„Radical regimes revolutionize their holidays“,
d.h. „Radikale Regime revolutionieren ihre Feiertage“,

so lautet der Satz, mit dem Joe Perry (2005: 572) seinen Aufsatz über die Nazifizierung von Weihnachten im Dritten Reich einleitet. Egal, ob Regime im (engeren) religiösen Sinn radikal sind oder in einem (weiteren) ideologischen Sinn radikal sind – sie verbieten bisher beachtete oder eingehaltene Feiertage, führen vielleicht neue ein, oder sie versuchen, die mit ihnen verbundenen Inhalte durch andere Inhalte, die der Ideologie des Regimes entstammen oder ihr förderlich sein sollen, zu ersetzen.

Radikale Regime und (deren) Versuche, Weihnachten zu bekämpfen, hat es in der Vergangenheit leider viele gegeben. Man kann sagen, dass der Versuch traditionelle Feiertage zu verbieten oder sie umzuinterpretieren, indem sie mit anderen, ideologie-konformen, Inhalten gefüllt werden, ein Indikator dafür ist, dass man es mit einem radikalen Regime zu tun hat.

Dunelm

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Quelle: Dunelm

Wenn man die umfassenden und anhaltenden Versuche während der letzten Jahre beobachtet hat, Weihnachten zu einem Winterfest zu machen, u.a. indem die spezifisch christliche Ikonographie wie Engel, die Heiligen Drei Könige und Krippenszenen umfasst, zugunsten von Schneemännern, Wichteln, Comic-Figuren auf Schlitten oder mit Nikolausmützen u.a. unterdrückt wird, wie Schulen und Gemeinden systematisch auf Krippenspiele verzichten, in manchen Schulen explizit unerwünscht ist, von Weihnachten zu sprechen, und statt dessen von einem Winterfest gesprochen werden soll, kann man scherlich den Eindruck vermeiden, dass man Zeitzeuge einer konzertierten – politisch bzw. ideologisch begründeten – Aktion ist, die darauf abzielt, Weihnachten als christliches Fest in Vergessenheit geraten zu lassen und an seine Stelle ein – im Übrigen sinnentleertes – Winterfest zu setzen, bei dem wenig mehr (oder, wenn man will: anderes) „gefeiert“ wird als Freizeit, Gemütlichkeit und (bestenfalls) Beisammensein mit Familienmitgliedern oder Freunden.

SUN

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Quelle: SUN

Wer dies bedauert, dem mag es ein Trost sein, dass Weihnachten bereits eine ganze Reihe von Angriffen und Versuchen, ihm den Garaus zu machen, überlebt hat.

Bekannte Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit für die Bekämpfung von traditionellen Feiertagen, darunter Weihnachten, bieten die Sowjetunion und Kuba: In der Sowjetunion sollte der „neue sowjetische Mensch“ geschaffen werden, der den Kommunismus verwirklichen sollte und zu diesem Zweck

„… friedliebend, internationalistisch, patriotisch, gesetzestreu, kollektivistisch, fleißig und – militant atheistisch“

Im Original:

„… peace-loving, internationalist, patriotic, law-abiding, collectivistic, hard working, and – militantly atheist“ (Pankhurst 2012: 15 von 34),

sein sollte.

Um „religiösen Aberglauben“ in der Bevölkerung  auszumerzen, richtete die Kommunistische Partei ein umfassendes Bildungsprogramm ein,

Käthe Wohlfahrt

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?fit=300%2C184&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?fit=640%2C393&ssl=1″ class=“size-medium wp-image-281453″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?resize=300%2C184&ssl=1″ alt=““ width=“300″ height=“184″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?resize=300%2C184&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?resize=768%2C472&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?resize=665%2C408&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Serie-Mainzelmaennchen.png?w=871&ssl=1 871w“ sizes=“(max-width: 300px) 100vw, 300px“/>

Quelle: Käthe Wohlfahrt

„… ateisticheskoe vospitanie, ein Begriff, der normalerweise mitatheistische Erziehungübersetzt wirdWie von den Experten der Kommunistischen Partei konzipiert und durchgeführt, war die atheistische Erziehung kein einfaches Bildungsprogramm, obwohl sie in den Lehrplänen der Schulen und in der pädagogischen Propaganda für die breite Öffentlichkeit enthalten war. Vielmehr warateisticheskoe vospitanie“ der Ansporn für vielfältige Bemühungen während des gesamten Lebens, den Atheismus zu fördern und ihn zur Denkweise jedes sowjetischen Bürgers zu machen.

