In Kürze:

  • Die Vulkangruppe hat seit 2011 offiziell 13 Anschläge verübt.
  • AfD wirft Bundesinnenminister Dobrindt Unfähigkeit vor.
  • Das Bekennerschreiben der Vulkangruppe lässt Rückschlüsse auf die Motivation der Tat in Berlin zu.

 

Nach dem Sabotageakt auf die Berliner Stromversorgung verschärft Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) den Kampf gegen linksextremen Terrorismus. Um die jahrelange Serie von Anschlägen der sogenannten „Vulkangruppe“ zu beenden, plädiert der Minister auf die Auslobung einer hohen Geldprämie für entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der „Bild am Sonntag“: „Bundesinnenminister Alexander Dobrindt befürwortet eine hohe finanzielle Belohnung für Hinweise zur Ermittlung der linksterroristischen Täter der Vulkan Gruppe des Anschlags auf das Berliner Stromnetz.“

Sicherheitskreise erhoffen sich durch eine Belohnung im sechs- oder siebenstelligen Bereich neue Impulse für die Fahndung.

Zuvor erklärte Dobrindt bereits, einen härteren Kurs gegen den Linksextremismus fahren zu wollen. „Ich finde es schlichtweg nicht akzeptabel, dass der Staat an manchen Stellen immer noch blind ist gegenüber Extremisten, gegenüber Leuten, die diesem Staat schaden wollen.“, so der CDU-Politiker bei der Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes am 12. Januar 2026 in Köln. „Ich will, dass wir mit den gleichen Mitteln an dieser Stelle zurückschlagen, und deshalb werde ich auch die Ermittlungsbefugnisse erhöhen und die Kräfte ausbauen“. Zugleich kündigte der Minister an, den Verfassungsschutz zu dem Zweck personell aufstocken zu wollen.

Es waren stets Brandanschläge

13 Anschläge seit 2011 – so lautet die Bilanz der Anschläge der linksextremistischen Vulkangruppe. Eines haben die Attacken gemeinsam: Es waren alle Brandanschläge. Der jüngste Angriff auf eine Kabelbrücke in Lichterfelde rückte die Gruppe wieder in den Fokus von Medien und Behörden. Ab dem 3. Januar 2026 waren bis zu vier Tage lang etwa 45.000 Haushalte und etwa 2.200 Unternehmen von der Stromversorgung abgeschnitten.

Die Serie der Anschläge begann 2011, antwortet das Bundesinnenministerium auf eine Anfrage von Epoch Times, und kommt der Bitte nach einer Auflistung aller bisher bekannten Straftaten nach.

  •  23. Mai 2011: Brandstiftung im Umfeld einer Baustelle in Berlin
  • 10. bis 13. Oktober 2011: mehrere Brandstiftungen im Umfeld von Gleisanlagen in Berlin und Brandenburg
  • 2. Mai 2013: Brandanschlag auf Kabelschacht in Berlin-Zehlendorf
  • 28. November 2013: Brandanschlag auf Sendemast in Berlin/Treptow-Köpenick
  • 7. März 2016: Brandanschlag auf Kabelschacht in Berlin
  •  26. März 2018: Inbrandsetzung von Strom- und Glasfaserkabeln in Berlin-Charlottenburg
  • 23. September 2019: Brandanschlag auf Kabelschächte in Berlin
  • 14. April 2020: Inbrandsetzung von Strom- und Telekommunikationskabeln in Berlin-Charlottenburg
  • 26. Mai 2021: Brandanschlag in Grünheide (Brandenburg) auf eine Stromversorgungseinrichtung
  • 12. Juni 2023: Brandanschlag auf mehrere Stromversorgungsleitungen für ein mit Steinkohle betriebenes Heizkraftwerk in Berlin
  • 5. März 2024: Brandanschlag auf einen Strommast in Grünheide (Brandenburg)
  • 29. April 2025: Brandanschlag auf einen Mobilfunkmast in Berlin-Zehlendorf
  • 3. Januar 2026: Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde

AfD spricht von einem systemischen Versagen des Staates

Welchen monetären Schaden die Anschläge verursacht haben, lasse sich nicht beziffern, so eine Sprecherin des Ministeriums. Auch ist nach 14 Jahren offenbar nichts über die Strukturen der Linksextremisten bekannt. Denn in der Antwort auf die Anfrage von Epoch Times ist die Rede von „Straftaten bzw. Tatkomplexe bekannt, die von „Vulkangruppen“ seit 2011 durchgeführt wurden und zu denen sich eine solche Gruppierung bekannt hat.

