In Kürze:

  • Die Wuppertaler Schwebebahn feiert in diesem Jahr ihr 125. Jubiläum. Am 1. März 1901 nahm sie ihren Betrieb auf.
  • In der nordrhein-westfälischen Stadt entstand die erste Schwebebahn der Welt. Sie befördert bis heute rund 80.000 Fahrgäste täglich.
  • Im Laufe ihrer Geschichte trotzte sie Weltkriegen und überstand mehrere Unfälle.
  • International existieren nur wenige Schwebebahnen, die meisten befinden sich in Deutschland.

 

Wie ein Tausendfüßler windet sich eine kilometerlange Stahlkonstruktion durch die nordrhein-westfälische Stadt Wuppertal. Weite Teile folgen dem Flusslauf der Wupper, der Rest überspannt mehrere Straßen der Stadt.

Am Bauch dieses stählernen Tausendfüßlers hangelt sich täglich das Wuppertaler Wahrzeichen entlang: die Schwebebahn. Im Gegensatz zu einer Straßenbahn beansprucht sie nahezu keine Fläche, lediglich jeweils rund 1 Quadratmeter pro Fuß. Die Bahn an sich „schwebt“ in luftiger Höhe über Wasser und Land.

Schwebebahn

Menschen besuchen den jährlichen Flohmarkt im Stadtteil Vohwinkel, während die berühmte Schwebebahn über ihren Köpfen entlangschwebt.

Foto: Patrik Stollarz/AFP via Getty Images

125 Jahre Schwebebahn

Die erste Inbetriebnahme der Schwebebahn fand am 1. März 1901 statt. Damit feiert diese besondere Bahnkonstruktion in diesem Jahr ihr 125. Jubiläum.

Die Strecke hat eine Länge von 13 Kilometern, über die 20 Haltestellen verteilt sind. „Die Schwebebahn ist Teil des ÖPNV, daher können alle VRR-Tickets für eine Fahrt genutzt werden“, teilte Rainer Friedrich, Pressesprecher der Wuppertaler Stadtwerke, der Epoch Times mit.

Die Schwebebahn ist damit ein alltägliches Verkehrsmittel für die Einwohner der Stadt und zugleich eine beliebte Attraktion bei vielen Touristen. Sie zieht mehr als 80.000 Gäste pro Tag an – auch aus dem Ausland.

Zum diesjährigen Jubiläum sammelt die Stadt persönliche Schwebebahngeschichten der Fahrgäste. Sie will diese veröffentlichen, um die „emotionale Bedeutung“ des Verkehrsmittels widerzuspiegeln, so Friedrich.

Entwicklung und erste Schwebetests

Die Geschichte der Schwebebahn reicht sogar noch etwas weiter zurück als 1901. Die Verwaltungen der Wuppertaler Stadtteile Barmen und Elberfeld erkannten bereits in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts, dass ein zusätzliches Verkehrsmittel nötig war. Mit der Idee einer Schwebebahn beschäftigte sich zu dieser Zeit der Kölner Ingenieur Eugen Langen.

Am 31. Dezember 1894 kam es dann zum Vertrag zwischen der Stadtverwaltung und der damaligen Elektrizitäts-Aktiengesellschaft über den Bau und den Betrieb einer Schwebebahn. Sie beschlossen, eine Strecke vom Zoo über die Wupper bis Rittershausen (Oberbarmen) zu errichten. Im darauffolgenden Jahr wurde mit einem weiteren Vertrag die Verlängerung der Strecke über die Straße bis Vohwinkel vereinbart.

Der Bau begann im Sommer 1898. Zunächst errichteten die Baufirmen den ersten 400 Meter langen Teilabschnitt zwischen Westende und Sonnborner Viadukt. Schon Mitte September desselben Jahres wurden die ersten zwei Probewagen an den Hochgleisen aufgehängt. Die erste Probefahrt fand knapp drei Monate später statt. Die Wagen erreichten eine Geschwindigkeit von 16 Kilometern pro Stunde (km/h).

Die nächste Probefahrt erfolgte am 4. März 1899. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 660 Meter Strecke aufgebaut und die Wagen konnten auf 40 km/h beschleunigen.

Auf einer Postkarte aus dem Jahr 1905 ist das Wuppertaler Straßenleben mit der Schwebebahn abgebildet.

Hoher Andrang zur Eröffnung

Die Öffentlichkeit konnte schließlich erstmals am 1. März 1901, dem Datum der offiziellen Betriebseröffnung, mit der Schwebebahn fahren. Inzwischen war die Strecke auf 4,59 Kilometer angewachsen. Der Andrang der Bürger war allerdings so hoch, dass die Stadt den einstigen 10-Minuten-Takt schnell auf einen 5-Minuten-Takt verkürzen musste.

Am 24. Mai 1901 gab der Betreiber den Streckenabschnitt Zoo–Vohwinkel mit einer Länge von 2,97 Kilometern frei. Zwei Jahre später konnten die Fahrgäste auch den restlichen Streckenabschnitt Kluse–Rittershausen (Oberbarmen) nutzen.

Für die Errichtung der Bahnkonstruktion verarbeiteten die Baufirmen insgesamt 19.200 Tonnen Eisen. 472 Eisenstützen tragen die gesamte Strecke. Die Baukosten betrugen rund 16 Millionen Goldmark. Das entspricht gut 5,7 Tonnen Gold im heutigen Wert von etwa 780 Millionen Euro.