Im Original:

„… ateisticheskoe vospitanie, a term usually translated as ‚atheist upbringing“ … As conceived and carried out by the communist party experts, an atheist upbringing was not a simple educational program, although it was included in the school curricula and the pedagogical propaganda for the general public. More than that, ateisticheskoe vospitanie spurred a multifaceted effort across the lifespan to nurture atheism, to turn it into the way of thinking for every Soviet citizen“ (Pankhurst 2012: 15 von 34).

C.Stadler/BwagEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?fit=225%2C300&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?fit=640%2C853&ssl=1″ class=“size-medium wp-image-281455″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?resize=225%2C300&ssl=1″ alt=““ width=“225″ height=“300″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?resize=225%2C300&ssl=1 225w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?resize=768%2C1024&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?resize=1152%2C1536&ssl=1 1152w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?resize=1537%2C2048&ssl=1 1537w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?resize=665%2C886&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?w=1280&ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/Stalin-in-Wien.jpg?w=1920&ssl=1 1920w“ sizes=“auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px“/>

Von C.Stadler/BwagEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Die religiösen Gefühle sollten aufgefangen werden durch neu geschaffene Rituale und Zeremonien, die – bereits in der Bezeichnung widersprüchlich – als „neue sowjetische Traditionen“ etabliert werden sollten. Beispielsweise wurden Übergangsriten wie Einschulung, Eintritt in das Berufsleben, Eintritt in diverse staatliche Organisationen u.a. erfunden und begangen. Was christliche Feiertage betrifft, so wurden sie, darunter Weihnachten und Ostern, im Jahr 1929 verboten und durch Neujahrsfeiern, 1.-Mai-Demonstrationen, Lenins Geburtstagsfeierlichkeiten u.a. ersetzt (Pankhurst 2012: 20 von 34).

In den Jahren der erzwungenen Kollektivierung, 1928 bis 1933, wurden Kirchen und andere religiöse Einrichtungen geschlossen, bekannte religiöse Persönlichkeiten inhaftiert, und religiöse Aktivitäten der Bürger wurden während der 1930er-Jahre systematisch und so weit wie irgend möglich verhindert. Bereits im Jahr 1935 hat Stalin geschmückte Bäume erlaubt, allerdings nicht als Zugeständnis an das christliche Weihnachtsfest, sondern im Rahmen eines säkularen Feiertags, als „Neujahrsbäume“, und im Jahr 1947 wurden weitere weihnachtliche Traditionen erlaubt.

In Kuba verbannte Fidel Castro im Jahr 1959 zunächst nur den Nikolaus, weil er ihn als Import aus den kapitalistischen USA und als Fremdkörper in dem, was er als „unsere Kultur“ durchsetzen wollte, ansah. Später, im Jahr 1969, verbot er Weihnachten als solches. Kuba blieb weihnachtslos, wenn man so sagen will, bis 1997.

Aber Versuche, Weihnachten oder christliche Feiertage zu verbieten oder in ideologie-konforme Richtung zu verändern, gab es schon deutlich früher.

Eines der bekanntesten Beispiele hierfür dürfte das revolutionäre Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts sein:

Own work, CC0, Link

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By Jonas Magnus Lystad – Own work, CC0, Link

Während der Schreckensherrschaft der Jakobiner bzw. des Comité de Salut Public, d.h. des Ausschlusses für öffentliche Sicherheit, der aus zwölf Personen bestand – darunter Maximilien de Robbespierre, der oft als „das Gesicht“ des Ausschusses gilt – und seine Existenz in weiten Teilen Georges Danton zu verdanken hat, hat das revolutionäre Frankreich im Jahr 1793 das Verbot aller religiösen Feiertage, also auch von Weihnachten, gesehen.

