Wer hat nicht von den zum UNESCO-Welterbe erklärten Höhlenmalerien in den Höhlen von Lascaux, Chauvet oder Altamira gehört oder genauer: z.B. vom großen schwarzen Bullen oder dem Fries der kleinen Pferde in der Höhle von Lascaux, vom Paneel der Löwen oder dem der vier Pferde in der Chauvet-Höhle oder von der Decke der roten Pferde in der Altamira-Höhle?! Diese (und andere) oft faszinierend realistischen Malereien wurden von unseren Vorfahren in der Steinzeit aus bis heute unbekannten Gründen angefertigt – soviel steht fest. Aber wann genau in der Steinzeit wurden diese Malereien angefertigt?

https://flic.kr/p/9x7tZY, CC BY-SA 2.0, Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?fit=300%2C297&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?fit=640%2C634&ssl=1″ class=“ wp-image-287407″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=360%2C356&ssl=1″ alt=““ width=“360″ height=“356″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=300%2C297&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=1024%2C1015&ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=768%2C761&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=1536%2C1523&ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=2048%2C2030&ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=665%2C659&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?resize=100%2C100&ssl=1 100w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?w=1280&ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Etologic_horse_study_Chauvet_cave.jpg?w=1920&ssl=1 1920w“ sizes=“(max-width: 360px) 100vw, 360px“/>

By Thomas T. – https://flic.kr/p/9x7tZY, CC BY-SA 2.0, Link

Bislang gelten Malereien in der im Jahr 1994 entdeckten Chauvet-Höhle mit einem ungefähren Alter von etwa 35.000 als die ältesten Europas.

Nur – die Datierung der Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle und anderen Höhlen ist schwieriger und dementsprechend weniger zuverlässig als man vermuten würde. Anfänglich wurden die Malereien in der Chauvet-Höhle aufgrund ihres Stils und des Abgebildeten auf ein Alter von 30.000 bis etwa 18.000 Jahre geschätzt. Allerdings enthält die Chauvet-Höhle (wie andere Höhlen auch) verschiedene Arten von Figuren, was ihre Inhalte und die Materialien und Techniken, aus denen sie angefertigt wurden, betrifft. Außerdem sind die Figuren nicht alle säuberlich nebeneinander angeordnet, sondern viele überschneiden sich, wurden also übereinander angebracht, was die Frage aufwirft, wie viel Zeit zwischen der Anbringung der jeweils über anderen Figuren liegenden Figuren und der Anbringung der jeweils darunter liegenden Figuren vergangen ist.

Im Jahe 2016 haben Quiles et al. eine Studie veröffentlicht, in der die Ergebnisse von insgesamt 250 Radiokarbondatierungen inklusive 80 bis dahin unveröffentlichter Radiokarbondatierungen von Proben aus der Chauvet-Höhle berichtet werden. Die Radiokarbondatierungen der Proben ergaben zwei verschiedene Phasen, nämlich eine im Zeitraum von 31.000 bis 28.000 Jahren vor der Gegenwart und eine deutlich ältere im Zeitraum von 37.000 bis 33.500 Jahren vor der Gegenwart. Quiles et al., die diese Ergebnisse in einem Artikel aus dem Jahr 2016 veröffentlicht haben, haben im Hinblick auf das Ergebnis für die ältere Phase geschrieben:

„Radiocarbon dates for the ancient drawings in the Chauvet-Pont d’arc Cave reveals ages much older than expected. These early ages and nature of this Paleolithic art make this United Nations Educational Scientific and Cultural Organization (UNESCO) site indisputably unique“ (Quiles et al. 2016: 4670).

d.h.

„Radiokarbondaten für die antiken Zeichnungen in der Chauvet-Pont d’Arc-Höhle zeigen, dass sie viel älter sind als erwartet. Dieses hohe Alter und die Natur dieser paläolithischen Kunst machen diese Stätte der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) unbestreitbar einzigartig.“

Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?fit=300%2C169&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?fit=640%2C360&ssl=1″ class=“ wp-image-287409″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?resize=434%2C245&ssl=1″ alt=““ width=“434″ height=“245″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?resize=300%2C169&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?resize=1024%2C576&ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?resize=768%2C432&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?resize=665%2C374&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?w=1366&ssl=1 1366w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/Rhinos_Chauvet_Cave.jpg?w=1280&ssl=1 1280w“ sizes=“(max-width: 434px) 100vw, 434px“/>

By Unknown author – Screenshot from the film „Cave of Forgotten Dreams“, Public Domain, Link