Der Plural deutet auf eine personell nicht festlegbare Größe hin. Eine Frage in diese Richtung bleibt jedoch unbeantwortet, ebenso die nach dem Grund dafür, dass es nach bald 15 Jahren nach dem ersten Anschlag keine Ergebnisse gibt. Das Bundesinnenministerium verweist darauf, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zum jüngsten Brandanschlag übernommen hat. Dort werden auch die vorhergehenden Taten bearbeitet. Eine Antwort auf die Frage nach dem aktuellen Stand gibt es nur ausweichend: „Die Ermittlungen dauern an“, so eine Sprecherin im Gespräch mit Epoch Times. Somit ist auch klar: Festnahmen hat es bislang nicht gegeben. Die nunmehr fast eineinhalb Jahrzehnte Erfolglosigkeit der Behörden vermittele aus Sicht des Magazins „Cicero“ den Eindruck, dass diese eine Strafverfolgung nicht besonders intensiv betreibe.

In der Bundestagssitzung vom 14. Januar 2026 kritisierte die AfD-Fraktion, dass es noch immer keine zählbaren Erfolge gibt. Das geht aus dem Protokoll hervor. Dass es innerhalb der vergangenen fast eineinhalb Jahrzehnte keine Verhaftungen oder Anklagen gegeben habe, nannte der Bundestagsabgeordnete Martin Hess einen „sicherheitspolitischen Skandal“. Die AfD habe „vor genau dieser Entwicklung“ wiederholt gewarnt. „Wir haben unzählige Anträge zur intensiveren Bekämpfung des Linksextremismus in dieses Haus eingebracht. Und Sie alle hier von den Altfraktionen haben diese Anträge abgelehnt“, wetterte Hess. Er sprach auch von einem „systemischen Versagen des Staates“, das der Anschlag auf „erschreckende Weise offengelegt“ habe.

Vulkangruppe: „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten“

Auf der linksextremen Seite „indymedia“ ist das Bekennerschreiben der Vulkangruppe seit dem 4. Januar veröffentlicht. Darin heißt es: „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten. Wir können das Ende der imperialen Lebensweise einleiten. Wir können den Raubbau an der Erde stoppen.“ Diese werde in der Gier nach Energie „ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört“. Das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde habe man „erfolgreich sabotiert“. Die Folge seien Stromausfälle in den „wohlhabenden Stadtteilen“ Wannsee, Zehlendorf und Nikolassee gewesen. Bei den „weniger wohlhabenden Menschen“, die betroffen waren, „entschuldigen wir uns“.

Den Anschlag verteidigten die Verfasser als eine „gemeinwohlorientierte Aktion“, die „gesellschaftlich sinnvoll“ sei. Er sei „ein Akt der Notwehr“ und der internationalen Solidarität „mit allen, die die Erde und das Leben schützen“. Die Smart-City-Metropolen, wie Berlin eine werden solle, könnten verhindert werden. Mit dem Stromnetz Berlin habe es „einen Baustein dieser katastrophalen Vision von einer smarten City getroffen“. Abschließend heißt es, dass es „für uns selbstverständlich ist, „dass wir zu jedem Zeitpunkt die Gefährdung von Menschenleben ausgeschlossen haben“.

Ein Team der „WELT AM SONNTAG“ hatte Gelegenheit, sich ausführlich mit der Vulkangruppe zu beschäftigen. Nach eigenen Angaben gab es Gespräche mit Polizisten und Mitarbeitern der Nachrichtendienste. Auch hatte sie Einblicke in Akten. Das Fazit: Es handele sich um eine im Verborgenen agierende Gruppierung (klandestine Bewegung), über die bisher kaum jemand gesprochen habe. Die Zeitung bezeichnete sie als eine Szene aus Anarchisten, Technologie- und IT-Experten, die radikale Ideologie und Wissenschaft vermische.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen)



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