Der Ausbau von Windmaschinen hat sich zu einem hochrentablen Geschäftsmodell entwickelt. Sowohl die Betreiber als auch die Regierung profitieren massiv. Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) bietet eine staatliche Preisgarantie von rund 0,10 Euro pro Kilowattstunde (kWh) über einen Zeitraum von 20 Jahren. Diese langfristige Absicherung macht Windindustriezonen – man nennt sie Parks – zu einer der sichersten Anlageklassen für Banken, private Investoren und Feudalherren.

Gastkommentar von Angelika Starkl

Das System der Windkraftförderung in Österreich lässt sich als riesige Umverteilung von unten nach oben bezeichnen. Jeder Haushalt finanziert über Stromrechnung und Steuern die Gewinne der Großkonzerne und die Millionen-Exits privater Investoren. Die Betreiber verdienen doppelt: Sie erhalten bei niedrigen Marktpreisen die staatliche Marktprämie (OeMAG) und streichen bei hohen Marktpreisen die Übergewinne direkt ein. Das beschleunigt die Amortisation der hohen Baukosten von etwa 7 bis 10 Millionen Euro pro Windrad.

Die Regierung profitiert politisch und ökonomisch, da jeder Euro an Förderung die Abhängigkeit von teuren Erdgasimporten aus dem Ausland verringert. Durch die Vergabe von zinsgünstigen Krediten über die Europäische Investitionsbank (EIB) fließen EU-Mittel in Milliardenhöhe in die heimische Infrastruktur. Am Windrad-Boom verdienen in erster Linie die großen Energieversorger und Windparkbetreiber. Aber auch die Grundeigentümer und Gemeinden profitieren durch Pachteinnahmen und Kommunalsteuern. Das macht die Windkraft zu einem Wirtschaftsmotor.

Windkraft als Cashcow

Im Vergleich zu Gaskraftwerken oder Photovoltaik bietet Windkraft eine außergewöhnlich hohe Planungssicherheit und attraktive Margen: Die EU-Darlehen decken oft bis zu 75 % der Gesamtkosten eines Windparks ab. 

  • Pro Windrad: Da ein modernes Windrad etwa 7.000.000 bis 10.000.000 Euro kostet, entfallen auf ein einzelnes Rad rechnerisch etwa 5.000.000 bis 7.500.000 Euro an EU-gestützten Kreditmitteln. Vorteil: Diese Darlehen sind durch EU-Garantien, wie das InvestEU-Programm abgesichert, was den Betreibern Zinsen weit unter dem üblichen Marktniveau ermöglicht. 

Führende Windparkbetreiber

In Österreich wird die Windkraftlandschaft von einer Mischung aus landeseigenen Energieversorgern und spezialisierten privaten Unternehmen dominiert.

  • Burgenland Energie: Das Unternehmen ist der größte Windstromerzeuger Österreichs. Es betreibt unter anderem den im Februar 2026 eröffneten, modernisierten Windpark Neusiedl/Weiden, der als leistungsstärkster des Landes gilt.
  • EVN AG: Mit einer aktuellen Leistung von rund 530 MW und dem Ziel, bis 2030 auf 770 MW auszubauen, gehört die EVN zu den Top-Betreibern, vor allem in Niederösterreich.
  • PÜSPÖK: Ein bedeutender privater Betreiber mit Sitz im Burgenland. Das Unternehmen betreibt unter anderem den Windpark Pannonia Gols mit 135 MW Leistung.
  • ImWind: Ein einst führender privater Entwickler und Betreiber mit Sitz in St. Pölten, der zahlreiche Projekte in Niederösterreich und dem Burgenland umsetzte. Wurde an die Wien Energie verkauft.
  • Wien Energie: Der Wiener Energieversorger baut sein Portfolio durch Zukäufe und Beteiligungen an Windparks im Umland stetig aus.
  • Verbund AG: Auch der größte Stromerzeuger Österreichs ist verstärkt im Windsektor aktiv, oft über Beteiligungen an großen Projekten. Die meisten Kapazitäten konzentrieren sich aufgrund der geografischen Gegebenheiten auf das Burgenland und Niederösterreich, die zusammen den Großteil der österreichischen Windkraftleistung erbringen.

1,7 Milliarden für Österreich

Die EIB-Gruppe ist die Abkürzung für die Europäische Investitionsbank. Man kann sie sich wie die riesige Hausbank der Europäischen Union vorstellen, die nicht für Privatpersonen da ist, sondern Geld für ganz große Projekte verleiht. Insgesamt hat die EIB-Gruppe im Jahr 2025 neue Finanzierungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro für Klimaschutz und Innovationen in Österreich bereitgestellt. Diese Bank gehört allen Ländern der EU gemeinsam. Ihr Hauptjob ist es, extrem billige Kredite für Projekte zu geben, die politisch gewollt sind – wie zum Beispiel den Bau von riesigen Windparks.

In Österreich spielt die EIB eine große Rolle, weil sie Firmen wie der Wien Energie, dem Verbund oder der Burgenland Energie hunderte Millionen Euro leiht. Weil die Bank der EU gehört, bekommt sie selbst Geld am Finanzmarkt fast geschenkt und gibt diesen Vorteil in Form von niedrigen Zinsen an die Windparkbetreiber weiter. Für die Betreiber ist das ein Riesengeschäft: Sie holen sich billiges Geld von der EIB, bauen damit Windräder und kassieren dann die hohen, staatlich garantierten Förderpreise, die wir alle über die Stromrechnung bezahlen. Ohne diese billigen Kredite der EIB wären viele Windparks in Österreich nicht profitabel.

Klimabank der EU: Kohle, Öl und Gas werden nicht unterstützt

Die EIB nennt sich selbst die Klimabank der Europäischen Union und hat sich das Ziel gesetzt, fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas nicht mehr zu unterstützen. Da die EU-Länder beschlossen haben, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden, darf die EIB ihr Geld nur noch in Projekte stecken, die der Umwelt nicht schaden oder sogar aktiv beim Klimaschutz helfen. Andere Projekte, wie zum Beispiel der Bau eines neuen Gaskraftwerks, bekommen von der EIB heute fast gar keine Kredite mehr.

And the winner is…

Für die Windpark-Besitzer bedeutet das, dass sie bei der EIB viel leichter an riesige Summen kommen als früher, was das Geschäft mit den Windrädern für sie noch einmal deutlich lukrativer macht. Der Verbund hat im Jahr 2024 einen Gewinn von rund 2,3 Milliarden Euro gemacht, was vor allem an der günstigen Wasserkraft und den hohen Preisen an der Strombörse lag. Bei der Wien Energie beziehungsweise dem Mutterkonzern Wiener Stadtwerke liegen die Gewinne ebenfalls im hohen dreistelligen Millionenbereich, im Jahr 2024 waren es etwa 600 Millionen Euro.

In den letzten drei Jahren sind Ihr Strompreis, liebe Leser, und die Gewinne der Konzerne völlig auseinandergegangen. Während die Preise für normale Haushalte wegen der Energiekrise stark gestiegen sind und auch jetzt noch hoch bleiben, haben die großen Stromfirmen in dieser Zeit ihre Rekordgewinne oft verdoppelt oder sogar verdreifacht.

Wer hat das verbrochen?

Das aktuelle Fördersystem in Österreich wurde maßgeblich von den Grünen und der ÖVP im Rahmen des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) im Jahr 2021 beschlossen. Die Grünen trieben den schnellen Ausbau der Windkraft als Klimaschutz-Ziel voran. Die ÖVP achtete darauf, dass die großen Energiekonzerne und die ländlichen Investoren durch stabile Rahmenbedingungen und hohe Förderungen abgesichert sind. Die SPÖ und die NEOS haben diesem Gesetz im Parlament ebenfalls zugestimmt. Diese Parteien sind für das aktuelle System aus hohen Strompreisen und sicheren Gewinnen für Konzerne mitverantwortlich. Einzig die FPÖ stimmte damals gegen das Gesetz und bezeichnete die Kosten für die Steuerzahler als zu hoch und die Belastung für die Haushalte als unsozial.

Die Abzocke geht weiter…

Bis zum Jahr 2030 plant der Staat Österreich, jedes Jahr etwa eine Milliarde Euro an Fördergeldern in den Ausbau von Ökostrom zu stecken, wobei ein riesiger Teil davon direkt in die Windkraft fließt. Insgesamt sollen bis dahin über 10 Milliarden Euro von den Stromkunden und Steuerzahlern zu den Kraftwerksbetreibern wandern, um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Da immer mehr Windräder gebaut werden, die alle eine garantierte Zahlung für ihren Strom wollen, bleibt die finanzielle Belastung für jeden Haushalt also auf Jahre hinaus fest eingeplant, damit die Gewinne der großen Konzerne nicht gefährdet werden.



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