Thomas Kolbe
Spare in Zeiten des Überflusses, dann hast du in Zeiten der Not. Ein altes deutsches Sprichwort, das sich nun tragisch bewahrheitet. Die Härten, die aus einer vollständig entgleisten klima-sozialistischen Ideologie resultieren, beginnen gerade erst. Dieses sozialistische Experiment dürfte das Land weiter verwüsten, bis seine wirtschaftliche Substanz vollständig aufgezehrt ist.
Das neue Jahr beginnt so, wie das alte endete: mit einem fiskalischen Überfall auf die Geldbörsen der Mittelschicht. In Brüssel und Berlin herrscht Zufriedenheit darüber, dass die Bürger stillschweigend, ohne großes Aufsehen, weiteren Steuererhöhungen unterworfen wurden – deren Einnahmen wie eine steigende Flut alle Schiffe nur minimal anheben.
Zum 1. Januar stieg der CO₂-Preis pro Tonne ausgestoßenen Gases von 55 auf 65 Euro. Diese Abgabe, die auf fossile Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Erdgas und Heizöl erhoben wird, zieht sich wie eine rote Linie durch die gesamte Wertschöpfungskette – bis hinein in die Rechnungen privater Haushalte. Der grüne Abschöpfungsmechanismus ist nun fest verankert, finanziert zunehmend die expandierenden Aktivitäten Brüssels und wird von den regierenden Politikern mit Zähnen und Klauen verteidigt.
Die Lüge von der Steuerentlastung
Wenn die Bundesregierung ihre minimalen Steuerentlastungen für untere und mittlere Einkommensgruppen feiert, erzählt die Realität eine andere Geschichte. In Wahrheit erhöhen diese unermüdlichen Fiskalsammler die Steuerlast weiter. Nur die Ablenkungsarbeit staatsnaher Medien verhindert, dass die Kosten des wachsenden Hyperstaates vollständig sichtbar werden.
2026 wird für Deutschlands schrumpfende Mittelschicht ein teures Jahr – sichtbar schon bald auf der ersten Gehaltsabrechnung des Jahres. Sie wird die wahren Kosten eines überdehnten Sozialstaates offenlegen sowie des einzigartigen Experiments, Deutschlands Sozialversicherungssystem in eine quasi-globale Versicherung umzuwandeln.
Nie seit dem Zweiten Weltkrieg war die deutsche Mittelschicht einem derart hohen fiskalischen und wirtschaftlichen Druck ausgesetzt.
Die Last staatlicher Subventionen auf der Mittelschicht
Die unzähligen Subventionen und staatlichen Eingriffe zur Finanzierung der komplexen „grünen Künste“, des Ukraine-Krieges und nun auch des militärischen Aufbaus stellen einen direkten Angriff auf die deutsche Mittelschicht dar. Unternehmen und Netto-Steuerzahler zahlen Jahr für Jahr einen steigenden „Blutzoll“, um Berlins und Brüssels ideologische und machtpolitische Ambitionen zu tragen.
Allein das noch aktive Erneuerbare-Energien-Förderprogramm EEG verschlingt in diesem Jahr über 16 Milliarden Euro – für ein Stromnetz, das seit dem Ausstieg aus der Kernenergie keine sichere Grundlage mehr für industrielle Produktion bietet und sowohl Industrie- als auch Haushaltsstrompreise in schwindelerregende Höhen treibt. Trittins „Eiskugel“ ist zu einem Kosten-Himalaya geworden, den niemand mehr erklimmen kann.
Deutschlands siebenjähriger industrieller Niedergang, der sich nun beschleunigt, zeichnet exakt den Weg der gezielten Zerstörung seiner industriellen Basis nach. Seit 2018 gingen fast 300.000 Industriearbeitsplätze verloren – tragisch, aber offenbar von geringem Interesse für die politischen Entscheidungsträger in Berlin.
Die kommunalen Kämmerer jedoch spüren den Schmerz: Wenn die Gewerbesteuereinnahmen infolge der industriellen Zerstörung einbrechen, müssen Bürger mit Kürzungen öffentlicher Leistungen und kräftigen Steuererhöhungen rechnen. Schulen, Kindergärten, Sportanlagen – alles steht vor drastischen Einsparungen. Ein großes „Dankeschön“ an die Berliner Zentralplanung.
Industrie am Abgrund: Kredite verpuffen
Was Friedrich Merz, Ursula von der Leyen und andere Zentralplaner anstreben, ist klar: freiwerdende industrielle Kapazitäten sollen mittels staatlicher Kredite besetzt werden. Doch egal, wie viel Geld in das neue Sozialprogramm unter dem Deckmantel eines Sondervermögens für grüne und militärische Produktion fließt – der Effekt ist bereits verpufft. Im Dezember rutschte der gesamte Industriesektor der Eurozone, gemessen an den aktuellen Einkaufsmanagerindizes (PMI), in die Rezession. Deutschland schrumpft seine Industrie nun schon seit sieben Jahren kontinuierlich.
