Das rechte Lager in Großbritannien gerät in Bewegung. Gegenüber dem angepassten Nigel Farage formiert sich ein Gegenprojekt, das sich „Remigration“ auf die Fahnen schreibt. Angesichts des Mehrheitswahlrechts besteht die Gefahr der Aufspaltung.
Von Eric Angerer
Rupert Lowe, Abgeordneter im Unterhaus und Leiter der unabhängigen Untersuchungskommission über die pakistanischen Vergewaltigungsbanden, hat am 14. Februar angekündigt, dass die bisherige Bewegung „Restore Britain“ nun zu einer Partei umgewandelt und bei Wahlen antreten werde.
Unterstützung kam von Tommy Robinson und Elon Musk. Und die vom „Reform UK“ abgespaltene Partei „Advance UK“ um Ben Habib, bisher auch von Robinson und Musk unterstützt, kündigte umgehend Interesse an einem Zusammenschluss an.
Was sind die Unterschiede zu Nigel Farages „Reform UK“? Was bedeutet diese Entwicklung für das rechte, islam- und migrationskritische Lager und für die Lage in Großbritannien?
Zugespitzte Lage in Großbritannien
David Betz, Professor für „Krieg in der modernen Welt“ im Fachbereich Kriegsstudien des King’s College London, sieht in Großbritannien „fast alle strukturellen Voraussetzungen für einen Bürgerkrieg erfüllt“. Die Faktoren seien: tiefe Spaltung, Abwertung der Mehrheitsbevölkerung, dramatischer Vertrauensverlust in Institutionen.
Charlie Downes, Politstratege und Sprecher von „Restore Britain“, führte aus, dass es bei einer Fortsetzung der bisherigen Politik immer mehr ethnische Spannungen und Unruhen geben werde. Bei den gewaltsamen Konflikten werde es sich aber um keinen Bürgerkrieg im klassischen Sinne handeln, denn ein solcher bedeute Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen eines Volkes. In Britannien würde es sich aber um Konflikte zwischen Einheimischen und feindlichen Zuwanderern handeln.
US-Milliardär Elon Musk, der im September die islamkritische Massendemonstration von Tommy Robinson unterstützte, schrieb auf X, dass in Großbritannien ein „Bürgerkrieg unvermeidlich“ sei, woraufhin die linksliberalen Eliten hyperventilierten.
Ein wesentlicher Faktor für die Wut der Bevölkerung war sicherlich, dass die Sexualverbrechen muslimischer Einwanderer, die es überall in Westeuropa gibt, in Großbritannien besonders monströs waren. Reform UK von Nigel Farage lag in diversen Umfragen bei über 30 Prozent und viele haben ihm aufgrund des Mehrheitswahlrechts bei den nächsten Wahlen die absolute Mehrheit der Sitze zugetraut.
Ergänzt wird die elektorale Ebene durch Massendemonstrationen gegen die Islamisierung, initiiert von Tommy Robinson. Während der Mainstream die Kundgebung im September 2025 auf 110.000 Menschen kleinzureden versuchte, zeigten unabhängige Aufnahmen und Einschätzungen, dass es wohl zwischen einer und zwei Millionen Menschen waren.
Reform UK
Nigel Farage hat sich als Vorkämpfer des britischen Austritts aus der EU einen Namen gemacht und 2019 die Brexit Party gegründet, die im Januar 2021 in „Reform UK“ umgewandelt wurde. Die Partei lehnte die Corona-Repressalien weitgehend ab und ist kritisch gegenüber der Klimareligion.
Reform UK ist auch migrationskritisch und wurde vor allem deshalb von vielen Menschen unterstützt. Allerdings konzentriert sich Farage auf die Verhinderung weiterer Zuwanderung. Er weicht dem Thema Islamisierung aus und verweigert sich auch der Forderung nach Remigration der problematischen islamischen Sozialmilieus.
Ein Problem an Reform UK ist auch die Fixierung auf Farage selbst, eine Art One-Man-Show mit dünner Personaldecke. Fähige Kader wie Rupert Lowe oder Ben Habib wurden von Farage und seiner rechten Hand Zia Yusuf aus der Partei hinausgebissen.
Die Gefahr besteht darin, dass Reform UK weder ein klares Programm noch einen stabilen Kader hat. Eine solche politische Partei kann leicht integriert oder eingekauft werden. Offenbar wird das auch bereits versucht: Über ein „Geheimtreffen“ von König Charles mit Farage wurde berichtet. Teile der Boulevard-Medien sind freundlich zu ihm. Außerdem sickerten seit zwei Jahren Opportunisten von der Konservativen Partei, die auch in Zukunft Mandate haben wollen und die zum Establishment gehören, in Reform UK ein.
