Die emotionale Wirkung war unerwartet, obwohl ich sie vielleicht hätte ahnen sollen. Der Commodore 64 Ultimate, eine Neuauflage des legendären 8-Bit-Computers, kommt in einer Box, die der Originalverpackung nachempfunden ist – ein Foto des Computers vor einem tiefblauen Hintergrund, der in weiße Streifen übergeht. Beim Öffnen findet man dann eine verblüffend genaue Nachbildung dessen, was Fans liebevoll „Brotkasten“ nannten – den klobigen, schrägen Commodore 64 in Braun- und Beigetönen, mit der roten LED in einer Ecke über der Reihe der rehbraunen Funktionstasten. Eine Zeitreise zurück ins Jahr 1982.
Ende 1983 kaufte uns mein Vater einen C64. Es war unser zweiter Computer nach dem ZX81 und fühlte sich mit seiner detaillierten Farbgrafik, dem fortschrittlichen Soundchip und der richtigen Tastatur wie ein riesiger Sprung in die Zukunft an. Wir packten ihn auf unserem Esstisch aus, schlossen ihn an einen kleinen tragbaren Fernseher an und luden das einzige Spiel, das wir hatten: einen sehr simplen Donkey-Kong-Klon namens Crazy Kong.
Mein Leben sollte nie wieder dasselbe sein. Dieses Gerät war die nächsten vier Jahre meine Obsession – meine Freundschaften und meine Freizeit drehten sich um Spiele wie Bruce Lee, Paradroid und Hyper Sports. Bis heute erinnere ich mich gerne daran, wie ich mit meinem Vater die Golfsimulation Leaderboard gespielt habe. Die Soundeffekte, Sprachsamples und Grafiken dieses Computers haben sich mir seit fast 40 Jahren fest ins Gedächtnis gebrannt.
C64: Eine Ikone wird wiederbelebt
Commodore war ein Jahrzehnt lang ein Riesenerfolg. Auf den C64 (von dem sich schätzungsweise 12 bis 30 Millionen Stück verkauften) folgte der Amiga, ein weiterer großartiger Spielecomputer. Doch mit dem Aufstieg des PCs begann ein langer, schmerzhafter Niedergang – das Unternehmen meldete 1994 schließlich Konkurs an. Die Marke wurde danach noch einige Jahre durch den Verkauf von geistigem Eigentum halbwegs am Leben erhalten. Im August 2025 kaufte der Retro-YouTuber Christian „Peri Fractic“ Simpson, unterstützt von einem Gremium aus Commodore-Veteranen, die Marke und versprach, sie wiederzubeleben.
Das Ergebnis ist der Ultimate, eine originalgetreue Reproduktion, nicht nur optisch (obwohl es auch eine Starlight-Edition mit vielen LEDs und einem transparenten Gehäuse gibt), sondern auch technisch. Anstatt eine Software-Emulation des C64 zu verwenden, basiert er auf einem FPGA (Field-Programmable Gate Array) – einem integrierten Schaltkreis, der die Hardware simuliert.
Man kann eine originale C64 Datasette oder ein Diskettenlaufwerk anschließen und Originalsoftware zum Laufen bringen (ein nettes Detail: Beim Ausführen einer Diskettendatei simuliert der Computer die Geräusche eines Diskettenlaufwerks mit Surren, Ticken und Piepen). Es gibt sogar einen Modulschacht, der alte Spielmodule wie International Soccer abspielt. Um das Ganze abzurunden, können Sie Ihren alten Quick Shot II an einen der beiden Joystick-Anschlüsse anschließen. Dann legen Sie einfach eine Kopie von Daley Thompsons Decathlon ein und machen ihn gleich wieder kaputt.