Allerdings beziehen sich die bei Weitem meisten Radiokarbondatierungen eben nicht auf Proben, die den Höhlenmalereien entnommen wurden, sondern auf Proben von Überresten von Feuerstellen auf dem Höhlenboden, Überresten von Rußflecken, die Fackeln an der Höhlendecke oder an den Höhlenwänden zurückgelassen haben, oder von in der Höhle gefundenen Knochen, nur eine kleine Anzahl von der datierten Proben besteht aus Material, das den Wandmalereien entnommen wurde (s. Quiles et al. 2016: 4673 sowie Tabellen S4 und S5 und Abbildung S7 im Anhang zum Text). Datiert werden kann also die Präsenz von Menschen in der Höhle, aber nicht die Entstehung der Malereien an den Höhlenwänden.

Liest man das, was die Autoren in ihrem Artikel in einer Textbox, die mit „Significance“, d.h. „Bedeutung“ oder „Relevanz“. ihrer im Text bereichteten Forschung überschrieben ist, geschrieben haben, dann gewinnt man auch den Eindruck, dass es ihnen auch genau darum, um die Datierung der Präsenz von Menschen (und Höhlenbären) in der Chauvet-Höhle, gegangen ist:

„We compiled a set of more than 250 radiocarbon dates related to the rock art, human activities, and bone remains in the Chauvet-Pont d’Arc Cave (Ardèche, France) and derive a modeled absolute chronology of the human and cave bear occupations of this site, presented here in calendar years. It provides an insightful frame-work for the successive events that occurred in the cave during the Paleolithic period“ (Quiles et al. 2016: 4670),

d.h.

„Wir haben eine Reihe von mehr als 250 Radiokarbondatierungen, die im Zusammenhang mit der Höhlenkunst, menschlichen Aktivitäten und Knochenresten in der Chauvet-Pont d’Arc-Höhle (Ardèche, Frankreich) stehen, zusammengestellt und leiten [daraus] eine modellierte absolute Chronologie der menschlichen und Höhlenbärenbesiedlung dieser Stätte ab, die hier in Kalenderjahren dargestellt wird. Das bietet einen aufschlussreichen Rahmen für die aufeinanderfolgenden Ereignisse, die sich in der Höhle während der Altsteinzeit ereigneten“ (Quiles et al. 2016: 4670; Hervorhebung d.d.A.).

Nun setzt die Entstehung der Höhlenmalereien zwar voraus, dass Menschen in der Höhle präsent gewesen sind, aber man kann logisch nicht – umgekehrt – von der Präsenz von Menschen in der Höhle darauf schließen, dass sie sich auch als Bemaler der Höhlenwände betätigt haben müssten. Das heißt, auch dann, wenn man die frühe Präsenz von Menschen in der Höhle belegen kann, ist damit nicht belegt, dass die Höhlenmalereien zu diesem frühlen Zeitpunkt entstanden sind. Pettitt und Bahn (2014: 179) halten dementsprechend fest:

„We regard the art as undated, and the age of the art a scientific problem“,

d.h.

„Wir betrachten die Kunst [d.h. die Höhlenmalereien an den Wänden der Chauvet-Höhle] als undatiert und das Alter der Kunst [oder vielmehr: die Feststellung desselben) als wissenschaftliches Problem“.

Aber Quiles et al. scheinen den Fehlschluss nicht zu erkennen; sie schreiben:

„Using a robust interdisciplinary approach, our modeled results clearly support previous hypotheses postulating two different occupations of the Chauvet-Pont d’Arc Cave. They definitively show that humans frequented the site during two distinct time periods, between 37,000–33,500 and 31,000–28,000 y[ears] ago and that cave bears also took refuge in the cave until around 33,000 yago. These clear results, based on a large number of dates obtained from diverse materials introduced into the cave through various biological or anthropogenic processes, provide a decisive argument in favor of the realization of the parietal art works before 28,000 y[ears] ago. They now enable further extensive exploration of the remarkable rock art created in the Chauvet-Pont d’Arc Cave during these two occupation phases“ (Quiles et al. 2016: 4674).

D.h.

