In einem explosiven Gespräch mit Richter Andrew Napolitano zeichnet Oberst Douglas Macgregor ein düsteres Bild der aktuellen US-Strategie gegenüber Iran, Israel und dem Nahen Osten. Für Macgregor steht fest: Washington befinde sich längst in einem gefährlichen Eskalationspfad, aus dem Donald Trump keinen gesichtswahrenden Ausstieg mehr finde. Die Vorstellung, man könne Iran durch Luftangriffe, „Enthauptungsschläge“ oder wirtschaftlichen Druck zur Kapitulation zwingen, hält der ehemalige Pentagon-Berater für eine gefährliche Illusion. Stattdessen drohe ein Flächenbrand mit katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft, die Energieversorgung und die militärische Stabilität der USA selbst.

Geheimes Iran-Abkommen – oder letzte Hoffnung vor dem Flächenbrand?

Zu Beginn des Gesprächs diskutieren Napolitano und Macgregor Berichte über einen angeblichen Entwurf für ein umfassendes Abkommen zwischen den USA und Iran. Demnach solle es einen sofortigen Waffenstillstand „an allen Fronten“ geben, freie Schifffahrt im Persischen Golf und in der Straße von Hormus garantiert werden und Sanktionen schrittweise aufgehoben werden.

Macgregor hält den Entwurf grundsätzlich für plausibel und „vernünftig“, zumindest aus Sicht der USA und Irans. Das eigentliche Problem sei jedoch Israel – genauer gesagt Benjamin Netanjahu.

Für Macgregor ist klar: Ein echter Waffenstillstand würde zwangsläufig auch Gaza und den Libanon umfassen. Genau deshalb glaubt er nicht, dass Netanjahu jemals zustimmen würde. Im Gegenteil: Der israelische Premierminister habe bereits mehrfach Friedens- oder Verhandlungslösungen sabotiert, sobald sich zwischen Washington und Teheran eine Annäherung abgezeichnet habe.

Besonders brisant: Macgregor verweist auf Berichte über ein extrem angespanntes Telefonat zwischen Trump und Netanjahu. Angeblich sei der israelische Premier nach dem Gespräch „metaphorisch in Flammen aufgegangen“. Zudem kursierten Gerüchte, Netanjahu wolle erneut nach Washington reisen – genau wie in früheren Situationen, in denen diplomatische Annäherungen plötzlich scheiterten.

„Wer regiert eigentlich die Vereinigten Staaten?“

Einer der zentralen Momente des Interviews entsteht, als Napolitano Trumps Aussage zitiert, Netanjahu werde „tun, was ich will“. Macgregor reagiert darauf mit einer fundamentalen Frage:

„Wer regiert eigentlich die Vereinigten Staaten?“

Für Macgregor ist die Machtfrage in Washington längst nicht mehr demokratisch geklärt. Er beschreibt ein System aus Sonderinteressen, Lobbystrukturen und Einflussnetzwerken, das die offizielle Regierung zunehmend überlagere. Historisch vergleicht er die heutige Situation mit der Zeit der großen Eisenbahn-Magnaten nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, als Industrielle wie Rockefeller, Vanderbilt oder Carnegie faktisch entschieden hätten, wer Präsident werde.

Die heutige Korruption in Washington sei, so Macgregor, „mindestens genauso groß wie jemals zuvor in der amerikanischen Geschichte“.

Epstein, Mossad und politische Erpressung

Besonders explosiv wird das Gespräch, als Macgregor die sogenannten Epstein-Dateien anspricht. Er spekuliert offen darüber, dass zahlreiche einflussreiche Personen in Washington durch kompromittierendes Material erpressbar seien und dadurch unter israelischem Einfluss stünden.

Macgregor verweist dabei auf Aussagen des ehemaligen CIA-Mitarbeiters John Kiriakou und deutet an, dass der Mossad über umfangreiche Druckmittel gegen politische Eliten verfüge.

Diese Passage gehört zu den kontroversesten Aussagen des gesamten Interviews und zeigt, wie tief das Misstrauen innerhalb bestimmter Kreise des amerikanischen Sicherheitsestablishments inzwischen reicht.

Iran stärker als vor den Angriffen

Entgegen der offiziellen Darstellung aus Washington behauptet Macgregor, Iran sei militärisch heute stärker als vor Beginn der jüngsten US-israelischen Angriffe.

Er verweist auf geleakte CIA-Informationen, wonach rund 90 Prozent der eigentlichen iranischen Militärkapazitäten intakt geblieben seien. Die angeblich „zerstörte“ iranische Bedrohung existiere weiterhin nahezu vollständig.

Darüber hinaus hätten Russland und China Iran inzwischen massiv mit neuen Waffen, Raketen, Radarsystemen und Luftabwehrtechnologien versorgt. Besonders gefährlich seien neue chinesische Marschflugkörper mit Reichweiten von über 300 Kilometern und nahezu hyperschallschnellen Geschwindigkeiten, die speziell zur Zerstörung großer Kriegsschiffe entwickelt worden seien.