Die versuchte De-Christianisierung durch das Comité de Salut Public hatte sich zunächst gegen den Katholizismus gerichtet, entwickelte sich aber schnell zu einer allgemeinen Feindlichkeit gegenüber dem Christentum bzw. aller Religiosität, die für konterrevolutionär erklärt wurde. Kirchenbesitz wurde konfisziert, der Gregorianische Kalender wurde durch den Kalender der Französischen Revolution ersetzt, bei dem die Monate so verändert wurden, dass sie drei „Wochen“ zu je zehn Tagen umfassten, wobei jeder zehnte Tag als (säkularer) Ruhetag festgelegt wurde, um dem Sonntagsgottesdienst die Grundlage zu entziehen.

An die Stelle der nunmehr verbotenen religiösen Feiertage wurden öffentliche säkulare „Feiertage“ wie das Fest der Vernunft und die Feier der Ernte gesetzt. Christliche Symbole wie das Kreuz, Kirchenglocken u.a. wurden zerstört, Straßen- und Ortsnamen mit religiösen Konnotationen wurden geändert. Ikonographie und äußere Zeichen der Anbetung (z.B. Kreuze, Statuen, Glocken) wurden zerstört, die Verehrung der Heiligen wurde durch einen Kult der „großen Männer“ ersetzt. Viele Kirchengebäude wurden in „Tempel der Vernunft“ umgewandelt, darunter prominenterweise die Kathedrale Notre Dame. Jede Stadt und jedes Dorf musste einen „Altar für das Vaterland“ einrichten und im „Föderationsmonat“ patriotische Riten durchführen. Die französische Republik sollte eine atheistische sein, bei der Patriotismus als neue Quasi-Religion fungierte.

Im Mai 1794 hielt Robespierre eine Rede, in der er die Wichtigkeit eines möglichst von Allen geteilten nationalen Glaubens betonte und einen Entwurf für einen „Kult des höchsten Wesens“ vorstellte, der die neue Staatsreligion werden sollte. Am 8. Juni 1794 wurde ein entsprechendes landesweites Fest unter seinem Vorsitz organisiert und durchgeführt. Der ganze Spuk währte nicht lange. Bereits wenige Jahre später, 1799, fand die De-Christianisierung Frankreichs ihr formales Ende durch Napoleon Bonaparte.

 

https://publicdomainvectors.org/en/free-clipart/Puritan-silhouette-vector-image/15989.html, CC0, Link

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By Unknown author – https://publicdomainvectors.org/en/free-clipart/Puritan-silhouette-vector-image/15989.html, CC0, Link

Die Britische Insel hat ihre eigene Geschichte der Unterdrückung von Weihnachten, und zwar in Gestalt der puritanischen Parlamentarier, die bereits während des Bürgerkriegs gegen die Royalisten, der in England, Schottland und Irland seit 1642 wütete, gegen alles eintraten, was mit Monarchismus und Katholizismus, der diesen Puritanern als Religion des Satans galt, zu tun hatte.

An die Stelle von Weihnachten wollten die Puritaner einen Fastentag einführen, und sie hatten Erfolg. Am Ende des Jahres 1644 weitete das Parlament die bestehende Gesetzgebung zu Fastentagen dahingehend aus, dass der monatliche Fastentag auch für den Weihnachtstag gelten sollte. In den Jahren 1645 und 1647 wurden neue Gesetze verabschiedet, die die Weihnachtsfeier in ihrer traditionellen Form ausdrücklich abschaffte, weil

„die Feste Christi Geburt, Ostern, Pfingsten und andere Feste, allgemein als Feiertage bezeichnet, bisher abergläubisch genutzt und begangen wurden …“

Im Original:

„… the Feasts of The Nativity of Christ, Easter, Whitsuntide, and other Festivals, commonly called Holy-days, have been heretofore superstitiously used and observed…“ (zitiert nach Frodsham 2013: 144),

Wie es in einem vom Parlament im Jahr 1647 verabschiedeten Gesetz mit dem Titel „An Ordinance for Abolishing of Festivals“, d.h. „Eine Verordnung zur Abschaffung von Festen“, heißt.

CC BY-SA 2.0, Link

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By Oliver Cromwell by Tiger, CC BY-SA 2.0, Link

Oliver Cromwell, der von 1653 bis 1658 als „Lord Protector“ mit Hilfe des Council of State („Staatsrat“) regierte, war selbst Puritaner und verfügte Strafen für das Feiern von Weihnachten durch geselliges Beisammensein, bei dem gegessen und Alkohol getrunken und Weihnachtslider gesungen wurden. Diese Maßnahme war – vergleichbar der Situation in der Sowjetunion – Bestandteil des Versuchs, die herrschenden Sitten umfassend zu reformieren.