„Unter Verwendung eines robusten interdisziplinären Ansatzes [der im Text der Autoren nur nebenbei erwähnt wird; Gegenstand des Textes sind die Radiokarbondatierungen] stützen die Ergebnisse unserer Modelle eindeutig frühere Hypothesen, die zwei verschiedene Phasen der Besiedlung der Chauvet-Pont d’Arc-Höhle postulierten. Sie zeigen definitiv, dass Menschen die Stätte in zwei unterschiedlichen Zeiträumen besuchten, nämlich vor 37.000 – 33.500 und 31.000 – 28.000 Jahren, und dass Höhlenbären bis etwa 33.000 Jahren ebenfalls in der Höhle Zuflucht suchten. Diese eindeutigen Ergebnisse, die auf einer großen Anzahl von Daten basieren, die aus verschiedenen Materialien gewonnen wurden, die durch verschiedene biologische oder anthropogene Prozesse in die Höhle eingeführt wurden, liefern ein entscheidendes Argument für die Realisierung der parietalen Kunstwerke vor 28.000 Jahren. Sie ermöglichen nun eine weitere umfassende Erforschung der bemerkenswerten Felskunst, die während dieser beiden Besiedlungsphasen in der Chauvet-Pont d’Arc-Höhle entstand“ (Quiles et al. 2016: 4674; Hervorhebungen d.d.A.).

Alles, was die Autoren mit Bezug auf die Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle zu sagen haben, ist also, dass sie meinen, dass sie irgendwann in der Zeit vor 28.000 Jahren und in zwei verschiedenen Phasen der Jungsteinzeit angefertigt worden sein müssten, weil zwei verschiedene Phasen des Besuches oder der Besiedlung – die Autoren benutzen beide Formulierungen an verschiedenen Stellen in ihrem Text – der Höhle durch Menschen in der Jungsteinzeit vor mindestens 28.000 Jahren nachgewiesen werden können. Und wenn man schon ‚mal dort ist, dann bemalt man selbstverständlich auch gleich die Wände!?

Claude ValetteOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?fit=300%2C200&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?fit=640%2C427&ssl=1″ class=“wp-image-287411 size-large“ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=640%2C427&ssl=1″ alt=““ width=“640″ height=“427″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=1024%2C683&ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=300%2C200&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=768%2C512&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=1536%2C1024&ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=2048%2C1365&ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?resize=665%2C443&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?w=1280&ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/18_PanneauDesLionsPartieDroiteBisonsPoursuivisParDesLions.jpg?w=1920&ssl=1 1920w“ sizes=“(max-width: 640px) 100vw, 640px“/>

By Claude ValetteOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Fairerweise sollte angefügt werden, dass die Autoren ein weiteres Indiz für das von ihnen postulierte hohe Alter der Höhlenmalereien anführen. Sie verweisen diesbezüglich auf Sadier et al. (2012), die meinen, der jüngstmögliche Zeitpunkt für die Entstehung der Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle sei dadurch bestimmt, dass Messungen des Chlorin-36-Gehaltes (einem radioaktiven Isotop von Chlorin mit einer Halbwertzeit von 301.000 Jahren) auf der Sandsteinoberfläche von abgestürzten Felsstücken an dem Ort, der als Eingang der prähistorischen Höhle identifiziert wurde, ergeben hätten, dass Teile des überhängenden Felses seit der Zeit vor 29.000 Jahren mehrfach abgestürzt seien und der Höhleneingang spätestens vor 21.000 Jahren durch das abgestürzte Gestein vollständig blockiert gewesen sei, so dass kein Zugang zur Höhle mehr möglich gewesen sei.

Dass dies der Fall gewesen sei, postulieren Sadier et al. (2012: 8002) im Anschluss an Delannoy et al. (2010) – Delannoy ist einer der Koautoren des Textes von Sadier et al. Die Wahl von Adjektiven wie „unambiguously“ oder „definitely“, d.h. „eindeutig“ bzw. „definitiv“ (Sadier et al. 2012: 8002) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es keineswegs als Tatsache gelten kann, dass die Chauvet-Höhle im in Frage stehenden Zeitraum nur einen einzigen Zugang hatte oder dieser Zugang ggf. tatsächlich vor spätestens 21.000 Jahren vollständig blockiert wurde:

„… we must be clear about three assumptions that are necessary to link meaningfully the erosional scars on the cliff above the entrance: first, that the last identified rockfall outside the cave was genuinely the last one to have occurred, and that its remnants have not been altered in any way; secondly, that this rockfall convincingly sealed the cave’s entrance to ingress by human infants or adults; and thirdly, that the age estimation of this rockfall is reliable, precise and accurate“ (Pettitt & Bahn 2014: 172-173),

d.h.

