In der Nacht zum 28. März 2026 hat sich der Konflikt im Nahen Osten dramatisch zugespitzt. Iran hat mit einer umfassenden Vergeltungskampagne auf vorangegangene Angriffe der USA und Israels auf seine Infrastruktur – darunter Stahlwerke, Universitäten und zivile Einrichtungen – reagiert.
Besonders im Fokus steht der schwere Schlag gegen den Prince-Sultan-Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien, wo US-Truppen stationiert sind.
Professor Mohammad Marandi, iranischer Politikwissenschaftler und regelmäßiger Gast in internationalen Debatten, hat diese Entwicklungen in einem ausführlichen Interview mit dem US-Analysten Danny Haiphong analysiert.
Marandi betont dabei die iranische Perspektive: Iran habe diesen Krieg nicht begonnen, wolle keine Eskalation, reagiere jedoch entschlossen auf Aggressionen.
Der Angriff auf den Prince-Sultan-Luftwaffenstützpunkt – ein symbolischer und militärischer Rückschlag
Der Prince-Sultan-Air-Base (PSAB) südlich von Riad ist einer der wichtigsten Stützpunkte der USA in der Region. Er dient als Hub für Luftoperationen, Luftbetankung und Überwachung.
In der Nacht zum 28. März 2026 trafen iranische Raketen und Drohnen den Stützpunkt. Nach US-Angaben wurden dabei 12 bis 15 amerikanische Soldaten verletzt, darunter mehrere schwer (teilweise mit traumatischen Hirnverletzungen). Mindestens zwei Soldaten befanden sich in kritischem Zustand.
Noch gravierender sind die materiellen Schäden: Mehrere KC-135-Stratotanker – Flugzeuge, die für die Luftbetankung von Kampfflugzeugen entscheidend sind – wurden getroffen, einige davon zerstört oder schwer beschädigt.
Berichte sprechen von bis zu acht beschädigten oder zerstörten Tankern. Zusätzlich wurde mindestens ein E-3-Sentry-AWACS-Flugzeug (Airborne Warning and Control System) schwer getroffen oder zerstört.
Dieses System ist für die Luftraumüberwachung, die Koordination von Angriffen und die Erkennung feindlicher Luftabwehr unverzichtbar. Der Verlust solcher Hochwertziele schwächt die operative Fähigkeit der US-Luftwaffe in der Golfregion erheblich.
Iran hatte vor dem Angriff Zivilisten und nicht-militärisches Personal gewarnt, den Bereich zu verlassen – eine Praxis, die Marandi mehrfach hervorhebt, um den Unterschied zu den Angriffen der Gegenseite zu unterstreichen.
Der Stützpunkt wird auch von Saudi-Arabien genutzt und symbolisiert die enge militärische Zusammenarbeit zwischen den Golfstaaten und den USA.
Der erfolgreiche Durchbruch der Luftabwehr trotz US- und saudischer Systeme wird von Marandi als Beweis für die iranische Durchhaltefähigkeit gewertet.
Weitere iranische Schläge gegen Golfstaaten und wirtschaftliche Ziele
Der Angriff auf Saudi-Arabien war Teil einer breiteren Vergeltungswelle. Iran feuerte Hunderte von Projektilen über den Persischen Golf ab und traf Infrastruktur in mehreren Ländern:
Vereinigte Arabische Emirate: Das Aluminiumwerk von Emirates Global Aluminium (EGA) in Al Taweelah (Khalifa Economic Zone Abu Dhabi) erlitt „signifikante Schäden“. Das Werk ist einer der größten Aluminiumproduzenten weltweit und produziert jährlich über 1,6 Millionen Tonnen. Mehrere Mitarbeiter wurden verletzt, die Produktion ist stark beeinträchtigt oder vorübergehend lahmgelegt. Iran nannte dies eine gezielte Antwort auf Angriffe auf iranische Industrieanlagen.
Kuwait: Brände am internationalen Flughafen und an einem Stahlwerk wurden gemeldet. Kuwait gilt als besonders hart getroffen, da seine militärische Infrastruktur bereits früher massiv beschädigt wurde.
Bahrain: Auch das Aluminiumwerk Aluminium Bahrain (Alba) wurde angegriffen und bestätigte Schäden.
Marandi erklärte, dass Iran gezielt Infrastruktur ins Visier nehme, die US-Streitkräfte beherberge oder den Krieg gegen Iran unterstütze (durch Nutzung von Luftraum, Basen oder Logistik).
Er betonte, dass diese Schläge nicht wahllos seien, sondern eine proportionale und sogar überproportionale Antwort darstellten, um weitere Aggressionen abzuschrecken.
Gleichzeitig warf er der westlichen „Mainstream-Medien“ (MSNBC, Fox News, BBC, CNN) vor, die Schäden zunächst herunterzuspielen und erst jetzt, da die Zerstörung nicht mehr zu leugnen sei, teilweise einzugestehen.
Marandis Kernbotschaft: Iran hat den Krieg nicht begonnen – und will keine Eskalation
Professor Marandi wiederholte mehrfach: „Iran hat diesen Krieg nicht begonnen.“
Die Angriffe auf iranische Stahlwerke (mit getöteten Arbeitern), Universitäten in Teheran und Isfahan, Krankenhäuser, Polizeistationen und besonders die Schule in Minab (wo angeblich 168 oder mehr Mädchen getötet wurden) hätten eine Reaktion erzwungen.
Er beschrieb diese als gezielte Versuche, die iranische Zivilgesellschaft, die Jugend und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zerstören.
Besonders scharf kritisierte er die Bombardierung von Journalisten (in Libanon und zuvor in Gaza und Jemen), Sanitätern und medizinischen Einrichtungen.