Zurück zu den Wurzeln des Computings
Aber es ist nicht nur ein Gerät zum Spielen alter Spiele. Schalten Sie den Rechner mit dem originalen Netzschalter an der Seite ein, startet er mit dem originalen Commodore-64-Startbildschirm, inklusive der Worte: „Commodore 64 Basic V2, 64K RAM-System, 38911 Basic Bytes free. Ready.“ Und dem blinkenden Cursor. Sie können es genauso programmieren wie damals, mit Basic oder, wenn Sie sich fortgeschritten fühlen, mit Assemblersprache. Natürlich habe ich das erste Programm aller Zeiten aus den 1980er-Jahren ausprobiert:
10 print “keith is cool”;
20 goto 10
Es funktionierte. Danach habe ich eine alte Programmliste aus der Zeitschrift Computer & Video Games hervorgekramt und sie abgetippt – was sich als ziemliche Herausforderung erweist, da die Schrift nach 30 Jahren auf meinem Dachboden klein, blass und verschmiert ist. Außerdem kann man den Netzschalter nach oben drücken, um in ein alternatives Menü mit vielen neuen Optionen zu gelangen.
Man kann einen USB-Stick anschließen und C64-Spiele und -Apps laden, die man online erworben hat. Dem Computer liegt auch ein USB-Stick (in Form einer Musikkassette) bei, der mit Demos und Spielen zum Ausprobieren gefüllt ist. Noch besser ist: Er lässt sich ganz einfach per Kabel oder WLAN mit dem Internet verbinden und bietet so Zugriff auf ein Community-Archiv mit Spielen sowie auf altmodische Bulletin-Board-Systeme – quasi die Reddit-Foren der 1980er-Jahre.
Modern trifft Retro
Was ich an dem Gerät so liebe, ist die nahtlose Integration moderner Technik in ein Retro-Ambiente. Man kann es zwar per HDMI an einen modernen Monitor anschließen, aber die Menüs und Eingaben erinnern stark an die 80er-Jahre – Textlisten, ASCII-Art, Cursortasten oder W, A, S, D zur Navigation.
Die Erinnerungen an die Interaktion mit dieser alten Hardware kamen sofort wieder hoch. Alles, was man auf dem C64 tat, erforderte etwas Mühe und Geschick, sei es das Laden eines Spiels oder das Schreiben kleiner Programme – es gab kein Drag & Drop, kein Plug & Play; man war ein Computerbenutzer, kein Plattformkonsument. In seiner Pressemitteilung zur Produktankündigung bezeichnete sich Commodore als „die Marke für Digital Detox – ein klares Zeichen gegen die toxische Technologie von heute“. Und auch wenn das etwas polemisch und selbstverherrlichend klingt, steckt doch ein Körnchen Wahrheit darin. Die Erkundung des C64 in den letzten Wochen hat mir mehr Freude bereitet als das Herunterladen einer App auf mein Handy je zuvor.
Mit einem Preis von 297 Euro ist sie nicht gerade günstig und wirft die Frage auf: Hat diese Maschine über ihren Reiz für die ursprünglichen Besitzer hinaus einen Wert? Ich denke schon. Auf eine zugänglichere Weise als die unglaubliche PDP-10-Replika, über die ich letztes Jahr geschrieben habe, ist sie ein lebendiges historisches Relikt, eine Möglichkeit, sich wieder mit dem ursprünglichen Konzept eines Desktop-Heimcomputers zu verbinden – als etwas, für das wir gelernt und programmiert haben.
Das Einfache verstehen
Die hervorragende Bedienungsanleitung, die beiliegt, ist vollgepackt mit nützlichen Informationen, wie man damit Musik macht und Grafiken darstellt; ich hoffe sehr, dass dadurch die alternative Indie-Gaming-Szene floriert. Es zeigt ein grundlegendes Verständnis von Computern jenseits schicker Benutzeroberflächen; es ist wertvoll, zu verstehen, wie Programme funktionieren, und sei es noch so einfach.
Und selbst die nostalgische Wirkung der Maschine hat ihren Wert. Es hat Spaß gemacht, meinen Söhnen dieses altmodische Gerät zu zeigen – keine Werbung, keine Pop-ups, keine Social-Media-Benachrichtigungen. Das erneute Spielen dieser alten Spiele hat mir gezeigt, wie wichtig gutes Design und clevere Programmierung im Vergleich zu Hype und visueller Effekthascherei sind. Eine Lektion, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.