„… wir müssen uns über drei Annahmen im Klaren sein, die notwendig sind, um die Erosionsnarben an der Klippe über dem Eingang [und dessen Schließung] sinnvoll miteinander zu verknüpfen: erstens, dass der letzte identifizierte Steinschlag außerhalb der Höhle tatsächlich der letzte war, der stattgefunden hat, und dass seine Überreste in keiner Weise verändert wurden; zweitens, dass dieser Steinschlag den Eingang der Höhle überzeugend für das Eindringen von Kindern oder Erwachsenen versiegelt hat; und drittens, dass die Altersschätzung dieses Steinschlags zuverlässig, präzise und genau ist“.

Die erste Annahme kann (bis auf Weiteres) nicht belegt werden.

Was die zweite Annahme betrifft, so erscheint sie fragwürdig (u.a.) angesichts der Funde von mehreren Marderskeletten, die auf dem Eingangsgeröll gefunden wurden und nach Philippe und Fosse (2003, zitiert nach Pettitt & Bahn 2014: 174) vermutlich aus dem Holozän stammen, also aus den letzten gut 11.700 Jahren.

Und was die dritte Annahme betrifft, so schreiben Pettitt und Bahn (2014: 173) hierzu:

„… as noted above, taking the error into account at the 2 Sigma level of confidence, this could be as young as 19.5 ka (Cal) BP. We are therefore not convinced that the Chauvet team have convincingly demonstrated that their cosmogenic isotope dating of rock exposure on the cliff face – if at all correct – genuinely dates the closure of the one current entrance. If it does, they have not considered how young their estimation could actually be, as they have not been critical or perceptive in their interpretation of their own data“,

d.h.

„… wie oben erwähnt, könnte, wenn man statistischen Fehler unter Berücksichtigung des 2-Sigma-Konfidenzniveaus in Rechnung stellt, er [der letzte identifizierte Steinschlag] bereits 19,5 ka (Cal) BP [d.h. 19.500 kalibrierte oder Kalenderjahre vor der Gegenwart] aufgetreten sein. Wir sind daher nicht davon überzeugt, dass das Chauvet-Team überzeugend nachgewiesen hat, dass seine kosmogene Isotopendatierung der Gesteinsexposition an der Felswand – wenn überhaupt korrekt – tatsächlich die Schließung des einen aktuellen Eingangs datiert. Wenn ja, haben sie nicht beachtet, wie jung ihre Schätzung tatsächlich sein könnte, da sie bei der Interpretation ihrer eigenen Daten weder kritisch noch aufmerksam waren“.

Und dann ist da noch die Frage, ob es in der Jungsteinzeit nicht doch noch andere Zugänge zur Chauvet-Höhle gab, die eine spätere Nutzung der Höhle durch Menschen ermöglicht hätte. Mindestens zwei Kandidaten für weitere Eingänge als „den“ (Haupt-/Eingang) werden in der Literatur diskutiert, nämlich die „Salle Morel“ genannte Kammer und die „Galerie des Croisillons“ oder „Gallerie der Gefache (oder Fugenkreuze)“.

Claude ValetteOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?fit=300%2C200&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?fit=640%2C427&ssl=1″ class=“ wp-image-287413″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=350%2C233&ssl=1″ alt=““ width=“350″ height=“233″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=300%2C200&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=1024%2C683&ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=768%2C512&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=1536%2C1024&ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=2048%2C1365&ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?resize=665%2C443&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?w=1280&ssl=1 1280w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/03/13_PanneauDesChevauxDetail.jpg?w=1920&ssl=1 1920w“ sizes=“auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px“/>

By Claude ValetteOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Was die Kammer betrifft, so ist bis heute ungeklärt, ob es zwei zusammenhängende Stein-Veranden gab, von denen die eine zur Chauvet-Höhle und die andere zur Morel-Kammer führte. Heute ist die Morel-Kammer von der Chauvet-Höhle aus zugänglich, aber am weitesten von ihrem Zentrum entfernt, und es wurde ein früherer Zugang zur Morel-Kammer lokalisiert, der jedoch nicht datiert werden konnte.

