Schon kurz vor dem Amtsantritt von Nasry Asfura am 27. Januar wurden Weichen für dessen Regierung gestellt. Die Nationale Partei des neuen Staatschefs und die Liberale Partei kamen überein, eine „Junta Directiva“ zu bilden. Sie soll die Arbeit und die Abläufe in den Kommissionen des Parlaments koordinieren. Die Devise: Zurück in den Zwei-Parteien-Modus, den die beiden großen traditionellen Parteien sehr schätzen. Sie haben dazu mit 90 von 128 Abgeordneten im Parlament alle Möglichkeiten. Damit werde eine fatale Vergangenheit bemüht, findet Padre Melo alias Ismael Moreno Soto.
Der Jesuit aus der Stadt El Progreso, die nur eine halbe Stunde von der Industriemetropole San Pedro Sula entfernt liegt, ist sich sicher, dass mit Parlamentspräsident Tomás Zambrano alte Seilschaften wiederauferstehen. „Zambrano war unter Juan Orlando Hernández Sekretär des Parlaments, er hat für diesen hyperkorrupten Präsidenten Netzwerke gepflegt und Mehrheiten besorgt“, erklärt der 66-jährige Geistliche, der lange den Sender Radio Progreso leitete.
Juan Orlando Hernández war zwischen 2014 und 2022 Präsident von Honduras. Die Wiederwahl 2017 erfolgte alles andere als verfassungskonform, sie war nachweislich manipuliert. Im April 2022 wurde Hernández – in Honduras nur noch „JOH“ genannt – in Handschellen an die USA überstellt. Das passierte auf Drängen der US-Justiz, die bereits Juan Antonio „Tony“ Hernández, den Bruder von Juan Orlando, zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen organisierten Drogenschmuggels verurteilt hatte.
Das wiederholte sich im März 2024 mit dem Richterspruch gegen „JOH“, der für 45 Jahre in einer Arrestzelle leben sollte, weil er den Schmuggel von 360 Tonnen Kokain in die USA zu verantworten hatte. Hernández, so Analysten wie der honduranische Jurist Joaquín Mejía, nutzte die staatliche Infrastruktur, um den Drogenhandel abzuwickeln – er sei der Kopf dazu geschaffener Netzwerke gewesen.
Seit dem 1. Dezember 2025 ist der Ex-Präsident wieder frei, postet Videos auf Tiktok und unterhält beste Kontakte zu alten Freunden in der Nationalen Partei. Wie das möglich wurde? Dank einer Begnadigung durch Donald Trump. Eine Entscheidung des US-Präsidenten, die seiner Antidrogenpolitik ein Glaubwürdigkeitsproblem beschert. Obendrein hat Trump zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl vom 30. November öffentlich zur Wahl von Nasry Asfura aufgerufen. „Das war ein massiver Eingriff in die Innenpolitik meines Landes, der die Wahlen beeinflusst hat“, konstatiert Joaquín Mejía, Jurist und Analyst des Jesuitischen Forschungszentrums ERIC-SJ.
Bei Wahl mehr Stimmen als Wähler
Dass sich Trump vor der Wahl für Asfura verwandte, hat Spuren hinterlassen. Entscheidend waren indes Absprachen zwischen der Liberalen und der Nationalen Partei, mit denen die Weichen frühzeitig zugunsten Nasry Asfuras gestellt wurden, sodass bei der Auszählung der Stimmen manipuliert werden konnte.
Das bestätigt Donny Reyes, Koordinator der queeren Menschenrechtsorganisation Arcoíris. „In meinem Wahlkreis La Paz in Tegucigalpa gibt es 279 Wahlberechtigte. 209 von ihnen haben gewählt, die Nationale Partei hat dort die Mehrheit der Stimmen erreicht“, so Reyes. Doch als er die digitale Schnellauszählung am Ende des Wahltages kontrollierte, traute er seinen Augen nicht. „Statt der von uns registrierten 209 Stimmen waren es nun plötzlich 700. Das war eindeutig Betrug.“ Derartige Berichte kursieren in mehreren Wahlkreisen. Daher plädiert Karen Valladares von der Menschenrechtsorganisation Cristosal für eine komplette Neuauszählung der Stimmen.
