es Tage später ein stilles Gedenken im Münchener Krematorium gibt.Irmgard Litten bittet den Kronprinzen um Hilfe Nach dem Reichstagsbrand und der Festnahme ihres Sohnes hat Irmgard Litten Jahr für Jahr für dessen Freilassung, und wenn nicht diese, dann wenigstens Hafterleichterung gekämpft. Sie nutzt die Kontakte ihres Mannes zu der NSDAP nahestehenden Personen wie dem Kronprinzen August Wilhelm, der bei Hitler vorspricht und zu hören bekommt: „Wer für Litten eintritt, fliegt ins Lager, selbst wenn Sie es sind.“Auch zu Roland Freisler, damals Staatssekretär im preußischen Justizministerium, dringt Irmgard Litten vor, damit er Hitler auf den Häftling anspricht. Der schreit: „Es wird niemand etwas für Litten erreichen.“ Hitlers Gesicht hat sich blaurot verfärbt, als er den Namen Litten hörte. Die Mutter gibt nicht auf, sie sucht Gestapo-Beamte auf und schreibt vierteljährlich Gesuche zur Freilassung ihres Sohnes an Größen des Regimes.ie bewirkt, dass es in Prag und London zu einer Pressekampagne zugunsten des Gefangenen kommt. Nach dessen Tod geht ihr Kampf weiter, unter anderem als Sprecherin der BBC und als Buchautorin. 1940 erscheint in Paris auf Deutsch Die Hölle sieht dich an, 1947 wird das Werk unter dem Titel Eine Mutter kämpft gegen Hitler erstmals in Deutschland, und zwar in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), verlegt (und ist inzwischen wieder im Buchhandel erhältlich).Hitler hatte bis zum 30. Januar 1933 immer wieder „Legalitätseide“ geschworen. Hans Litten ließ sich von diesen Urlügen eines künftigen Diktators nicht beirren und hat sie 1931 vor Gericht offengelegt. An das Vermächtnis des Juristen erinnern heute in Berlin die Namen von Straßen oder der des Hauses der Bundesanwalts- und der Berliner Landesanwaltskammer.



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