In einem aktuellen Interview mit dem ehemaligen CIA-Analysten und Host von sonar21.com Larry Johnson beleuchtet dieser die hochgradig unrealistischen und riskanten militärischen Pläne der USA im Konflikt mit dem Iran. Johnson, ein erfahrener Experte für Geheimdienst- und Militärfragen, kritisiert scharf die Diskrepanz zwischen offiziellen Verlautbarungen Washingtons und der harten militärischen sowie geopolitischen Realität. Basierend auf aktuellen Truppenbewegungen, öffentlichen Aussagen und historischen Mustern warnt er vor einem potenziellen Desaster, das nicht nur die US-Streitkräfte, sondern die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Der Podcast mit Daniel Davis vom „Deep Dive“-Format dreht sich um die Frage, ob die USA wirklich einen Bodenkrieg gegen den Iran vorbereiten – oder ob es sich um eine Mischung aus Täuschung, innenpolitischem Kalkül und strategischer Fehleinschätzung handelt. Johnson zerlegt die Pläne Schritt für Schritt und zeigt auf, warum selbst begrenzte Operationen wie die Einnahme von Inseln im Persischen Golf militärisch impraktikabel sind.

Vertuschung von Verlusten und die Realität des Krieges

Johnson beginnt mit konkreten Hinweisen auf vertuschte US-Verluste. Er ist überzeugt, dass die offizielle Darstellung zum Absturz einer KC-135-Tankmaschine eine „bald-faced lie“ sei: Das Flugzeug sei nicht durch eine Kollision, sondern durch einen iranischen Raketentreffer abgeschossen worden. Ähnlich skeptisch äußert er sich zu Berichten über einen angeblich abgeschossenen F-18-Jäger der US-Marine durch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC). Die US-Militärführung (CENTCOM) dementiert zwar, doch Johnson argumentiert, dass Lügen in Kriegszeiten üblich seien – insbesondere solange ein Pilot über iranischem Gebiet abgesprungen sei und eine Rettungsmission laufe.

Noch auffälliger sei der Fall des Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford. Offiziell habe ein „Laundry Fire“ – ein Feuer in der Wäscherei – das Schiff für über ein Jahr außer Gefecht gesetzt. Johnson hält dies für absurd: Ein einfacher Wäschebrand könne kaum stundenlang Stahlkonstruktionen zerstören und ein 30-stündiges Inferno verursachen. Fotos zeigten äußere Beschädigungen, die eher auf einen Raketen- oder Drohnentreffer hindeuteten. Zum Vergleich zieht er den Vorfall auf der USS Forrestal 1967 heran, bei dem ein Unfall mit Munition 19 Stunden lang gewütet hatte – hier dauerte es angeblich 11 Stunden länger. Die Regierung wolle schlicht keine Kampfschäden zugeben, um die eigene Schwäche nicht einzugestehen.

Verhandlungen als Fassade – Iran diktiert die Bedingungen

Trotz aller öffentlichen Signale aus dem Weißen Haus – von einem „15-Punkte-Friedensplan“ bis zu einem angeblichen Fünf-Tage-Waffenstillstand – sieht Johnson keine echte Verhandlungsbereitschaft Irans. Teheran habe bereits zweimal Verhandlungen zugestimmt und sei danach angegriffen worden. Es fehle jegliches Vertrauen. Iran stelle nun eigene Forderungen und erwarte, dass die USA diese erfüllen, bevor Gespräche beginnen könnten. Aussagen iranischer Offizieller, darunter des IRGC-Sprechers, klängen keineswegs nach Kapitulation, sondern nach Selbstbewusstsein: „Die USA verhandeln mit sich selbst.“

Johnson enthüllt zudem eine manipulative Komponente: Trumps optimistische Ankündigungen am Montag hätten den Ölpreis gedrückt und Börsenkurse gestützt – offenbar ein Insider-Deal, bei dem Wall-Street-Händler im Voraus informiert waren. In Wahrheit habe man bereits am 12. März mit massiven Luftbrücken begonnen, um Spezialeinheiten zu verlegen. Das passe nicht zu echten Friedensbemühungen.

Massive Truppenverlegungen – Vorbereitung auf Insel-Eroberungen?

Johnson analysiert detailliert die seit dem 12. März beobachteten Bewegungen: Über 35 C-17-Transportflüge von US-Basen (Hunter Army Airfield, Joint Base Lewis-McChord, Fort Bragg, Oceana, Fort Campbell) zu Stützpunkten in Jordanien und Israel. Beteiligt seien Eliteeinheiten wie die 75th Ranger Regiment, Delta Force, SEAL Team 6, die 82nd Airborne und Teile des 160th Special Operations Aviation Regiment (Night Stalkers). Hinzu kämen zwei Marine Expeditionary Units (31st und 11th MEU), die Ende März eintreffen sollen.