Der Wahlrat (CNE) sah sich zumindest genötigt, gut 15 Prozent der Wahlkreise von Hand neu auszuzählen – gegen den Widerstand der linken Partei Libre, die in den Wahlen weit hinter den Erwartungen zurückblieb und nur knapp 20 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Die Partei wertete dies als eine Folge von Wahlbetrug, räumte zugleich eine verfehlte Wahlkampfstrategie ein und bedauerte die Nichteinlösung zahlreicher politischer Versprechen, darunter die Einrichtung einer UN-Expertenkommission gegen Korruption und Straflosigkeit (CICIH).
Über ein solches Gremium, das gegen die korrupten Netzwerke in Staat und Wirtschaft vorgehen sollte, die Honduras seit Jahrzehnten dominieren, ist zwar lange mit den Vereinten Nationen verhandelt worden, letztlich haben viele Abgeordnete der Nationalen und der Liberalen Partei, dazu einige von Libre, einem wahrlich zukunftsweisenden Projekt eine Absage erteilt. Ein typischer Vorgang in Honduras, wo Klientel-Strukturen weitverbreitet sind und mit der Regierung Nasry Asfura eine Renaissance erleben dürften.
Asfura, Sohn einer palästinensischen Einwandererfamilie, war bisher ein Bauunternehmer, gegen den wegen Vorteilsnahmen und Korruption ermittelt wurde. Sein Name tauchte nach dem legendären Datenleck von 2016 auch in den „Panama Papers“ auf, nur konnte ihm nichts gerichtsfest nachgewiesen werden. Asfura gilt als geschickt, hat als Bürgermeister von Tegucigalpa zwischen 2013 und 2021 eng mit dem damaligen Präsidenten Juan Orlando Hernández kooperiert.
Unaufgeklärte Morde an Umweltaktivisten
Es ist daher davon auszugehen, dass es zur Reaktivierung der 2021 abgewählten Narco-Diktatur von Hernández kommen kann. Das hält auch Rita Romero, Juristin mit dem Arbeitsschwerpunkt Menschenrechte und Umwelt, für denkbar. „Wahrscheinlich ist, dass die neue Regierung die wenigen Erfolge der linken Präsidentin Xiomara Castro einfach abwickelt, darunter das Verbot, in Schutzgebieten und Nationalparks Bergbau zu betreiben, fixiert im Gesetz 18-2024.“ Bergbau, in Honduras ökonomisch nicht sonderlich relevant, sorgt wie im Fall Guapinol für enorme Umweltschäden.
Der Kampf dagegen hat zu einer Reihe unaufgeklärter Morde an Umweltaktivisten geführt. Juristen wie Romero oder Mejía beklagen, dass die Justiz bei den Ermittlungen nicht wirklich vorangekommen sei, weil Polizei und Rechtspflege unter Xiomara Castro weder unabhängiger noch effektiver wurden. Die Aussichten, dass sich daran unter Nasry Asfura etwas ändert, tendieren gegen null.
Längst machen Gerüchte die Runde, dass der amtierende Generalstaatsanwalt Johel Zelaya gehen muss, trotz eines Mandats bis Anfang 2029. Er passe, heißt es bei tonangebenden Politikern der Nationalen und der Liberalen Partei, nicht mehr in die Zeit. Das überrascht nicht weiter, auch wenn Zelaya sich bisher keineswegs als passionierter Kämpfer gegen die Korruption hervorgetan hat.
Klar ist jedoch, dass es unter Asfura und Parlamentspräsident Tomás Zambrano, einem Strippenzieher hinter den Kulissen, einen klar neoliberalen Kurs geben wird. Es soll der Kampagne „Arbeitsverträge auf Stundenbasis“ Genüge getan werden. Gerüchten zufolge sind auch die ZEDEs – die Zonen für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung – wieder im Gespräch, subnationale territoriale Zonen, in denen steuerliche Vorteile für Unternehmer wie eingeschränkte soziale Rechte gelten. Verfassungsrechtlich ist das umstritten.