Macgregor lobt dabei ausdrücklich die iranischen Ingenieursfähigkeiten. Nach jedem Konflikt mit Israel oder den USA habe Iran seine Schwächen analysiert und sei beim nächsten Mal „tödlicher, besser vorbereitet und leistungsfähiger“ zurückgekehrt.

Die Illusion der Enthauptungsschläge

Der eigentliche Kern des Interviews dreht sich um die Strategie sogenannter „Decapitation Strikes“ – also Enthauptungsschläge gegen Führungsstrukturen.

Macgregor hält die Vorstellung, man könne durch Luftangriffe allein politische Ziele erreichen, für eine historische Fehlannahme. Er verweist auf den Kosovo-Krieg 1999, als die NATO über 78 Tage hinweg Serbien bombardierte und dennoch ihre Ziele militärisch nicht erreichte.

Der Rückzug Serbiens sei damals nicht durch Bombardierungen erzwungen worden, sondern weil Russland seine Unterstützung zurückgezogen habe.

Dennoch glaube ein großer Teil der amerikanischen Luftwaffenführung bis heute, man müsse „nur intensiver bombardieren“, um den Gegner irgendwann zum Zusammenbruch zu zwingen.

Macgregor widerspricht entschieden:
Iran werde nicht kapitulieren.

Trump im „Hotel California“

Macgregor beschreibt Trump als gefangen in einer Eskalationsspirale. Ein Freund habe ihm gesagt:

„Trump hat im Hotel California eingecheckt – man kann einchecken, aber nie wieder auschecken.“

Trump suche verzweifelt nach einem „off-ramp“, also einem gesichtswahrenden Ausstieg. Doch weil er politisch unbedingt als Sieger erscheinen wolle, neige er immer stärker zur letzten Eskalation.

Macgregor glaubt deshalb, dass Trump letztlich auf rohe Gewalt setzen könnte, falls keine diplomatische Lösung gefunden werde.

Hormus: Die gefährlichste Illusion Washingtons

Besonders scharf kritisiert Macgregor Trumps Behauptung, die USA hätten „volle Kontrolle“ über die Straße von Hormus und Iran sei praktisch handlungsunfähig.

Macgregor nennt diese Aussagen „Unsinn“.

Tatsächlich hätten iranische Streitkräfte weiterhin Schiffe eskortiert und die Region kontrolliert. Die Vorstellung einer totalen amerikanischen Dominanz sei reine Propaganda.

Noch alarmierender: Sollte der Krieg erneut eskalieren, werde Iran laut Macgregor gezielt die Energieinfrastruktur der Golfstaaten zerstören – darunter Ölanlagen und Entsalzungsanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Folgen wären dramatisch:

  • massive Energiekrise
  • Zusammenbruch der Wasserversorgung
  • Entvölkerung ganzer Regionen
  • globale Wirtschaftsschocks

Macgregor betont mehrfach, dass die Schäden im Golf bereits jetzt Jahre zur Erholung benötigen würden.

China, Taiwan und der Zusammenbruch amerikanischer Illusionen

Überraschend positiv bewertet Macgregor Trumps jüngsten China-Besuch. Xi Jinping habe Trump unmissverständlich klargemacht, dass ein Krieg um Taiwan militärisch nicht zu gewinnen sei.

Trump habe danach erstmals öffentlich eingeräumt:
Taiwan liege nur 100 Meilen von China entfernt, während die USA tausende Kilometer entfernt seien.

Macgregor feiert diese Aussage als seltenen Moment strategischer Realitätserkenntnis.

Pentagon unter politischer Kontrolle

Im letzten Teil des Interviews rechnet Macgregor brutal mit der amerikanischen Militärführung ab.

Vier-Sterne-Generäle seien zunehmend politische Akteure geworden, die vor allem die Agenda jener Politiker stützten, die sie befördert hätten.

Besonders scharf greift er den früheren CENTCOM-Kommandeur General Kurilla an, den er als faktischen politischen Verbündeten Netanjahus beschreibt.

Macgregor warnt vor einem militärisch-industriellen Komplex, wie ihn bereits Dwight Eisenhower beschrieben hatte. Hochrangige Militärs würden nach ihrer Dienstzeit mit lukrativen Posten in Investmentfirmen oder Rüstungskreisen belohnt – als Gegenleistung für politische Loyalität während ihrer aktiven Laufbahn.

Das eigentliche Problem: Die Amerikaner merken kaum, dass Krieg herrscht

Zum Schluss formuliert Macgregor seine vielleicht düsterste Beobachtung:

Die meisten Amerikaner bemerkten kaum, dass ihr Land sich faktisch in einem neuen Krieg befinde.

Solange keine tausenden amerikanischen Soldaten sterben würden, bleibe die Bevölkerung desinteressiert und abgelenkt. Genau deshalb könnten Kriege über Jahre weitergeführt werden – wie einst Vietnam.

Für Macgregor liegt darin die größte Gefahr:
Ein permanenter Kriegszustand ohne öffentliche Aufmerksamkeit, ohne demokratische Kontrolle und ohne klares strategisches Ziel.

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Von Veritatis