Peter Haisenko
Die Realität schreibt die besten Politkrimis. Wie mit Kometen, die auftauchen und verschwinden, ist es auch mit manchen Politikern. So war es auch mit Willy Brandt. Freiwillig ist er aber nicht verschwunden. Sein Aufstieg und Fall ist einer, der von den meisten nicht als Politkrimi erkannt worden ist. Deswegen will ich mich damit befassen.
Die älteren unter uns werden sich noch daran erinnern, wie euphorisch Brandt von seinen Anhängern gefeiert worden ist. Man kann sagen, nicht zu unrecht. Allerdings passte Brandt nicht in die politische Nachkriegswelt. Er selbst wusste das nicht. Er gehörte nicht zu den eingeweihten, die wussten, wie wichtig die deutsche Teilung für die deutsche Nachkriegspolitik war. Er war der einzige Kanzler bis Helmut Kohl, der das nicht wusste. So musste er von Anfang an, ja noch bevor er Kanzler wurde, vorausschauend eingehegt werden. Seine Ostpolitik war eine Gefahr für die Fortführung des Kalten Kriegs, der beide Teile Deutschlands zu Frontstaaten gemacht hat. So war dafür gesorgt, dass Ost und West ihre jeweiligen Teile der Beute pfleglich behandelten und wieder stark gemacht haben. Als vorderste Front zwischen der „freien Welt“ und dem Kommunismus.