Krieg, Unfälle und ein Elefant

Die Schwebebahn überstand in den darauffolgenden Jahrzehnten zwei Weltkriege. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Konstruktion allerdings beschädigt. Luftangriffe trafen im Sommer 1943 einige Stützen und das Gerüst der Schwebebahn. In den folgenden Monaten konnten die Betreiber nur einen Notbetrieb im Pendelverkehr ermöglichen. Weitere Angriffe trafen am 1. Januar 1945 den Bahnhof Vohwinkel schwer, was den Schwebeverkehr ganz zum Erliegen brachte. Erst Ostern 1946 konnte die Öffentlichkeit wieder uneingeschränkt mit der Schwebebahn fahren.

Neben kriegerischen Angriffen ereigneten sich in den vergangenen 125 Jahren so manche Un- und Zwischenfälle: teils harmlose, teils skurrile, aber leider auch tödliche. Der erste nennenswerte Zwischenfall geschah am 1. Mai 1917, als ein Zug zwischen Oberbarmen und Wupperfeld auf einen auf der Strecke hängenden defekten Zug auffuhr und dessen hinteren Wagen aus den Gleisen hob. Einer der vier Wageninsassen trug eine Schramme davon.

Ein Vorfall, der das Wuppertaler Stadtbild wortwörtlich bis heute prägt, geschah am 21. April 1950, als ein Elefant in Panik aus einer fahrenden Bahn in die Wupper sprang. Der Sturz von Tuffi, der jungen Elefantendame, sorgte international für Schlagzeilen. In Wuppertal selbst erinnern Skulpturen, Wandmalereien, Postkarten und Souvenirs an die PR-Aktion des Zirkus Althoff, der damals in der Stadt gastierte. Der Elefant blieb unverletzt, einige Fahrgäste im immer noch überfüllten Wagen erlitten leichte Verletzungen.

In der Langobardenstraße erinnert ein Wandbild an Tuffis Sturz aus der Schwebebahn.

Am 11. September 1968 brachte ein Lkw den Schwebebahnverkehr für zehn Wochen zum Erliegen, obwohl eine Kollision zwischen Straßenverkehr und Schwebebahn eigentlich ausgeschlossen ist. Denn die Bahnen fahren im Bereich der Landstrecke oberhalb der Oberleitung der Straßenbahn, der Straßenverkehr darunter. Der Brummi geriet jedoch ins Schleudern und riss einen der Pfeiler aus der Verankerung, woraufhin Stücke des Tragwerks auf die Straße stürzten. Bei anderen Zwischenfällen mit dem Straßenverkehr streiften Kran- oder Baggerarme die Schwebebahnwagen.

Der folgenschwerste Unfall in der Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn ereignete sich am 12. April 1999. Nach Arbeiten an dem Traggerüst hatte man vergessen, ein Metallstück an der Fahrschiene zu demontieren. Die nächste Bahn stürzte in die Wupper. Fünf Fahrgäste verloren ihr Leben, 47 Personen wurden verletzt.

Die Schwebebahn entwickelt sich

Im Laufe ihrer Geschichte erlebte die Schwebebahn auch zahlreiche technische, mechanische und strukturelle Verbesserungen. So fahren seit dem 1. August 2019 ausschließlich Wagen der 15. Generation.

Seit dem 2. September 2019 besitzt die Schwebebahn zudem ein neues, digitales Betriebssystem. Zuvor war sie mit einem fast 50 Jahre alten System unterwegs. Die Runderneuerung sollte die Bahn schneller und leistungsfähiger machen. Geplant war, dass sie sich langfristig mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h vorwärtsbewegt. Derzeit darf sie dies nur streckenweise, ansonsten gilt die bisherige Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. Zugleich fahren die Bahnen in Abhängigkeit von der Tageszeit alle 3 bis 15 Minuten.

Die Haltestelle Ohligsmühle/Stadthalle schwebt ebenso wie die Bahn über der Wupper.

Schwebebahnen international

Heute ist Deutschland das Land mit den meisten in Betrieb befindlichen Schwebebahnen. Außer in Wuppertal gibt es auch in Dresden, Dortmund und am Düsseldorfer Flughafen eine solche Bahnkonstruktion. Deren Streckenlängen betragen zwischen 274 Metern und knapp 3,2 Kilometern.

International gibt es derzeit nur in Japan und China Schwebebahnen. Mit einer Länge von 15,2 Kilometern übertrifft die japanische Chiba Urban Monorail das Wuppertaler Wahrzeichen nur knapp. Die erste Teilinbetriebnahme fand im Jahr 1988 statt. 18 Jahre zuvor war im Land der aufgehenden Sonne die Shonan Monorail in Betrieb gegangen. Mit nur 6,6 Kilometern Länge ist sie deutlich kürzer, fährt dafür aber sogar durch Tunnel.

China betreibt erst seit rund zwei Jahren die 10,5 Kilometer lange Optics Valley Suspended Monorail. Überdies wurden ehemalige Schwebebahnsysteme mittlerweile stillgelegt oder abgebaut. Dazu zählen die Ueno Zoo Monorail in Japans Hauptstadt Tokio, die Skyrail Hiroshima und die Memphis Suspension Railway in den USA.



Source link