Michael Clark hat seit dem Jahr 1995 schon über 5.000 Filme besprochen, doch in seine Top-Liste dieses Jahrhunderts haben es nur 25 geschafft. Die Zeit geht in rasanten Schritten voran und: „So schwer es auch zu glauben sein mag, das 21. Jahrhundert wird bald zu 25 Prozent vorbei sein“, sinniert Clark im fünften Teil seiner fünfteiligen Filmbestenliste für die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times.

In diesem letzten Teil der seltenen Sicht in einen privaten Filmschrank eines professionellen Filmkritikers mit 30 Jahren Berufserfahrung geht es laut Clark um teils „weniger bekannte Veröffentlichungen von unabhängigen Studios, die sich auf die Charakterentwicklung und die Widerstandsfähigkeit des menschlichen (oder manchmal tierischen) Geistes konzentrieren“. Er erklärt dazu, dass „das Zusammenstellen und Verfassen dieser Reihe“ zu seinen „wertvollsten beruflichen Unternehmungen“ gezählt habe.

Doch lassen Sie uns mit dem ersten von zwei Filmen aus dem Jahr 2024 anfangen, die es auf seine Liste geschafft haben.

Die Gesandte des Papstes“ (2024, „Cabrini“)

Gleich zu Beginn seines Artikels empfiehlt Clark das neunte und aus seiner Sicht beeindruckendste Werk der Angel Studios, in Provo, Utah, die schon für ihre Jesus-Serie „Chosen“ und den aufrüttelnden Kinderrechtsthriller „Sound of Freedom“ bekannt wurden.

Unter der Regie von Alejandro Gómez Monteverde entstand mit „Die Gesandte des Papstes“ (Originaltitel: „Cabrini“) ein biografisches Drama über das Leben und Wirken der italienischen Nonne Franziska Xaviera Cabrini (1850–1917), die – mehr als 30 Jahre nach ihrem Tod – von Papst Pius XI. heiliggesprochen wurde. Laut Clark war sie die erste Amerikanerin – sie wurde 1909 eingebürgert –, der diese Ehre zuteilwurde. Zudem sei Cabrini vom Vatikan 1950 zur Schutzpatronin der Einwanderer ernannt worden.

Wie Filmkritiker Clark schreibt, sei der chronologisch erzählte Film „episch in seinem Ausmaß und dennoch intim in seiner Herangehensweise“. Er habe dabei „fast einhelliges Lob von Kritikern und Publikum gleichermaßen“ erhalten.

Cabrini wurde im Jahr 1889 vom Vatikan von Italien nach New York geschickt, um sich um die verarmten italienischen Einwanderer in den Slums von Manhattan zu kümmern, insbesondere um verlassene oder verwaiste Kinder. Sie traf auf Schwierigkeiten vonseiten der Stadtbehörden und der Kirche vor Ort. Doch ihr Wille zu helfen war unbeirrbar.

Clark erklärt: „Ein Punkt, den der Film immer wieder verdeutlicht, ist, dass Cabrini eine selbstlose Humanistin war. Sie war keine ,soziale Kämpferin‘ oder Agitatorin. Sie war keine religiöse Eiferin und keine Politikerin. Sie war eine gläubige Katholikin, und ihr gesamter Lebenszweck bestand darin, das Leben von Waisenkindern zu retten und zu verbessern.“

Der Filmkritiker meint zudem, das Beste an dem Werk sei, dass der Zuschauer weder katholisch noch religiös sein müsse, „um von der Geschichte eines der selbstlosesten Menschen, die je auf diesem Planeten gelebt haben, mitgerissen zu werden“.

Um 1900: Die heilige Frances Xavier Cabrini (1850–1917), bekannt als Mutter Cabrini, war die erste amerikanische Staatsbürgerin, die heiliggesprochen wurde. Sie gründete den Orden der Missionarinnen vom Heiligen Herzen Jesu und wurde 1946 heiliggesprochen.

Foto: Archive Photos/Getty Images

„Flow“ (2024)

2024 gewann der lettische Animationsfilm „Flow“ von Regisseur Gints Zilbalodis den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Bester Animationsfilm. Im Jahr darauf folgten der Oscar und der Golden Globe in derselben Kategorie – und zahlreiche weitere Preise der Filmwirtschaft. Zilbalodis fungiert in dem Independentfilm – das übrigens sein zweites Werk ist – nicht nur als Regisseur, sondern auch als Co-Autor, Co-Komponist und Co-Produzent und führte zudem die Kamera.

Filmkritiker Michael Clark nennt Zilbalodis unumwunden einen „Visionär“, der Dinge vollbringe, die seit „Fantasia“ keinem anderen Animationsfilm mehr gelungen seien. Mehr noch, er gehe sogar darüber hinaus, so Clark. „Flow“ sei der perfekte „Show, don’t tell“-Film (zeigen, nicht erzählen), schwärmt der Filmexperte.

Eine ganz große Besonderheit des Films: „Es kommen keine menschlichen Charaktere vor. Die dargestellten Tiere werden in ihren Proportionen und Größen korrekt wiedergegeben. Es gibt keinen eingängigen Titelsong. Die Tiere sprechen weder Englisch noch eine andere menschliche Sprache, und es gibt keinen Erzähler.“

Clark erinnert sich, nach 15 Minuten vergessen zu haben, „dass ich einen Animationsfilm sah“. Er habe ihn wie einen Dokumentarfilm betrachtet, der in der Postproduktion nachbearbeitet worden sei. „Nichts an der Bildsprache ist übertrieben oder zu weit gefasst“, meint Clark – und die Tiere hätten Persönlichkeiten gehabt, „die nicht durch Dialoge oder Gesang vermittelt werden, sondern durch ihr Verhalten und ihre Taten“. Bei Rotten Tomatoes überzeugte der Film mit 97 Prozent.