Wenn die Eliten Farage tatsächlich an die Regierung lassen und er dafür die gegenwärtige Politik (mit kosmetischen Korrekturen für das Publikum auf den billigen Plätzen) fortsetzt, wird die Ernüchterung bald groß sein. Falls Farage mit Reform UK, von der Bevölkerung an die Regierung gewählt, tatsächlich einen politischen Kurswechsel bezüglich Migration/Islam und anderen Themen vorzunehmen versucht, könnte die Sabotage der bisherigen herrschenden Netzwerke und des tiefen Staates massiv sein.
Farages Truppe könnte auflaufen und daran zerschellen. Das ist Trump in der ersten Amtszeit passiert, als er inhaltlich und personell zu wenig vorbereitet war und noch zu wenig Klarheit darüber hatte, welcher Kampf bevorstand. Da Reform UK auch schwach aufgestellt ist, wäre es möglich, dass sich eine solche Regierung in Uneinheitlichkeit und Chaos auflöst.
Alternativen im rechten Lager
Bereits im Januar 2025 hatte Musk Kritik an Farage geübt, weil dieser nicht bereit sei, den Kampf von Robinson gegen die pakistanischen Vergewaltigungsbanden wirklich zu unterstützen. Farage wollte offenbar nicht an dem verfemten Robinson anstreifen, was seine opportunistische Anpassung an das Establishment bestätigte. Musk bezeichnete ihn als „schwach“ und forderte, dass Reform UK Robinson als Vorsitzenden haben solle (was Farage natürlich ablehnte).
Bis Februar 2026 haben die konsequenteren Kräfte des rechten Lagers in Großbritannien vor einer Spaltung zurückgescheut. Advance UK wurde zwar als Partei gegründet, konnte aber nicht wirklich Fahrt aufnehmen. Restore Britain wurde bisher explizit als Bewegung betrieben, die außerhalb der Partei Reform UK unterstützende politische Arbeit leiste. Und Robinson sah seine Demos und Aktivitäten als Druck von unten, damit Reform UK eine ordentliche Linie fahre.
Diese Zurückhaltung, eine eigene und konsequentere politische Alternative aufzubauen, ist nun gefallen. Und zwar aus vier Gründen:
- Erstens wurde Reform UK zuletzt von Opportunisten aus der Konservativen Partei geradezu geflutet. Das reduziert die Chance, dass von einer Farage-Regierung wirklich andere Politik gemacht wird, noch weiter.
- Zweitens hat sich Lowe mit der von ihm initiierten und von ihm geleiteten Untersuchungskommission gegen die pakistanischen Vergewaltigungsbanden extrem viel Respekt und Sympathie in der Bevölkerung erworben. Er hat das mit so viel Engagement und Herzblut getan, dass er vielen Menschen als viel ehrlicher und authentischer gilt als Farage.
- Drittens wurde Tommy Robinson mit der Massendemonstration im September nicht nur zu einem außerparlamentarischen Korrektiv für eine angepasste Reform UK, sondern zu einem echten politischen Faktor im Lande. Und für den 16. Mai plant er die nächste Mega-Demo unter dem Slogan „Unite the West“.
- Viertens haben Lowe und Robinson die politisch-mediale und womöglich auch finanzielle Unterstützung von Elon Musk, was eine sehr wertvolle Rückendeckung darstellt.
Diese Kombination dürfte die handelnden Personen dazu bewogen haben, den Moment zu nutzen und eine schärfere Opposition gegenüber der aktuellen Politik herauszubilden. Die ersten Ansagen von Lowe waren auch unmissverständlich: für Remigration, für „mass deportations“, gegen die Islamisierung.
Insgesamt ist diese Entwicklung natürlich ambivalent. Einerseits werden schärfere Positionen breitenwirksam und machen auch entsprechenden Druck auf Reform UK, auf die Konservativen etc. Andererseits kann angesichts des Mehrheitswahlrechts in Großbritannien eine Kandidatur von Restore Britain zu einer Aufspaltung der rechten, migrationskritischen Stimmen führen.
Das könnte in der Folge sogar einen neuerlichen Wahlsieg von Labour befördern. Allerdings könnte die neue Partei – anders als Farage – eine echte Alternative zur herrschenden Politik sein. Bereits nach drei Tagen hatte Restore Britain 60.000 Mitglieder. Und angesichts der Dynamik der letzten Monate ist auch nicht auszuschließen, dass Restore Britain die Partei von Farage überflügelt. Die Großdemo am 16. Mai in London könnte ein nächster Beitrag dazu sein.