Die westlichen Medien würden diese Opfer ignorieren oder als „Kollateralschäden in Hisbollah- oder Hamas-Hochburgen“ verharmlosen.
Marandi nannte westliche Journalisten „Fußsoldaten des Genozids“, die Narrative der „Epstein-Koalition“ (seine polemische Bezeichnung für die pro-israelische Allianz um USA, Israel und bestimmte Eliten) bedienten.
Er verwies auf die Einheit der iranischen Bevölkerung: Trotz Raketenangriffen auf Versammlungen und Städte blieben Menschen auf der Straße, Jugendliche hielten stand.
Dies sei stärker als in den 1980er Jahren während des Irak-Kriegs.
Iran werde aus diesem Konflikt gestärkt hervorgehen, während die Gegenseite Fehlkalkulation auf Fehlkalkulation häufe.
Die Rolle von Trump, Netanyahu und die „Zionistische Lobby“
Marandi äußerte die Ansicht, dass Präsident Donald Trump eigentlich einen Ausweg suche, aber durch die „zionistische Lobby“ und Benjamin Netanyahu daran gehindert werde.
Er zitierte den Rücktritt von Joe Kent, der ähnliche Kritik geäußert habe.
Die Politik diene nicht amerikanischen Interessen, sondern israelischen.
Die Golfstaaten (Saudi-Arabien, UAE, Kuwait, Bahrain) würden zunehmend ambivalent, da ihre eigene Infrastruktur und Wirtschaft zerstört werde.
Ihre Armeen seien klein, auf Söldner und westliche Unterstützung angewiesen.
Ein wirtschaftlicher Kollaps könnte zu inneren Unruhen und möglichen Regimeveränderungen führen – nicht in Iran, sondern in diesen Ländern.
Globale wirtschaftliche Katastrophe als Folge der Eskalation
Ein zentraler und besonders ausführlicher Teil von Marandis Analyse dreht sich um die weltwirtschaftlichen Folgen.
Die Angriffe auf Öl-, Gas-, Aluminium- und petrochemische Anlagen, kombiniert mit Störungen im Strait of Hormuz und potenziell im Roten Meer, drohen eine schwere Krise auszulösen:
Energiepreise könnten auf 150–200 Dollar pro Barrel oder höher steigen.
Engpässe bei LNG, Düngemitteln und Rohstoffen würden Fabriken lahmlegen.
Die Lieferketten würden für Wochen oder Monate unterbrochen, da Schiffe Umwege um Afrika fahren müssten.
Marandi warnte: Sollten die USA weitere Operationen (z. B. Besetzung von Inseln oder Kommandounternehmen) durchführen, würde Iran noch härter zurückschlagen – mit permanenten Schäden an Tankern, Kraftwerken und Exportinfrastruktur.
Dann werde der Strait of Hormuz irrelevant, und eine globale Depression von mehreren Jahren drohe.
Der Jemen (Ansar Allah/Huthi) habe nun offiziell in den Krieg eingegriffen und Israel mit Raketen beschossen.
Irakische Widerstandsgruppen könnten Kuwait oder Saudi-Arabien angreifen.
Niemand würde diese kleinen Golfstaaten retten, deren Bevölkerung teilweise kleiner sei als die einer iranischen Großstadt.
Die Achse des Widerstands bleibt intakt
Marandi wies die westliche Erzählung zurück, die „Achse des Widerstands“ (Iran, Hisbollah, Huthi, irakische Gruppen, Hamas) sei zerbrochen.
Im Gegenteil: Hisbollah greife Israel weiter hart an (Merkava-Panzer-Verluste in Millionenhöhe), die Huthi öffneten eine neue Front, und Iran halte trotz monatelanger Angriffe durch.
Die westlichen Medien hätten sich in Wunschdenken verrannt – über „zusammenbrechendes Iran“, „fehlende Raketen“ oder „geschwächte Hisbollah“.
Stattdessen zeige sich die Stärke einer zivilisatorischen, anti-hegemonialen und opferorientierten Ideologie, die auf Werten wie Unterstützung für Palästina, Kuba oder Venezuela basiere.
Er betonte die religiös-kulturelle Dimension: Die Erinnerung an Kerbela und Imam Hussein präge eine Kultur des Widerstands gegen Unterdrücker.
Dies erkläre, warum Iran trotz Bombardements nicht zerbreche, sondern sich vereine.
Ausblick: Eskalation oder Abgrund?
Marandi schloss mit einer düsteren Warnung: Die USA und Israel befänden sich in einer Spirale aus Fehlkalkulationen.
Jede weitere Eskalation (z. B. Bodenoperationen) werde zu mehr Toten, mehr zerstörter Infrastruktur und letztlich einer globalen Katastrophe führen.
Iran habe keine Wahl – es gehe ums Überleben.
Dennoch halte Teheran zurück, um die Weltwirtschaft nicht vollständig zum Einsturz zu bringen.
Das Interview mit Mohammad Marandi bietet eine klare iranische Gegenperspektive zu westlichen Narrativen.
Es zeigt die Eskalationsdynamik, die militärischen Rückschläge für die USA und ihre Verbündeten, die wirtschaftlichen Risiken und die tiefe ideologische Motivation Irans.
Ob die nächsten Stunden oder Tage zu einer weiteren Eskalation oder zu einer Deeskalation führen, bleibt offen.
Fest steht: Die Ereignisse der letzten 24 Stunden haben die Fragilität der regionalen Sicherheitslage und ihre globalen Auswirkungen erneut unter Beweis gestellt.
Die Welt blickt gespannt – und besorgt – auf die Golfregion.