„Black Bag – Doppeltes Spiel“ (2025)

Unter den diesjährigen Filmveröffentlichungen, die es in Michael Clarks Bestenliste geschafft haben, befindet sich auch „Black Bag“, ein „eleganter und mitreißender Spionagethriller, der von einem selbstbewussten, unaufdringlichen Stil und einer präzisen, gestrafften Erzählweise geprägt ist“. Nach einem Drehbuch von David Koepp („Mission: Impossible“, „Krieg der Welten“) orchestrierte Regisseur Steven Soderbergh („Erin Brockovich“, „Ocean’s 13“) einen fesselnden Kinofilm über ein Agenten-Ehepaar.

George (Michael Fassbender) und Kathryn (Cate Blanchett) dienen von ganzem Herzen beim britischen National Cyber Security Centre (NCSC) ihrem Land. Michael Clark erklärt den Kern der Geschichte, der auf einem Loyalitätskonflikt beruht: „Der Film beginnt damit, dass George von einem Vorgesetzten die Anweisung erhält, einen Maulwurf innerhalb der Behörde zu identifizieren, der Informationen an einen Feind verkauft. Es gibt fünf Verdächtige, eine davon ist Kathryn.“

„Dass ein Ehepartner gegen den anderen ermittelt (ohne Bevorzugung oder Voreingenommenheit), ist der große Reiz des Films. Das Ganze wird dadurch noch verstärkt, dass George und Kathryn unsterblich ineinander verliebt sind“, fährt Clark fort und kommt zum entscheidenden Punkt: „Beide sind der Überzeugung, dass ihre Loyalität gegenüber ihrem Land über ihrem heiligen Eheversprechen steht.“ Mehr verrät Clark jedoch nicht …

„Train Dreams“ (2025)

2025 war für Michael Clark offenbar ein gutes Filmjahr. Gleich drei Filme landeten in seinen Top 25 der vergangenen 25 Jahre – so auch Clint Bentleys „Train Dreams“, nach der gleichnamigen Novelle von Denis Johnson aus dem Jahr 2011. Clark nennt das Drama liebevoll „ein hypnotisches, visuelles Tongedicht (…), das täuschend einfach und zugleich emotional überwältigend ist“.

11. Dezember 2025, Los Angeles, Kalifornien – Clint Bentley (Drehbuch, l.) und Joel Edgerton (Rolle des Robert Grainier, M.) bei der Vorführung von Netflix‘ „Train Dreams“ bei CAA (Creative Artists Agency).

Foto: Phillip Faraone/Getty Images für Netflix

Die Handlung spielt im frühen 20. Jahrhundert in Idaho, im pazifischen Nordwesten der USA. „Robert (Joel Edgerton) und Gladys (Felicity Jones) lernen sich kennen, verlieben sich und bekommen ein Kind. Als Holzfäller ist Robert oft über lange Zeiträume von zu Hause weg – ein Umstand, dem Gladys mit resigniertem Verständnis begegnet“, schildert Clark die Haupthandlung des ersten Teils der Geschichte.

Wie der Filmkritiker erzählt, behalte auch die zweite Hälfte des Films „diesen kargen, zurückhaltenden Ton bei, jedoch unter deutlich veränderten Umständen“. Eine Katastrophe nimmt ihren Lauf … „Meiner Meinung nach liefert Edgerton hier die beste männliche Hauptrolle des Jahres 2025 ab, auch wenn er bei den Preisverleihungen im Winter wohl eher ein Außenseiter sein wird.“

„Hamnet“ (2025)

Das Filmdrama „Hamnet“ von Regisseurin Chloé Zhao („Nomadland“) basiert auf dem gleichnamigen historischen Roman von Maggie O’Farrell (2020). Es schildert die Entstehung der Liebe des 18-jährigen William Shakespeare (Paul Mescal) zu der acht Jahre älteren, naturverbundenen Agnes Hathaway (Jessie Buckley), deren Ehe und die Geburt ihrer drei Kinder. Dann ereilt die junge Familie des späteren englischen Nationaldichters ein schrecklicher Verlust, der, so Filmkritiker Clark, „zunächst unüberwindbar erscheint“.

Denkmal für William Shakespeare im Park an der Ilm in Weimar.

Doch das Leben geht weiter und die Familie muss lernen, mit dem Schicksalsschlag umzugehen. Nach vielen Tiefen kommt es zu einem emotionalen Finale: „Die größte Errungenschaft des Films liegt in den letzten Szenen, wenn Agnes und William das wiederentdecken, was sie ursprünglich zusammengeführt hat, und es ihnen ermöglicht, ihr Leben fortzusetzen“, erklärt Clark.

Der erfahrene Filmkritiker bescheinigt Regisseurin Zhao, mit ihrem Werk „einen filmischen Nerv“ getroffen zu haben, und erklärt, dass Shakespeare-Historiker in diesem Ereignis die Inspiration für „Hamlet“ sehen – Shakespeares bekanntestes und am häufigsten aufgeführtes Werk.

Als Produzenten von „Hamnet“ engagierten sich unter anderem auch Sam Mendes und Steven Spielberg. Filmstart in den USA war bereits der 26. November. In Deutschland müssen die Fans des anspruchsvollen Arthouse-Kinos noch bis zum 22. Januar 2026 auf „Hamnet“ warten.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers oder des Interviewpartners dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.



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