Es scheint aber, dass an vielen Orten gar kein ernsthafter Versuch gemacht wurde, das Verbot durchzusetzen, und wo dies doch der Fall war, provozierte es Aufstände, u.a. in Canterbury, wo Aufständische die Stadt für mehrere Wochen besetzten. Im Jahr 1656 gab es im Parlament Klagen darüber, dass die Leute das Verbot des Feierns von Weihnachten einfach ignorieren würden; Versuche, weitere und schärfere diesbezügliche Gesetzgebung zu realisieren, sind aber nicht über die erste Lesung hinausgekommen.

Schriften zur Verteidigung der traditionellen Weihnachtsfeier wurden verfasst und verbreitet, u.a. die berühmte Schrift von Thomas Wamstry mit dem Titel „A Vindication of Christmas“, im Deutschen etwa: „Die Rechtfertigung von/für Weihnachten“, aus dem Jahr 1652, und acht Jahre später kehrte mit der Besteigung des Thrones durch Charles II. im Mai 1660 Weihnachten zurück; die Leute waren wieder frei, Weihnachten zu feiern, wie es Tradittion war bzw. wie sie es wollten, denn Puritaner und Sympathisanten der Puritaner wollten Weihnachten entweder (weiterhin) gar nicht feiern oder es still zu Hause auf ihre eigene Weise feiern. Allerdings waren inzwischen Tatsachen geschaffen worden, und Traditionen wie Maskenspiele und Festumzüge, die früher an Weihnachten stattgefunden hatten, gab es immer seltener und schieden langsam aus der Weihnachtstradition aus (s. hierzu Frodsham 2013: 148-149).

John Leechhttp://historical.ha.com/common/view_item.php?Sale_No=683&Lot_No=57424&type=&ic=, Public Domain, Link

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By John Leechhttp://historical.ha.com/common/view_item.php?Sale_No=683&Lot_No=57424&type=&ic=, Public Domain, Link

Das Regime im nationalsozialistischen Deutschland hat nicht versucht, Weihnachten zu verbieten bzw. Weihnachtsfeierlichkeiten zu unterdrücken, sondern es vorgezogen zu versuchen, Weihnachten im Sinn der nationalsozialistischen Ideologie umzuinterpretieren, d.h. es von seinen christlichen oder traditionellen Inhalten abzulösen und mit neuen, ideologie-konformen Inhalten zu verbinden, anders gesagt: Weihnachten zu nazifizieren:

„Weihnachten, lange Zeit als der ‚deutscheste‘ aller deutschen Feiertage angesehen, war ein überzeugendes, wenn auch anspruchsvolles Mittel zur Schaffung einer nationalsozialistischen Identität. Das neu gestaltete ‚Volksweihnachten‘ feierte die Ankunft eines Erlösers, verkörpert in den Zwillingsgestalten des Führers und des Sohnes Gottes, der eine nationale Wiederauferstehung versprach, verwurzelt im urgermanischen Wald und im ‚Blut und Boden‘ des authentischen Volkes. Neu erfundene häusliche Rituale, die von der ‚deutschen Mutter‘ im Familienhaushalt zum Leben erweckt wurden, verankerten diesen neu gestalteten Weihnachtsmythos in intimen Momenten häuslicher Feierlichkeiten” (Perry 2005: 572; Kursivsetzung im Original).

Im Original:

„Christmas, long considered the ‚most German‘ of German holidays, was a compelling if challenging vehicle for the constitution of National Socialist identity. The remade ‚people’s Christmas‘ (Volksweihnachten) celebrated the arrival of a savior, embodied in the twinned forms of the Führer and the Son of God, who promised national resurrection rooted in the primeval Germanic forest and the ‚blood and soil‘ of the authentic Volk. Reinvented domestic rituals, brought to life by the ‚German mother‘ in the family home, embedded this revamped Christmas myth in intimate moments of domestic celebration“ (Perry 2005: 572; Kursivsetzung im Original).

