
Mit Verunsicherung und Furcht vor einer weiteren Eskalation reagieren die Medien in der EU auf das Eindringen von Putins Drohnen in den polnischen Luftraum.
Das Eindringen etwa zwei Dutzend russischer Drohnen in den polnischen Luftraum in der Nacht zu Mittwoch hat die EU-Mitgliedsstaaten massiv verunsichert. Fast alle großen Medien der EU-Länder kommentieren den Vorfall und stellten die Frage nach der Wehrhaftigkeit von Nato und EU.
„Drohnen sind Putins Botschaft“
Putin akzeptiere keine Grenzen, schreibt etwa die slowakische Tageszeitung „Sme“ und spielt damit auf eine Aussage des slowakischen Regierungschefs Robert Fico an, der jüngst sagte, sein Land sei durch eine Staatsgrenze von Ukraine-Krieg geschützt. „Fico wollte von Putin jüngst eine Botschaft hören“, schreibt „Sme“. „Jetzt hat er sie. Russische Drohnen, die die Souveränität eines anderen Staates verletzen, sind Putins Botschaft.“
Vor einer ernsten russischen Gefahr für Europa warnt in Tschechien die liberale Zeitung „Hospodarske noviny“. Spätestens jetzt müssen allen klar sein, „dass es das Endziel des Regimes des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist, alle Gebiete zurückzuholen, die für Moskau nach dem Ende des Kalten Kriegs verlorengegangen sind.“ Putin gehe es nicht nur um das frühere Territorium der Sowjetunion, „sondern auch um Gebiete in Mitteleuropa, einschließlich des heutigen Tschechiens“. In seinem Machtstreben müsse Putin nicht einmal alle Staaten militärisch besetzen, sein Vorgehen könne auch „die Form einer Unterwerfung annehmen, wie es Michel Houellebecq in einem anderen Zusammenhang in seinem berühmten gleichnamigen Roman beschrieben hat.“
„Trumps Versagen ermutigt Putin“
In England und Irland hinterfragen etwa die Londoner „Times“ und die „Irish Times“ kritisch die Rolle des Westens. Angesichts des Eindringens der russischen Drohnen in den polnischen Luftraum, müsse sich die EU die Frage nach ihrer Verteidigungsfähigkeit stellen. „Zugleich wird dadurch klar, wie wichtig die Solidarität angesichts eines aggressiven und unberechenbaren Nachbarn ist“, schreibt die „Irish Times“. Die Londoner „Times“ stellt klar, „Donald Trumps Versagen“ habe Putin zu dieser Provokation ermutigt. „Die Russen werfen den Polen vor, über den Vorfall zu lügen. Natürlich sind sie es, die lügen.“
In Amsterdam lobt „De Telegraaf“ den Einsatz der niederländischen F-35-Kampfflugzeuge, die die Drohnen abgeschossen haben und stellt fest: „Die jüngste Eskalation bestätigt, dass die Luftverteidigung an den Außengrenzen der Nato verstärkt werden muss.“
„Viele fünfte Kolonnen Moskaus“
Im Zusammenhang mit den Angriffen verweist der „Corriere della Sera“ auf die politische Fragilität der EU-Staaten, in denen es „nicht wenige prorussische fünfte Kolonnen gebe, die heute aktiver seien denn je“. Es gebe vor allem Parteien, die aktuell in den Umfragen zulegen und die, „sobald sie an die Regierung kommen, die Forderungen des Kremls weitgehend akzeptieren würden“. Notwendig seien klare Antworten an Putin, also „Entscheidungen, die der Schwere der Lage angemessen sind“. „Sind die europäischen Länder dazu in der Lage?“, fragt das Blatt. „Das ist die große Frage.“ Ebenso gut könnten die prorussischen Kräfte den Zerfall Europas herbeiführen. Zu verhindern sei das nur, wenn es gelinge, die Öffentlichkeit „von der Gefahr zu überzeugen, der Europa ausgesetzt ist“.