Ein Sieg für die Zentralplaner in Brüssel, deren Ziel offenbar die wirtschaftliche und geopolitische Neutralisierung des Landes ist. Nach Jahren der Deindustrialisierung und Insolvenzwellen lässt sich diese Strategie kaum anders interpretieren. Deutschlands PMI liegt nun bei 47 Punkten – eindeutig im Schrumpfungsbereich. Hunderttausende Arbeitsplätze werden in diesem Jahr verloren gehen. Allein im vergangenen Jahr gingen 24.000 Unternehmen in die Insolvenz. Exakte Zahlen zu Arbeitsplatzverlusten und Netto-Direktinvestitionsabflüssen liegen noch nicht vor; 2024 flossen 64,5 Milliarden Euro aus Deutschland ab. Die deutsche Industrie ist nicht mehr wettbewerbsfähig.
Schnelle Schuldzuweisungen
Die Schuldigen sind schnell benannt. US-Zölle, ein Lieblingsthema wohlwollender Medien, werden häufig genannt – obwohl die Krise lange vor Donald Trump begann. Auch Dumping-Konkurrenz aus China wird hervorgehoben. Das ist ein Faktor, doch 99 Prozent der wirtschaftlichen Probleme Deutschlands sind hausgemacht.
Niemand zwang das Land, seine Grenzen über ein Jahrzehnt hinweg weit offen zu halten und damit seine Sozialversicherungssysteme an den Rand des Zusammenbruchs zu treiben – alles, um neue Wählerbasen für die vereinigte politische Linke zu schaffen und den Widerstand des bürgerlichen Lagers zu brechen.
Schrumpfende Mittelschicht und sinkende Investitionen
Dieser Trend spiegelt sich in der Mittelschicht wider. Der DATEV-Mittelstandsindex zeigt sinkende reale Umsätze in allen Branchen, insbesondere im Handel, im Baugewerbe und bei konsumnahen Dienstleistungen. Investitionen sind nahezu eingefroren: Laut dem Mittelstandsradar der LBBW planen nur 20 Prozent der Unternehmen im kommenden Jahr steigende Investitionen.
Die ideologische grüne Agenda hat ihre Spuren hinterlassen. Hohe Strompreise, sinkende Einkommen und anhaltende Inflation bluten die Mittelschicht aus. Der Einzelhandel spürte dies erstmals zu Weihnachten: Nominal stiegen die Umsätze um 1,5 Prozent, real jedoch sanken sie im stärksten Monat um 1 Prozent.
Wirtschaftlicher Stress wird die deutsche Mittelschicht im Jahr 2026 ständig begleiten. Hohe Immobilienpreise, null reale Verzinsung von Ersparnissen und der rasche Verlust wirtschaftlicher Substanz treffen auf einen immer weiter wachsenden Staat. Bürokratie und Staatsapparat entwickeln sich zu einem parasitären Leviathan, finanziert von einer schrumpfenden Zahl von Beitragszahlern.
Folgen für Industrie, Handel und Innenstädte
Zu viel hängt von Deutschlands hoher industrieller Wertschöpfung ab: Dienstleistungsunternehmen, hohe Faktoreinkommen und solide kommunale Finanzen – all das geht nun verloren und spiegelt sich in den Innenstädten wider.
Wo einst Leben pulsierte, sterben jedes Jahr rund 5.000 Einzelhändler – ein unwiederbringlicher Verlust. Die Verödung spiegelt wider, was die Bürger in ihren Geldbörsen spüren: Die Ebbe hat begonnen.
Die schwindende Kaufkraft der Mittelschicht ist besonders im Gastgewerbe sichtbar, wo Familien zuerst sparen. Hotels verloren 2025 real 3,7 Prozent Umsatz, Restaurants und Bars sogar 4,1 Prozent im Jahresvergleich. Haushalte sparen, wo immer es möglich ist. Hohe Energiekosten, steigende Sozialabgaben und ein sich abschwächender Arbeitsmarkt hinterlassen eine Spur wirtschaftlichen Niedergangs.
Versäumte Lehren: Bevölkerung und Krise
Strukturelle Wirtschaftskrisen brauchen Zeit, um ins öffentliche Bewusstsein vorzudringen. Die meisten Haushalte schnallen zunächst klaglos den Gürtel enger.
Der Staat nutzt diese Ruhe vor dem Sturm, um das Vermögen der Bürger schneller zu konsumieren, als der private Sektor es ausgleichen kann. Bei einer Nettoneuverschuldung von über 5,5 Prozent in diesem Jahr – inklusive buchhalterischer Tricks – wird dies besonders deutlich. Die Hingabe eines Teils der Bevölkerung an ideologische Doktrinen wird zu einer teuren, zerstörerischen Tragödie.
Deutschland steht vor einer Nation, die nicht bereit ist, die notwendigen Lehren zu ziehen: eine Umkehr der Migrationspolitik, die Anpassung des aufgeblähten Staatsapparates an neue wirtschaftliche Realitäten und dessen Verkleinerung. Eine Hinwendung zu einer leistungsorientierten Marktwirtschaft bleibt aus.
Bis diese Lehren erkannt und umgesetzt werden, wird Deutschland weiter fallen.
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Thomas Kolbe, geboren 1978 in Neuss/Deutschland, ist Diplom-Ökonom. Seit über 25 Jahren arbeitet er als Journalist und Medienproduzent für Kunden aus verschiedenen Branchen und Wirtschaftsverbänden. Als Publizist konzentriert er sich auf wirtschaftliche Prozesse und beobachtet geopolitische Ereignisse aus der Perspektive der Kapitalmärkte. Seine Veröffentlichungen folgen einer Philosophie, die den Menschen und sein Recht auf Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt.