Ein deutsch-australisches Unternehmen erhielt den Zuschlag unter 34 Bewerbern. Die Firma testete bereits im Vorfeld Verfahren zur Lithiumgewinnung. Umweltauflagen sowie Befragung der Bevölkerung sollen eingehalten werden. Von Andreas Hetzer.
La Paz/Perth/Karlsruhe. Das deutsch-australische Unternehmen EAU Lithium hat in einer Pressemeldung erklärt, dass es eine Vereinbarung mit dem staatlichen Lithiumunternehmen Boliviens (Yacimientos de Litio Bolivianos, YLB) unterzeichnet hat. Demnach werden beide Seiten formelle Gespräche über einen möglichen Vertrag zur Lithiumförderung aufnehmen. Ziel ist es, Industrieanlagen zu errichten, die die Technologie des Unternehmens nutzen.
Das binationale Konsortium gewann eine staatliche Ausschreibung, an der 34 Unternehmen teilgenommen hatten. Vorausgegangen waren technische Experimente, die an Soleproben aus den Salzlagunen Pastos Grandes (Potosí), Empexa (Potosí) und Coipassa (Oruro) durchgeführt wurden.
Laut dem Unternehmen werden die Verhandlungen mit YLB unter Berücksichtigung der Souveränität Boliviens, der eigenen Umweltverantwortung und der gesetzlichen Vorschriften über die Konsultation der ortsansässigen Gemeinden geführt. Die Aufnahme von vertraulichen Gesprächen beinhalte weder eine Industrie- oder Produktionsgarantie noch eine Genehmigung für die Aufnahme des Betriebs.
Unabhängig vom Ergebnis bleibe YLB Verwalter der Lithiumressourcen und im Besitz der Landrechte im Namen des bolivianischen Volkes. Im Falle einer Einigung würde ein Vertrag zwischen YLB und EAU Lithium zustande kommen, der die Errichtung von Industrieanlagen und den Einsatz der spezifischen Absorptionstechnik des Unternehmens regelt.
EAU Lithium ist ein Konsortium, das bereits seit Jahren in Bolivien präsent ist und ein Ableger der deutsch-australischen Vulcan Energy Resources ist. Es wurde eigens gegründet, um die Entwicklung der bolivianischen Lithiumindustrie voranzutreiben. Es wirbt mit dem Einsatz einer Technologie der Direkten Lithiumextraktion durch Adsorption (A-DLE), deren Lizenz das deutsche Unternehmen Vulcan Energie Ressourcen GmbH in Karlsruhe besitzt. Aus diesem Grund bezeichnet EAU Lithium Vulcan Energy als strategischen Partner.
„A-DLE kann die natürlich vorkommende erneuerbare Energie aus Tiefengeothermie nutzen, um die Lithiumgewinnung mit Energie zu versorgen und gleichzeitig als Nebenprodukt erneuerbare Energie bereitzustellen”, heißt es auf der Firmenseite. Es soll umweltfreundlich, CO₂-arm und effizient sein, außerdem habe es nur einen geringen Wasser- und Flächenverbrauch. Diese Technik soll nun auch in Bolivien zum Einsatz kommen.
EAU Lithium teilte mit, dass es auf die langjährige diplomatische Unterstützung der Europäischen Union, insbesondere von Deutschland, zählen könne. Zudem hätten beide erhebliche Finanzmittel für die Technologie von Vulcan Energy bereitgestellt, um die Dekarbonisierung der Wirtschaft voranzutreiben.
Zuletzt war vor zwei Wochen eine EU-Delegation mit Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern in Bolivien zu Gast und versprach der Regierung elf Millionen Euro zur Gewinnung erneuerbarer Energien und der Lithiumproduktion. Das deutsche Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit sicherte fünf Millionen Euro zu, um die Erzeugung von grünem Wasserstoff zu fördern, der bei der Lithiumgewinnung von Bedeutung sein könnte (amerika21 berichtete).
Ende 2024 hatte die Vorgängerregierung, die Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo, MAS), drei ausländische Unternehmen, darunter EAU Lithium, eingeladen, ihre Verfahren zur Lithiumgewinnung an drei Orten zu testen (amerika21 berichtete). Diese Vorgeschichte legte den Grundstein dafür, dass die deutsch-australische Firma nun die Ausschreibung gewinnen konnte.
Zudem hatte die MAS Verträge mit den Unternehmen CBC aus China und der Uranium One Group aus Russland abgeschlossen. Beide wurden jedoch noch nicht vom Parlament genehmigt und warten noch immer auf ihre Debatte in der Abgeordnetenkammer (amerika21 berichtete). In Bolivien muss ein Gesetz verabschiedet werden, um Verträge über die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu erlauben.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Amerika21.
Titelbild: „Mina de lítio no Salar de Uyuni na Bolívia, em imagem CBERS4 MUX de ontem / Lithium mine at Bolivia´s Uyuni Salt Flat, on a CBERS4 MUX yesterday´s image“ von Coordenação-Geral de Observação da Terra/INPE , CC BY-SA 2.0