In Kürze:

  • Erstmalige LNG-Weiterleitung von Mukran über Lubmin und Polen in die Ukraine
  • Deutsche Regas fungiert ausschließlich als Infrastrukturbetreiber
  • Lieferung erfolgt bei niedrigen deutschen Speicherständen und anhaltenden Energie-Konflikten

 

Während Deutschlands Gasspeicher seit Wochen auf historisch niedrigem Niveau liegen, wird seit Kurzem erstmals Flüssigerdgas aus den USA über das LNG-Terminal „Deutsche Ostsee“ in Mukran (Mecklenburg-Vorpommern) via Lubmin und Polen in die Ukraine weitergeleitet. Das bestätigte die Betreiberin des Terminals, die Deutsche Regas, auf Anfrage.

Zu Liefermenge, Preis und möglichen Auswirkungen auf den deutschen Gasmarkt machte das Unternehmen keine Angaben. Die Lieferbeziehung bestehe ausschließlich zwischen TotalEnergies und Naftogaz. Die Deutsche Regas tritt lediglich als Infrastrukturbetreiber auf und ist kein Energiehändler.

Auch zum Zeitpunkt des Lieferbeginns äußerte sich das Unternehmen nicht näher. Man regasifiziere fortlaufend für verschiedene Kunden; über den Bestimmungsort entscheide ausschließlich der jeweilige Eigentümer, heißt es. Angaben zu finanziellen Details wurden mit Hinweis auf vertrauliche Vertragsinhalte nicht gemacht.

Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur teilte auf Anfrage von Epoch Times mit, dass sich ihre Behörde nicht an den Kosten für die Regasifizierung beteilige. Privatwirtschaftliche Tätigkeiten würden grundsätzlich nicht kommentiert.

Regas und Naftogaz betonen strategische Partnerschaft

„Die erste Lieferung von regasifiziertem LNG aus Deutschland in die Ukraine war nur dank der professionellen und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Partner möglich“, zitierte Naftogaz den CEO der Deutschen Regas Ingo Wagner, in einer Pressemitteilung vom vergangenen Montag.

Das Unternehmen sei „besonders stolz darauf, als einziges privat finanziertes und betriebenes LNG-Terminal in Deutschland einen direkten Beitrag zur Energiesicherheit der Ukraine zu leisten“, erklärte der Vorstand der Deutsche Regas.

Der Chef des ukrainischen Energieversorgers Naftogaz, Sergii Koretskyi, lobte die Zusammenarbeit mit dem deutschen Regasifizierungsdienstleister. „Diese neue Partnerschaft eröffnet der Ukraine im laufenden Jahr einen zusätzlichen, verlässlichen Importweg“, sagte Koretskyi. Die Vereinbarung mit der Deutschen Regas sei „nur der erste Schritt hin zu einer langfristigen Zusammenarbeit“. Den aktuellen Winter bezeichnete er angesichts anhaltender Angriffe auf die Gasinfrastruktur und extremer Kälte als den „schwierigsten seit Kriegsbeginn“.

Naftogaz hatte erst am Dienstag, 24. Februar, russische Drohnenangriffe auf eine Gasförderanlage in der Region Charkiw gemeldet. Am 20. Februar habe es zudem Drohnenattacken gegen die Öl- und Gasinfrastruktur in der Region Poltawa gegeben. Allein im Jahr 2026 sei es bislang zu mehr als 20 derartigen Angriffen gekommen.

Niedrige Gasspeicherstände in Deutschland

Indes waren Deutschlands Gasspeicher am 24. Februar noch zu etwas mehr als 20 Prozent gefüllt, wie die Plattform „Gasspeicherstand.de“ meldete. „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet“, teilte die Bundesnetzagentur am Abend des 25. Februar mit.

Die angespannte Lage steht auch im Zusammenhang mit der Zerstörung von drei der vier Stränge der Ostsee-Pipeline Nord Stream im September 2022. Über sie wurde zuvor russisches Erdgas in großen Mengen nach Deutschland transportiert. Seit Beginn des Ukraine-Krieges bezieht die Bundesregierung kein Pipelinegas mehr direkt aus Russland.

Energiegeopolitischer Hintergrund: Druschba-Pipeline und EU-Streit

Die Lieferung von LNG aus Deutschland nach Kiew erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Spannungen in der Energieversorgung Osteuropas. Die Druschba-Pipeline, die normalerweise russisches Öl über die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei transportiert, wurde am 27. Januar nahe der Stadt Brody beschädigt. Laut ukrainischen Angaben steckten russische Angriffe dahinter, was die Ölversorgung für beide Länder unterbrach und einen diplomatischen Konflikt auslöste.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico setzte die Ukraine unter Druck: Solange sein Land kein russisches Öl via Druschba importieren könne, werde die Slowakei keinen Strom mehr an Kiew liefern, weitere Gegenmaßnahmen erwägen und ihre zuvor konstruktive Haltung zur EU-Mitgliedschaft der Ukraine überdenken. Ähnlich reagierte Ungarns Regierungschef Viktor Orbán.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lehnte es ab, die Druschba-Pipeline auf ukrainischem Territorium wieder instand zu setzen. Er begründete dies damit, dass Reparaturarbeiten unter gezielter Bedrohung durch Angriffe des Kreml zu hohe Risiken für Menschenleben bergen würden. Zudem kritisierte Selenskyj, dass Russland zunächst Schäden verursache und die Ukraine anschließend zur Reparatur verpflichtet werde. Gleichzeitig forderte er, dass Ungarn sich in Moskau für eine „Energiewaffenruhe“ einsetze, da die Pipeline bereits mehrfach angegriffen worden sei.

EU-Appell und Drohnenangriffe

Die Europäische Union, vertreten durch Ursula von der Leyen und António Costa, appellierte an Selenskyj, die Reparatur der Druschba-Pipeline auf ukrainischem Territorium zu ermöglichen.

Trotz der Blockade durch Orbán wurde der angekündigte Milliardenkredit für die Ukraine zugesagt. Von der Leyen betonte, dass die EU über verschiedene Optionen verfüge, um die Finanzierung sicherzustellen, und dankte dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenkovic für die Sicherung der Adria-Pipeline und den Öltransport via Serbien nach Ungarn und in die Slowakei.

Drohnenangriffe auf russisches Hinterland

Zusätzlich verschärfen Angriffe ukrainischer Drohnen auf russisches Territorium die Lage: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ist der Gasnachschub aus Russland für die Druschba-Pipeline zusätzlich durch einen Angriff ukrainischer Drohnen im rund 1.200 Kilometer entfernten russischen Hinterland gestört.

Ein ukrainischer Sicherheitsbeamter bestätigte am 23. Februar, dass der Drohnenangriff einen Brand am Bahnhof Kaleykino nahe Almetjewsk in der russischen Republik Tatarstan verursacht habe. Aus der Stadt Almetjewsk gab es jedoch keine Bestätigung, dass eine Pumpstation der Druschba-Pipeline beschädigt worden sei.



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