Und was die „Galerie des Croisillons“ betrifft, so schreiben Pettitt und Bahn (2014: 171):

„Yet, another entrance may have existed at the northern extremity of the cave’s Galerie des Croisillons. This is obscured by a complex of varied stalagmitic growths, which on the basis of comparison with other formations is assumed (but not proven) to have barred this part of the cave in the Pleistocene. The system is still active, however, and until evidence is presented to eliminate the possibility that this was far less profound in the Pleistocene one must assume that it could have acted as an entrance until late in the Pleistocene, as the Chauvet team admit: ‘‘reste toutefois la possibilité d’un passage caché par les nombreux rideaux stalagmitiques barrant l’accès à la partie supérieure du conduit’’ (Delannoy et al., 2004, 39). Elsewhere in the cave, U-Th dates indicate that significant stalactite formations were growing in the Late Pleistocene, as we discuss below, so until this is ruled out for the Galerie des Croisillons this remains a distinct candidate for the cave’s entrance“,

d.h.

„Ein weiterer Eingang könnte jedoch am nördlichen Ende der Galerie des Croisillons der Höhle existiert haben. Diese wird durch einen Komplex vielfältiger stalagmitischer Wucherungen verdeckt, von denen auf der Grundlage eines Vergleichs mit anderen Formationen angenommen (aber nicht bewiesen) wird, dass sie diesen Teil der Höhle im Pleistozän gesperrt haben. Das System ist jedoch immer noch aktiv, und bis Belege vorgelegt werden, die die Möglichkeit ausschließen, dass diese Aktivität im Pleistozän weitaus weniger tiefgreifend war, muss man davon ausgehen, dass sie [die Galerie des Croisillons] bis zum Ende des Pleistozäns als Eingang gedient haben könnte, wie das Chauvet-Team zugibt: ‘‘rest toutefois la possibilité d’un passage caché par les nombreux rideaux stalagmitiques barrant l’accès à la partie supérieure du conduit’’ (Delannoy et al., 2004, 39). An anderer Stelle in der Höhle deuten U-Th-Daten [d.h. Daten, die auf der Basis von Uran-Thorium-Datierung gewonnen wurden] darauf hin, dass im späten Pleistozän bedeutende Stalaktitenformationen wuchsen, wie wir weiter unten besprechen. Bis dies für die Galerie des Croisillons ausgeschlossen ist, bleibt dies also ein eindeutiger Kandidat für den Eingang der Höhle“.

Dies alles hat die populäre Presse und ihr nachfolgend eine große Menge von Betreibern von Webseiten aller Art nicht davon abgehalten zu behaupten, dass die Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle über 36.000 Jahre alt seien, so, als sei dies zweifelsfrei erwiesen.

Malereien aus anderen jungsteinzeitlichen Höhlen in Europa oder speziell aus anderen Höhlen in Südwestfrankreich (das Vézère-Tal allein hat 25 mit Malereien aus der Jungsteinzeit dekorierte Höhlen aufzuweisen) deuten – soweit sie datierbar sind – auf jüngere Entstehungszeiträume, vor höchstens 20.000 Jahren, hin, und stilistische Analysen der (schwarzen, im Gegensatz zu den roten) Malereien in der Chauvet-Höhle verweisen auf eine Entstehungszeit von vor frühestens 21.000 bis 17.000 Jahren oder 17.000 bis 11.000 Jahren (s. z.B. Combier & Jouve 2014; 2012; Pettitt et al. 2009; Züchner 1998). U.a. spricht für diese Datierung, dass es in dieser Zeit war, dass Rentiere, wilde Pferde und Bisons, die Hauptthemen der Malereien in der Chauvet-Höhle (und anderen jungsteinzeitlichen Höhlen) sind, in großen Herden in Europa anzutreffen waren und eine Nahrungsgrundlage für Menschen boten.

Den neuesten Beleg für jüngere Entstehungszeiträume von jungsteinzeitlichen Höhlenmalereien haben Reiche et al. (2026) erbracht, und zwar mit Bezug auf die Font-de-Gaume-Höhle, deren Malereien bislang als nicht datierbar galten, weil angenommen wurde, dass sie unter Verwendung von Eisen- und Manganoxiden angefertigt worden waren. Die Autoren haben die chemische Zusammensetzung der schwarzen Linien mit Hilfe von Raman-Mikrospektrometrie und hyperspektraler Bildgebung untersucht, mit denen die Bilder eines Bisons und eines Gesichtes oder einer Maske angefertigt wurden und entlang der Umfänge beider Bilder Spuren von Holzkohle festgestellt, die (eben wegen ihrer Lage) schwerlich moderne Verunreinigungen darstellen. Proben, die aus diesen Spuren entnommen und einer Radiokarbondatierung unterzogen wurden, ergaben für das Bison eine Datum von vor 13,461 bis 13,162 Jahren. Für das Gesicht bzw. die Maske ergaben sich verschiedene Daten, eines für eine Entstehungszeit im Zeitraum von vor 8,993 bis 8,590 Jahren und ein anderes für eine Entstehungszeit von vor 15,981 bis 15,121 Jahren, und ein drittes für den Zeitraum von vor 15,297 bis 14,246 Jahren, was die Autoren dahingehend interpretieren, dass das Bild in der Vergangenheit über einen Zeitraum von mehreren Tausend Jahren hinweg retouschiert wurde. Die Daten, die für diese beiden Bilder gewonnen wurden, reihen sich in die Befunde für jungsteinzeitliche Malereien aus anderen Höhlen in Europa ein, und wer weiterhin ein nennenswert älteres Entstehungdatum für die Malereien in der Chauvet-Höhle behaupten will, muss deutlich belastbarere Belege für seine Behauptung vorlegen als dies bislang der Fall ist.