Winterhilfswerk, Türplakette 1934/35

Im Dezember 1937 wurden erstmals Richtlinien zur Feier von Weihnachten im Nationalsozialismus veröffentlicht, die sich allerdings an politische Gruppierungen (wie die Hitlerjugend) richteten und sich auf Festivitäten bezogen, die ein paar Tage vor dem 24. Dezember gefeiert wurden/werden sollten, darunter die Wintersonnenwende.

„Die Feierlichkeiten waren fast wie ein Gottesdienst strukturiert, mit individuellen Ermahnungen und Antworten der Gemeinschaft (der neue Name für die Kirchengemeinde), dem bewussten Einsatz von Musik, einem zentralen Teil mit einer Rede (anstelle der Predigt), gebetsartigen Ausrufen und schließlich einer ‚Glaubenserklärung an die Gemeinschaft‘ (das Glaubensbekenntnis). Daran lässt sich bis hin zu den gewählten Worten erkennen, was für viele Elemente des nationalsozialistischen Weihnachtsfestes galt: Die formelle Übernahme christlicher Rituale verbunden mit einer völligen inhaltlichen Veränderung“ (Gajek 1990: 4).

Im Original:

„The celebrations were structured almost like a Church service, with individual exhortations and repsonses by the community (the new name for the congregation), the deliberate use of music, a central section with a speech (in place of the sermon), prayer-like shouts and finally a ‚Declaration of Faith in the Community‘ (the Creed). In this it is possible to recognize, right down to the chosen words, what was true of many elements of the National Socialist Christmas: The formal adoption of Christian ritual combined with a complete change in content“ (Gajek 1990 : 4).

Nach dem Beginn des Krieges im Jahr 1939 verschwanden ernsthafte Versuche, die Art und Weise, in der Weihnachten zuhause gefeiert wurde, zu beeinflussen, was Esther Gajek darauf zurückführt, dass die Wintersonnenwende mit ihren öffentlichen Feuern nach Kriegsbeginn nicht mehr durchgeführt werden konnten und den Nationalsozialisten damit eine wichtige Propaganda-Veranstaltung wegbrach, die sie durch die Feier eines nationalsozialistisch umdefinierten Weihnachtsfestes in den Familien ersetzen wollten (Gajek 1990: 4). Diese Versuche waren indirekter Art, erfolgten u.a. durch die Veröffentlichung von Weihnachtsbüchern:

Link

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By Gertrud Caspari – Gertrud Caspari, Walther Caspari: Kinderhumor für Auge und Ohr 41. – 50. Tsd., [1930], zuerst 1906, Public Domain, Link

„Diese wurden ab 1938 in großen Auflagen, hauptsächlich vom Propagandaministerium, veröffentlicht und richteten sich vor allem an Familien, denen sie zu bestimmten Anlässen überreicht wurden. Diese aufwendig produzierten und illustrierten Bücher, die oft mehr als 100 Seiten umfassten, enthielten Märchen, Lieder, Gedichte, Theaterstücke, Rezepte und Geschichten. Zwischen diese Beiträge fügten die Herausgeber spezielle Texte ein, die sich beispielsweise mit den germanischen Wurzeln des Weihnachtsfestes befassten, Tipps für die Weihnachtsfeier zu Hause oder Anweisungen für ‚rassetypische‘ Bräuche in der Vorweihnachtszeit gaben. Keiner dieser sorgfältig abgestimmten Beiträge nahm Bezug auf die rein christlichen Elemente von Weihnachten. Vielmehr wurden diese, angefangen bei der Sprache über die Bräuche bis hin zu den ideologischen Inhalten, systematisch ersetzt. Weihnachtslieder aus Gesangbüchern tauchten mit den bekannten Melodien, aber mit nationalsozialistischen Texten auf; anstelle der Weihnachtskapitel aus den Evangelien wurden ‚deutsche Märchen‘ zum Vorlesen angeboten, um die deutsche Mythologie zu vermitteln; Der Heilige Nikolaus wurde durch ‚Knecht Ruprecht‘ ersetzt, der angeblich eine Variante des germanischen Gottes Wotan war; die Jungfrau Maria wurde zum ,Prototyp der deutschen Mutter‘ und das Christkind tauchte unter dem Namen ‚Kind des Lichts‘ auf“.

