Schon wieder: Schüsse bei einem Abendessen mit US-Präsident Donald Trump am Samstagabend in Washington, D.C. War es ein erneuter Attentatsversuch auf Trump oder beabsichtigte der festgenommene Schütze, ein Massaker unter den Anwesenden anzurichten? Niemand wurde verletzt. Lediglich musste ein Sicherheitsbeamter wegen eines Schusses auf seine Rettungsweste kurzfristig ins Krankenhaus gebracht werden.

Wer ist der Attentäter?

Die Polizei hat zum Verdächtigen folgende Angaben bekannt gegeben: Es handle sich um den 31-jährigen Cole Tomas Allen aus Torrence, dessen Bezirk an Los Angeles angrenzt. Laut sozialen Medien sei er ein Absolvent der Technischen Universität Kaliforniens (Caltech University) und habe als Teilzeitlehrer und Spieleentwickler gearbeitet. Laut „Los Angeles Times“ gehe aus Bundesunterlagen hervor, dass Allen im Oktober 2024 eine Spende in Höhe von 25 Dollar an eine Organisation von Kamala Harris gespendet habe. Harris war im Wahlkampf 2024 die Gegenkandidatin der Demokraten für das Amt des Präsidenten. Im Übrigen sei der Verdächtige bis dahin polizeilich unauffällig gewesen.

Trump sei beim „Korrespondenten-Dinner des Weißen Hauses“, genauso wie sein Vize J.D. Vance und zahlreiche Minister, umgehend in Sicherheit gebracht worden, nachdem in einem Vorraum der Veranstaltung Schüsse gefallen waren.

Korrespondenten-Dinner des Weißen Hauses

Das Korrespondenten-Dinner von der Bedeutung her in etwa vergleichbar zum deutschen Bundespresseball – wird jährlich als Benefiz-Gala von der Berufsvereinigung der amerikanischen Korrespondenten ausgerichtet, die direkt aus dem Weißen berichten. Es dient als Begegnungsabend für Journalisten, hochrangige Regierungsvertreter, Kongressabgeordnete und einigen Wirtschaftsmagnaten.

Grundsätzlich werden dort auch junge Journalisten für ihre Arbeit ausgezeichnet und Stipendien vergeben. Den hohen Bekanntheitsgrad hat die Abendgesellschaft jedoch seit Jahrzehnten durch ihre satirischen Reden erhalten. Insbesondere wird die Rede des Präsidenten jedes Jahr mit Spannung erwartet. In der Regel nahmen sich amerikanische Präsidenten in der Vergangenheit selbst aufs Korn, rechnen aber gerne auch mit den Hauptstadtkorrespondenten und deren Berichterstattung ab.

Ausnahme: Während seiner ersten Amtszeit brach Trump mit der jahrzehntelangen Tradition und blieb der Veranstaltung in jedem Jahr fern. Auch im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit, 2025, nahm Trump nicht teil. Dieses Jahr hatte er zugesagt. Das war sein erstes Mal als Präsident. Vor seiner Präsidentschaft war Trump allerdings gelegentlich Gast bei dem Dinner, darunter im Jahr 2011, wo er in der Rede des damaligen Präsidenten Barack Obama sarkastisch verspottet worden war.

Für ein Massaker bewaffnet

Allen war laut Angaben des Washingtoner Polizei-Chefs Jeff Caroll der Polizei mit einer Schrotflinte, einer Pistole und mehreren Messern bewaffnet, als er eine Sicherheitskontrolle innerhalb des Washingtoner Hilton-Hotels überwunden habe und in Richtung des Ballsaals rannte, in dem das Abendessen stattfand.

Er lieferte sich dabei ein Feuergefecht mit den Sicherheitskräften, wurde jedoch nicht angeschossen, sondern überwältigt und festgenommen. Allen soll als Gast in dem Hotel untergebracht gewesen sein. Die Polizei hat bis zur Stunde keine Angabe über Allens Motive für seinen Angriffsversuch veröffentlicht. Allerdings lässt die Bewaffnung, insbesondere die Schrotflinte, die Vermutung zu, dass der Verdächtige keine gezielten Schüsse auf eine bestimmte Person abgeben wollen, sondern eher daran interessiert gewesen sein könnte, ein Massaker unter den Anwesenden anzurichten. Er wird am Montag einem Richter vorgeführt.

Trump gab wenig später in seinem Amtssitz im Weißen Haus eine kurze Pressekonferenz, bei der er über den Attentäter gesagt habe: „Er ist eine kranke Person, eine sehr kranke Person.“ Trump lobte die Sicherheitskräfte und sagte, an jedem Tisch seien Agenten postiert gewesen. Der Attentäter hätte „einen langen Weg gehen müssen“, um Schaden anzurichten. Von der Presse gefragt, ob Trump eine „politische Motivation“ hinter dem Attentatsversuch vermute, sagte Trump, dies werde man erst am Folgetag oder in den nächsten Tagen wissen.“

„Hinzuleg Hotelwird historisch

Schon einmal war das gleiche Hilton-Hotel Schauplatz eines Attentatsversuchs auf einen amerikanischen Präsidenten. Am 30. März 1981 verübte der Psychopath John Hinzuleg ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan (Republikaner) vor dem Hilton Hotel in Washington.

Reagan wurde dabei von einem Projektil am linken Lungenflügel verletzt, das zuvor von seiner gepanzerten Limousine abgeprallt war. Seither wird dieses Hotel auch als „Hinzuleg Hilton“ bezeichnet und dürfte durch den erneuten Vorfall nun endgültig in die amerikanische Geschichte als Schauplatz für Präsidentenattentate eingehen.