Die wahrscheinlichen Ziele: Kharg Island (im Norden des Persischen Golfs, Haupt-Ölterminal Irans, das 90 % der Exporte abwickelt) und Qeshm Island (an der Enge der Straße von Hormus). Johnson warnt: Das sei kein „einfacher Insel-Hopping-Einsatz“. Kharg sei flach und exponiert, Qeshm bevölkert mit rund 150.000 Iranern. Eine Handvoll US-Marines oder Rangers (realistisch nur 800–1.000 echte Kampftruppen pro MEU) stünden einer überwältigenden Übermacht gegenüber. Iran habe die Region jahrelang befestigt – mit Minen, Drohnen, U-Booten, Schnellbooten und Küstenraketen.

Selbst General Keith Kellogg (ehemals Berater Trumps) und Lindsey Graham propagierten diese Idee mit dem Verweis auf „römische Legionen“ und amphibische Bereitschaftsgruppen. Johnson kontert trocken: Die Schiffe müssten sich bis auf wenige Meilen der iranischen Küste nähern – als „sitzende Enten“ für iranische Angriffe. Eine Besetzung würde nicht die Straße von Hormus öffnen, sondern sie komplett schließen: Iran droht bereits, den gesamten Golf zu verminen. Zudem seien die Einheiten nicht für langfristige Besetzung ausgelegt – Versorgungslinien wären nicht gesichert, und Zivilisten könnten zu einem PR-Desaster werden.

Johnson verweist auf eigene CIA-Ausbildung: Was auf dem Papier machbar wirke, scheitere in der Praxis an Gelände, Wetter, Logistik und menschlicher Belastbarkeit. 800 Marines gegen eine bewaffnete Bevölkerung von Zehntausenden? Das ende wie bei Custer – nur moderner mit Drohnen und Raketen.

Historischer Kontext: Die USA als Aggressor

Johnson widerlegt die Narrative von „iranischer Aggression seit 47 Jahren“. Tatsächlich habe die USA 1980 Saddam Hussein zum Angriff auf Iran ermutigt, Chemiewaffen geliefert und Geheimdienstinformationen weitergegeben – mit Hunderttausenden iranischen Toten. Später habe man die Terrorgruppe MEK (Mudschaheddin-e Khalq) bewaffnet und für Anschläge in Iran eingesetzt. Die wahren „Monster“ in der Region seien nicht Teheran, sondern Washington.

Wirtschaftliche und globale Konsequenzen

Die Operation würde katastrophale Folgen haben. Iran pumpt bereits mehr Öl (1,5 statt 1,1 Millionen Barrel/Tag) und verkauft es teurer (97 statt 47 Dollar). Eine Schließung der Straße von Hormus würde Öl auf 150–200 Dollar treiben, Benzin in den USA verdoppeln und eine globale Depression auslösen. Helium-, Schwefelsäure- und Düngemittel-Lieferketten brächen zusammen. Iran kündigt bereits an, die Schifffahrtsregeln neu zu schreiben und Transitgebühren in Yuan zu verlangen – ein Schlag gegen den Petrodollar.

Selbst britische Experten (ehemaliger MI6-Chef, Ex-Verteidigungsminister) sprechen inzwischen von einem „unwinbaren Krieg“. Johnson sieht Trump in der Falle: Er habe auf israelischen Rat gehört und könne nun nur noch eskalieren. Bei Misserfolg würden Sündenböcke wie Tulsi Gabbard gesucht.

Fazit: Militärische Kurzsichtigkeit und strategisches Scheitern

Larry Johnson zeichnet ein klares Bild: Die US-Pläne sind nicht nur impraktikabel, sie sind selbstmörderisch. Eliteeinheiten ohne ausreichende Absicherung, unzureichende Logistik, unterschätzte iranische Abwehr und eine ignorierte Lektion aus Ukraine und Nahost: Drohnen und asymmetrische Kriegsführung machen konventionelle Übermacht wertlos. Statt Regime-Change oder Ölkontrolle droht ein globales wirtschaftliches Desaster – und der Verlust letzter Glaubwürdigkeit der USA als Militärmacht.

Johnson schließt mit einer Warnung: Wer solche Operationen plant, ohne die menschlichen, logistischen und geopolitischen Realitäten zu verstehen, wiederholt die Fehler vergangener Kriege – nur diesmal mit höherem Einsatz für die gesamte Weltordnung. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Vernunft oder Hybris siegt.



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