Im Original:

„These were published from 1938 onwards in large editions, mainly by the Ministry of Propaganda, and aimed predominantly at families, to whom they were presented on specific occasions. These lavishly produced and illustrated books, frequently running over 100 pages, contained fairy-tales, songs, poems, playlets, recipes and stories. In among these contributions the editors inserted special texts dealing with e.g. the Germanic roots of the Feast of Chrístmas, hints on domestic Christmas celebrations or instructions for practices ‚characteristic of the race‘ during the pre-Christmas period. None of these carefully coordinated contributions made any reference to the purely Christian elements of Christmas. Indeed, starting with the language and going on to customs and ideological content, they were all systematically replaced. Christmas carols taken from hymn books turned up with the familiar tunes, but National Socialist texts; in place of the Christmas chapters from the Gospels, ‚German fairy-tales‘ were offered for reading aloud to convey German mythology; St. Nicholaus was replaced with ‚Knecht Ruprecht‘, who was supposedly a variant of the Germanic god Wotan; the Virgin Mary became the ‚prototype of the German mother‘ and the Christ Child turned up under the name of the ‚Child of Light’“ (Gajek 1990: 5).

Und der Adventskranz, „Sonnenwendskranz“ genannt (Gajek 1990: 8), wurde als Symbol für „die Macht des Lichtes“ ausgelegt (wobei ungeklärt bliebt, warum er vier und nicht drei oder fünf oder sechs oder neuen Kerzen trug) (s. Gajek 1990: 6, Abbildung 4).

Später wollte Goebbles – in Reaktion auf die vielen Toten, die der Krieg forderte, bzw. die vielen Frauen und Kinder, die Weihnachten ohne Ehemann und Vater verbringen mussten –, dass der Heilige Abend allein dem Gedenken der Kriegstoten gewidmet sein sollte, wobei die Kriegstoten als notwendig Opfer stilisiert wurden, die das kommende „freie Jahrhundert“ erforderte (Gajek 1990: 5).

Die Nationalsozialisten haben nicht nur Weihnachten als ein (angeblich) germanisches Fest konstruieren wollen, sondern auch neue Feiertage eingeführt wie den Muttertag im Mai und die Deutsche Wintersonnenwende im Juni. Gajek weist darauf hin, dass es nicht allein die nationalsozialistische Partei war, die für all dieses, sagen wir: kreative, Treiben verantwortlich war:

„In den 30er und 40er Jahren brachten Fachpublikationen, Bücher in Großauflagen und Zeitschriften eine riesige Menge an Material über Weihnachten hervor. Bei den Autoren handelte es sich entweder um akademisch qualifizierte Experten oder um Laien, die sich in diese Richtung berufen fühlten. Eine Untersuchung der behandelten Themen ergab, dass Studien über regionale oder sogar zeitgenössische Praktiken in der Minderheit waren; bei diesen Texten handelte es sich überwiegend um Werke, die die germanischen Elemente von Weihnachten betonten. Die Autoren sahen sich in der Lage zu beweisen, dass die Kirche sich aus taktischen Gründen auf ein bereits etabliertes germanisches Fest mit vielen damit verbundenen Traditionen aufgesetzt und das ältere Erbe seitdem geschickt für ihre eigenen Zwecke genutzt hätte. Aber, so argumentierten sie mit unverkennbarer Freude, es sei nun an der Zeit, diesen Prozess umzukehren… Durch die Bereitstellung von Argumentationsfiguren und Materialien beteiligten sich die Folkloristen an der Veränderung des Weihnachtsfestes. Noch bedeutsamer ist ihre Kollaboration jedoch im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten in Parteiorganisationen, wo sie damit beauftragt wurden …, eine nationalsozialistische Nutzung von Weihnachten zu ermöglichen. Ihre neuen Praktiken knüpften häufig an bestehende Traditionen an, die neu interpretiert wurden. Sie trugen somit zu einer weiteren Säkularisierung des Weihnachtsfestes bei und dazu, bestimmte ideologische Positionen im nicht so einfach zugänglichen Bereich der Familienfeiern zu verbreiten und zu stärken“.

