Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, nicht mehr über Frank-Walter Steinmeier zu schreiben. Den Spalter im Bundespräsidialamt mit der radikal linken Vergangenheit, bei der man sich immer wieder fragt, ob sie wirklich Vergangenheit ist. Aber dann bringt der Sozialdemokrat, der in jungen Jahren für eine Zeitschrift eines heimlich von der DDR finanzierten linksradikalen Verlags schrieb, immer wieder solche Hämmer, dass man nicht schweigen darf. Nicht schweigen kann.

Jetzt fühlte sich der Mann, der gerne den Ayatollahs im Iran gratuliert, Trump dagegen schon mal gar nicht, offenbar dazu verpflichtet, seinen Senf zum Ramadan zu geben – als ob irgendjemand darauf gewartet hätte. „Zum Ende des muslimischen Fastenmonats hat Steinmeier muslimischen Gläubigen in Deutschland einen Gruß gesendet“, schreibt die „Welt“ ganz neutral, und zitiert dann das Staatsoberhaupt: „Der Ramadan ist ein auch in Deutschland beheimatetes Fest geworden und gehört zum religiösen Leben unseres Landes.“

 Wie bitte? 

Steinmeiers Behauptung, der Ramadan sei in Deutschland „beheimatet“, ist ein rhetorischer Übergriff. Eine jahrhundertealte christlich-abendländische Kultur wird quasi durch präsidiales Dekret mit einer religiösen Praxis gleichgesetzt, die in weiten Teilen der Bevölkerung – wie die Leserkommentare in der „Welt“ zeigen – als Fremdkörper wahrgenommen wird. Es ist der Versuch, Realität durch die permanente Wiederholung von Propaganda zu schaffen. Eine Art staatlich verordneter Realitätsverlust.

Der Bundespräsident schwadroniert von „bewusstem Verzicht“ und „großzügigen Gesten“. Dass dieses religiöse Fest im öffentlichen Raum zunehmend mit Dominanzgesten und einer Ablehnung westlicher Lebensweise einhergeht, blendet der „Appeasement-Präsident“ (so eine treffende Leser-Analyse) konsequent aus. Er ignoriert die strukturellen Konflikte und verkauft Kapitulation als Zusammenhalt. Und feiert die Erosion der eigenen Werte als Akt der Toleranz.