Ich ertrage es einfach nicht mehr. Und darum muss ich darüber schreiben. Nur ganz kurz, versprochen. Gerade stieß ich beim täglichen Durchschauen der Nachrichtenseiten – nicht aus Masochismus, sondern weil es leider mein Beruf ist – auf folgende Schlagzeile bei meinem alten Arbeitgeber, dem „Focus“, der einst konservativ war, aber heute längst im rot-grünen Meinungs-Einheitsbrei angekommen ist: „Donald Trump will Grönland übernehmen, im Zweifel mit militärischen Mitteln. Die Insel ist nicht nur wegen ihrer Rohstoffe attraktiv, sondern auch wegen ihrer geostrategischen Lage. Eine zentrale Rolle spielt der – von Trump geleugnete – Klimawandel.“
Ich kann nicht so viel essen, wie ich da kotzen möchte. Und das erklärt auch, warum die tägliche Nachrichten-Lektüre sich bei mir inzwischen anfühlt wie Masochismus – und ich jeden beneide, der beruflich nicht dazu gezwungen ist. Nein, es geht hier nicht um Trumps Grönland-Anspruch – über den man geflissentlich streiten kann. Es geht um sechs Worte, die harmlos daher kommen, aber ebenso unfassbar wie leider inzwischen üblich sind: „Der – von Trump geleugnete – Klimawandel.“
Geht’s noch, liebe Kollegen? Seid Ihr Euch eigentlich noch bewusst, was Ihr da schreibt? Oder betreibt Ihr diese manipulativen Sprachpolizei im Autopiloten? Ich kann dieses Wort „leugnen“ nicht mehr ertragen. Corona-Leugner. Klima-Leugner. Was für eine Dreistigkeit! Im Wort „leugnen“ steckt Dogma drin, Wahrheits-Anspruch, und der Geist der Ketzerverfolgung. Wie könnte es so weit kommen, dass dieser Begriff zur Norm wurde?
Warum schreibt kaum noch jemand fair „bestritten“ oder „angezweifelt“. Außerdem bestreitet Trump den Klimawandel überhaupt nicht. Er bezweifelt nur, ob der Mensch die Hauptschuld daran trägt. Dass man das heute nicht mal mehr bezweifeln darf ohne mit dem Bannfluch des polit-medialen Komplexes belegt zu werden, zeigt, wie totalitär die Verhältnisse bei uns sind.
Das ist nicht Journalismus, das ist Agitprop – wie man in den Hochschulen von KGB und Stasi diese perfide Mischung aus Agitation und Propaganda nannte. Und lehrte. Und die Lehre lebt. In den meisten unserer großen Medien – bzw. in den Köpfen der Journalisten dort. Die uns für dumm halten, ungebildet, rückständig. Die glauben, Sie seien erleuchtet, moralisch überlegen. Und müssen uns deshalb in die helle Zukunft führen. In eine abgasfreie – wobei sie am liebsten selbst im SUV dorthin vorausfahren.
Zweifel waren einmal die Grundtugend im Journalismus. An allem und jedem zu zweifeln – das ist in meinen Augen Hauptaufgabe unserer Profession. Und was ist daraus geworden – das Gegenteil: Zweifel ist heute schon Blasphemie. Besonders schlimm: Viele Jüngere kennen es wohl gar nicht mehr anders. Willkommen im Glaubensstaat Deutschland. Es überrascht mich nicht mehr, dass manche Journalisten und Politiker klammheimlich oder offen autoritäre Regime wie etwa in Venezuela bewundern. Denn dort gilt – wie hier – nicht der Zweifel als Tugend, sondern die absolute Gewissheit. Dieselbe intellektuelle Enge, dieselbe Abneigung gegen offene Debatte. Was sie mit echter Demokratie, Meinungsfreiheit und Liberalität verbindet? Nichts.
PS: In der ersten Version hatte ich im Schluss noch die Mullahs im Iran stehen statt Venezuela. Ich habe mich dann entschlossen, einen Gang zurück zu schalten. Ich denke, das tut allen Seiten in der aktuellen aufgeheizten und zur Hysterie und Übertreibung neigenden Debatte gut. Auch mir – denn ich nehme mich da explizit nicht aus. Ein kleiner Schritt in Sachen Debattenkultur, ein großer für mein Nervenkostüm.
Zigtausende frieren – und unsere Medien spülen alles weich. Weil’s linker Terror war, nicht rechter.
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