Die „Privatstadt“ Próspera hat in der Regierungszeit von Xiomara Castro vor einem Schiedsgericht in den USA dagegen geklagt, dass die ZEDE-Gesetzgebung annulliert wurde. Wenn man diesen Weg einschlug, wurde dies damit begründet, dass Teilhaber von Próspera-Firmen in den Vereinigten Staaten angesiedelt seien und über gute Kontakte zur Trump-Administration verfügen würden.
tspräsident Tomás Zambrano alte Seilschaften wiederauferstehen. „Zambrano war unter Juan Orlando Hernández Sekretär des Parlaments, er hat für diesen hyperkorrupten Präsidenten Netzwerke gepflegt und Mehrheiten besorgt“, erklärt der 66-jährige Geistliche, der lange den Sender Radio Progreso leitete.Juan Orlando Hernández war zwischen 2014 und 2022 Präsident von Honduras. Die Wiederwahl 2017 erfolgte alles andere als verfassungskonform, sie war nachweislich manipuliert. Im April 2022 wurde Hernández – in Honduras nur noch „JOH“ genannt – in Handschellen an die USA überstellt. Das passierte auf Drängen der US-Justiz, die bereits Juan Antonio „Tony“ Hernández, den Bruder von Juan Orlando, zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen organisierten Drogenschmuggels verurteilt hatte.Das wiederholte sich im März 2024 mit dem Richterspruch gegen „JOH“, der für 45 Jahre in einer Arrestzelle leben sollte, weil er den Schmuggel von 360 Tonnen Kokain in die USA zu verantworten hatte. Hernández, so Analysten wie der honduranische Jurist Joaquín Mejía, nutzte die staatliche Infrastruktur, um den Drogenhandel abzuwickeln – er sei der Kopf dazu geschaffener Netzwerke gewesen. Seit dem 1. Dezember 2025 ist der Ex-Präsident wieder frei, postet Videos auf Tiktok und unterhält beste Kontakte zu alten Freunden in der Nationalen Partei. Wie das möglich wurde? Dank einer Begnadigung durch Donald Trump. Eine Entscheidung des US-Präsidenten, die seiner Antidrogenpolitik ein Glaubwürdigkeitsproblem beschert. Obendrein hat Trump zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl vom 30. November öffentlich zur Wahl von Nasry Asfura aufgerufen. „Das war ein massiver Eingriff in die Innenpolitik meines Landes, der die Wahlen beeinflusst hat“, konstatiert Joaquín Mejía, Jurist und Analyst des Jesuitischen Forschungszentrums ERIC-SJ.Bei Wahl mehr Stimmen als WählerDass sich Trump vor der Wahl für Asfura verwandte, hat Spuren hinterlassen. Entscheidend waren indes Absprachen zwischen der Liberalen und der Nationalen Partei, mit denen die Weichen frühzeitig zugunsten Nasry Asfuras gestellt wurden, sodass bei der Auszählung der Stimmen manipuliert werden konnte.Das bestätigt Donny Reyes, Koordinator der queeren Menschenrechtsorganisation Arcoíris. „In meinem Wahlkreis La Paz in Tegucigalpa gibt es 279 Wahlberechtigte. 209 von ihnen haben gewählt, die Nationale Partei hat dort die Mehrheit der Stimmen erreicht“, so Reyes. Doch als er die digitale Schnellauszählung am Ende des Wahltages kontrollierte, traute er seinen Augen nicht. „Statt der von uns registrierten 209 Stimmen waren es nun plötzlich 700. Das war eindeutig Betrug.“ Derartige Berichte kursieren in mehreren Wahlkreisen. Daher plädiert Karen Valladares von der Menschenrechtsorganisation Cristosal für eine komplette Neuauszählung der Stimmen.Der Wahlrat (CNE) sah sich zumindest genötigt, gut 15 Prozent der Wahlkreise von Hand neu auszuzählen – gegen den Widerstand der linken Partei Libre, die in den Wahlen weit hinter den Erwartungen zurückblieb und nur knapp 20 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Die Partei wertete dies als eine Folge von Wahlbetrug, räumte zugleich eine verfehlte Wahlkampfstrategie ein und bedauerte die Nichteinlösung zahlreicher politischer Versprechen, darunter die Einrichtung einer UN-Expertenkommission gegen Korruption und Straflosigkeit (CICIH).