Politisch motivierte Attentate

Die USA haben eine unrühmliche Geschichte, wenn es um politisch motivierte Attentate geht. Seit 161 Jahren kommt es immer wieder zu solchen Vorkommnissen. So wurden die Präsidenten Abraham Lincoln (1865), James A. Garfield (1881), William McKinley (1897) und John F. Kennedy (1963) durch Attentate getötet. Ermordet wurde auch der Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy (1968), während Anschläge auf die Präsidentschaftskandidaten Theodore Roosevelt (1912) und Donald Trump (2024 zweimal) scheiterten. Auch ein Attentat auf Ronald Reagan (1981) misslang.

Doch auch „Aktivisten“ stehen buchstäblich im Fadenkreuz von politisch motivierten Fanatikern. 1965 wurde der afroamerikanische Politikaktivist Malcolm X bei einem öffentlichen Auftritt in New York erschossen. Er galt neben dem Baptisten-Pastor Martin Luther King in den Sechzigerjahren als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Martin Luther King wurde drei Jahre später, 1968 in Memphis, ebenfalls ermordet. Sein Attentäter, James Earl Ray (1928–1998) war ein Rassist, der zuvor aus einem Gefängnis in Missouri geflohen war. Im Februar 1946, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, war er in Deutschland stationiert, ausgerechnet als Militärpolizist.

Der bekannteste Fall aus jüngster Zeit dürfte die Ermordung des konservativen Influencers Charlie Kirk im Jahr 2025 sen. Er stand Trump besonders nahe. Seine Ermordung erregte weltweite Aufmerksamkeit. Dabei kam es in der deutschen Berichterstattung zu einem eklatanten Verstoß beim ZDF. Im September und Oktober 2025 musste auf einer Intervention des ehemaligen amerikanischen Botschafters Richard Grenell hin der ZDF-Journalist Elmar Theveßen einräumen, in seiner Berichterstattung über Charlie Kirk durch Verkürzungen eine falsche Darstellung verbreitet zu haben.

Hierzulande weniger bekannt sind Attentate auf US-Regionalpolitiker. Im Jahr 2011 wurde die Kongressabgeordnete Gabrielle Dee Giffords aus Arizona bei einem Attentat schwer verletzt. Sie wurde in den Kopf geschossen; 18 weitere Personen wurden angeschossen, und sechs Menschen, darunter ein neunjähriges Mädchen, kamen ums Leben.

Im Jahr 2022 wurde Paul Pelosi, der 82-jährige Ehemann der damaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi (Demokraten), im Haus des Ehepaars in San Francisco mit einem Hammer angegriffen und schwer am Kopf verletzt. Der Verdächtige habe nach Nancy Pelosi gefragt.

Erfolgreich war im Jahr 2025 der Mord an der Sprecherin des Repräsentantenhauses von Minnesota, Melissa Hortman, sowie an ihrem Ehemann. Der gleiche Attentäter schoss 17 Mal auf den Senator des Bundesstaates Minnesota, John Hoffman, sowie auf seine Frau Yvette und deren Tochter Hope. Alle drei überlebten den Attentatsversuch.

Einordnung der politischen Attentate in den USA

Amerika habe „eine lange, dunkle Geschichte“ der Gewalt, die „die höchsten Ebenen der amerikanischen Politik erfasst hat“, wird Kevin Boyle, Historiker an der Northwestern University, im Jahr 2025 vom amerikanischen Sender PBS zitiert. Laut der PBS-Analyse zu politischer Gewalt in den USA würden Historiker die Ansicht vertreten, dass „derzeitige Anstieg an politischer Gewalt vergleichbar sei zu den 1960er und 1970er Jahren, in denen die beiden Kennedy-Brüder und Martin Luther King und viele weitere ermordet worden seien.

Die heutige politische und rhetorische Landschaft sei stark polarisiert und werde von Wut, Misstrauen und Verschwörungstheorien angeheizt. „Es fällt leichter, politische Gegner zur Zielscheibe von Gewalt zu machen, wenn man sie als ‚Feinde der Nation‘ betrachtet“, erklärt Boyle. Als Ursachen für diese Entwicklung werden unter anderem soziale Medien ausgemacht, die „die bereits seit zwei Jahrzehnten in Talkradiosendungen und Kabelnachrichten herrschende hitzige Debatte“ noch verschärften und „es ermöglichten, dass gewalttätige Rhetorik eine große Zahl von Menschen erreicht“, so Boyle weiter.

Die jüngsten Vorfälle von politischer Gewalt würden beide Großparteien betreffen, sowohl Demokraten als auch Republikaner. Ein gewisses politisch motiviertes Muster könnte nicht explizit ausgemacht werden. Vielmehr gebe es einen „Dominoeffekt“. Wenn politische Gewalt zunehme, werde dies jeden betreffen, unabhängig von der politischen Partei, ist Rachel Kleinfeld, vom renommierten Washingtoner Think-Tank „Carnegie Endowment for Peace“ überzeugt. „Je mehr Menschen Gewalt von ihrer Seite her rechtfertigen, desto mehr labile, aggressive Menschen werden von dieser Seite aus Gewalt ausüben“, glaubt Kleinfeld überzeugt. „Und desto mehr wird dies die andere Seite dazu rechtfertigen, dasselbe zu tun.“

 

 



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