Im Original:

CC BY-SA 3.0 de, Link

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Von Bundesarchiv, Bild 133-068 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

„In the ’30s and ’40s specialist publications, books in large editions and magazines produced a vast amount of material about Christmas. The authors were either academically qualified experts or lay persons who felt a vocation in this direction. An examination of the subjects dealt with indicated that studies about regional or even contemporary practices were in a minority; predominantly these were works which emphasized the Germanic elements of Christmas. The authors considered themselves able to prove that the Church had, for tactical reasons, lighted upon an already established Germanic festival with many traditions attached to it, and had since that time made skilful use of the older heritage for its own purposes. But, they argued with unmistakable glee, the time had now come to reverse this process … By providing arguments and material, the folklorists shared in the changing of the Christmas festival. But their cooperation is even more significant in connection with their activities in Party organizations, where they were charged … with creating a National Socialist Christmas usage. Their new practices frequently harked back to existing traditions, which were reinterpreted. They thus contributed to a further secularization of Christmas and assisted in spreading and strengthening definite ideological positions in the not so easily accessible sphere of family celebrations“ (Gajek 1990: 5; 6).

Heute sind es wieder Akademiker, die gemeinsam mit ideologisch motivierten Personen in politischer Verantwortung und Unternehmen, die meinen, „soziale Verantwortung“ tragen zu müssen, versuchen, ein „inklusives“ Weihnachten für eine multikulturelle Gesellschaft durchzusetzen und Weihnachten – dementsprechend – seiner christlichen Symbolik zu berauben (womit sich allerdings die Frage stellt, ob ein solches Weihnachten nicht diejenigen ausschließt, für die es nur oder überwiegend als ein christliches Fest und eben nicht als Winter- oder Lichterfest ansehen).

Aber wie die Geschichte zeigt, sind Versuche, den Gehalt von Weihnachten und die Art und Weise, in der die Leute es feiern, nach der Vorstellung der jeweiligen Ideologen „von oben“ zu verändern, wenig erfolgreich gewesen. Teilweise sind die Leute einfach wieder zu ihrer früheren Art, Weihnachten zu feiern, zurückgekehrt, wenn sich die politische Situation oder die ideologischen Verhältnisse gewandelt haben. Und dort, wo die Eingriffe „von oben“ Spuren hinterlassen haben, sind sie den Leuten oft gar nicht (mehr) als solche bewusst, so dass sie sie in „ihr“ Weihnachten integrieren können, ohne sich den Inhalten verpflichtet zu fühlen, die durch die jeweiligen „von oben“ vorgegebenen Elemente oder Interpretationen transportiert werden sollten.

Es ist sicher nicht so, dass sich Weihnachten – die Art, in der es gefeiert wird, der Sinn, den eine Mehrheit der Menschen in einer Gesellschaft mit Weihnachten verbindet, – nicht verändern würde (oder könnte oder sollte). Aber wie die historischen Beispiele gezeigt haben sollten, kann die Veränderung von Weihnachten (wie allem anderen auch) nicht längerfristig „von oben“ diktiert oder „von oben“ geprägt werden, schon gar nicht durch radikale Regime. Wenn die Tilgung christlicher Inhalte und christlicher Symbole wie Engel und Krippenszenen aus Adventszeit und Weihnachtsfest tatsächlich gelingen sollte, dann deshalb, weil die Menschen mit ihnen keinen Sinn mehr verbinden, nicht, weil sie „von oben“ von ihnen enteignet worden wären. Und selbst dann, wenn das so sein sollte, ist nicht ausgeschlossen, dass dieselben Symbole und der mit ihnen verbundene Sinn demnächst wiederentdeckt werden wird.


Literatur

Frodsham, Paul, 2013: From Stonehenge to Santa Claus: The Evolution of Christmas. Stroud: The History Press.

Gajek, Esther, 1990: Christmas Under the Third Reich. Anthropology Today 6(4): 3-9

Pankhurst, Jerry, 2012: Religious Culture: Faith in Soviet and Post-Soviet Russia. In Dmitri N. Shalin, S. 1-32. https://digitalscholarship.unlv.edu/russian_culture/7

Perry, Joe, 2005: Nazifying Christmas: Political Culture and Popular Celebration in the Third Reich. Central European History 38(4): 572-605

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