Über ein solches Gremium, das gegen die korrupten Netzwerke in Staat und Wirtschaft vorgehen sollte, die Honduras seit Jahrzehnten dominieren, ist zwar lange mit den Vereinten Nationen verhandelt worden, letztlich haben viele Abgeordnete der Nationalen und der Liberalen Partei, dazu einige von Libre, einem wahrlich zukunftsweisenden Projekt eine Absage erteilt. Ein typischer Vorgang in Honduras, wo Klientel-Strukturen weitverbreitet sind und mit der Regierung Nasry Asfura eine Renaissance erleben dürften.Asfura, Sohn einer palästinensischen Einwandererfamilie, war bisher ein Bauunternehmer, gegen den wegen Vorteilsnahmen und Korruption ermittelt wurde. Sein Name tauchte nach dem legendären Datenleck von 2016 auch in den „Panama Papers“ auf, nur konnte ihm nichts gerichtsfest nachgewiesen werden. Asfura gilt als geschickt, hat als Bürgermeister von Tegucigalpa zwischen 2013 und 2021 eng mit dem damaligen Präsidenten Juan Orlando Hernández kooperiert.Unaufgeklärte Morde an UmweltaktivistenEs ist daher davon auszugehen, dass es zur Reaktivierung der 2021 abgewählten Narco-Diktatur von Hernández kommen kann. Das hält auch Rita Romero, Juristin mit dem Arbeitsschwerpunkt Menschenrechte und Umwelt, für denkbar. „Wahrscheinlich ist, dass die neue Regierung die wenigen Erfolge der linken Präsidentin Xiomara Castro einfach abwickelt, darunter das Verbot, in Schutzgebieten und Nationalparks Bergbau zu betreiben, fixiert im Gesetz 18-2024.“ Bergbau, in Honduras ökonomisch nicht sonderlich relevant, sorgt wie im Fall Guapinol für enorme Umweltschäden.Der Kampf dagegen hat zu einer Reihe unaufgeklärter Morde an Umweltaktivisten geführt. Juristen wie Romero oder Mejía beklagen, dass die Justiz bei den Ermittlungen nicht wirklich vorangekommen sei, weil Polizei und Rechtspflege unter Xiomara Castro weder unabhängiger noch effektiver wurden. Die Aussichten, dass sich daran unter Nasry Asfura etwas ändert, tendieren gegen null.Längst machen Gerüchte die Runde, dass der amtierende Generalstaatsanwalt Johel Zelaya gehen muss, trotz eines Mandats bis Anfang 2029. Er passe, heißt es bei tonangebenden Politikern der Nationalen und der Liberalen Partei, nicht mehr in die Zeit. Das überrascht nicht weiter, auch wenn Zelaya sich bisher keineswegs als passionierter Kämpfer gegen die Korruption hervorgetan hat.Klar ist jedoch, dass es unter Asfura und Parlamentspräsident Tomás Zambrano, einem Strippenzieher hinter den Kulissen, einen klar neoliberalen Kurs geben wird. Es soll der Kampagne „Arbeitsverträge auf Stundenbasis“ Genüge getan werden. Gerüchten zufolge sind auch die ZEDEs – die Zonen für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung – wieder im Gespräch, subnationale territoriale Zonen, in denen steuerliche Vorteile für Unternehmer wie eingeschränkte soziale Rechte gelten. Verfassungsrechtlich ist das umstritten.Die „Privatstadt“ Próspera hat in der Regierungszeit von Xiomara Castro vor einem Schiedsgericht in den USA dagegen geklagt, dass die ZEDE-Gesetzgebung annulliert wurde. Wenn man diesen Weg einschlug, wurde dies damit begründet, dass Teilhaber von Próspera-Firmen in den Vereinigten Staaten angesiedelt seien und über gute Kontakte zur Trump-Administration verfügen würden.