Dass die Datierungsfrage der Malereien von großem archäologischen Interesse ist, steht außer Frage, aber für den fachlich außenstehenden Beobachter ist schwierig nachzuvollziehen, warum es für einige Leute im Fach wie in der populären Presse so wichtig zu sein scheint, dass die Chauvet-Malereien die ältesten Europas sein sollen oder gar die Geburtsstätte der Kunst markieren sollen. Wer die Bilder aus Chauvet, Font-de-Gaume, Lascaux oder anderen Höhlen betrachtet, ist unweigerlich fasziniert von ihnen und der Beobachtungsgabe und stilistischen Fertigkeit der jungsteinzeitlichen Maler, von denen sie Zeugnis ablegen, unabhängig von ihrer genauen Entstehungszeit.


Literatur

Combier, Jean, & Jouve, Guy, 2014: Nouvelles Recherches sur L’Identité Culturelle et Stylistique de la Grotte Chauvet et sur sa Datation par la Méthode du 14C. L’Anthropologie 118(2): 115-151

Combier, Jean, & Jouve, Guy, 2012: Chauvet Cave’s Art is not Aurignacian: A New Examination of the Archaeological Evidence and Dating procedures. Quartär 59: 131-152

Quiles, Anita, Valladas, Hélène, Bocherens, Hervé, et al., 2016: A High-precision Chronological Model for the Decorated Upper Paleolithic Cave of Chauvet-Pont d’Arc, Ardèche, France. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) 113(17): 4670-2675

Pettitt, Paul, & Bahn, Paul, 2014: Against Chauvet-nism. A Critique of Recent Attempts to Validate an Early Chronology for the Art of Chauvet Cave. L’Anthropologie 118(2): 163-182

Pettitt, Paul, Bahn, Paul G., & Züchner, Christian, 2009: The Chauvet Conundrum: Are Claims for the ‚Birthplace of Art‘ Premature? S. 239-262 in: Bahn, Paul (Hrsg.): An Enquiring Mind: Studies in Honor of Alexander Marshack. Oxford and Cambridge: Oxbow.

Reiche, Ina, Beck, Lucile, Caffy, Ingrid, et al., 2026: Radiocarbon Dating and Chemical Imaging of Carbon Black-baled Paleolithic Cave Art in the Dordogne Region (France). Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) 123(12): e2524751123

Sadier, Benjamin, Delannoy, Jean-Jacques, Benedetti, Lucilla, et al., 2012: Further Constraints on the Chauvet Cave Artwork Elaboration. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) 109(21): 8002-8006

Züchner, Christian, 1998: “Grotte Chauvet Archaeologically Dated”, paper presented at the International Rock Art Congress, Vila Real, Portugal (Sept. 6-12, 1998); s. auch https://www.rupestre.net/tracce/?p=2812

Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee:




Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege
Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher!

DENN: ScienceFiles lebt von Spenden.
Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!


Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:

Donorbox

Unterstützen Sie ScienceFiles


Unsere eigene ScienceFiles-Spendenfunktion

Zum Spenden einfach klicken

Unser Spendenkonto bei Halifax:

ScienceFiles Spendenkonto:
HALIFAX (Bitte angeben: Zahlungsempfänger: Michael Klein, Zahlungszweck: ScienceFiles-Spende / Schenkung):

  • IBAN: GB15 HLFX 1100 3311 0902 67
  • BIC: HLFXGB21B24

Folgen Sie uns auf Telegram.


Anregungen, Hinweise, Kontakt? -> Redaktion @ Sciencefiles.org






Source link