Von Kai Rebmann

Ist der Geist einmal aus der Flasche, so lässt er sich kaum mehr einfangen. Diese Erfahrung musste jetzt auch ein Edeka-Kaufmann aus Friedberg bei Augsburg machen. Der Unternehmer verkauft zu Silvester schon seit einigen Jahren grundsätzlich kein Feuerwerk mehr. Sowohl der Chef der Edeka-Filiale in Bayern als auch die meisten der 35 Mitarbeiter seien der Ansicht, dass es sich bei Feuerwerk um ein „aus der Zeit gefallenes Brauchtum“ handele. Zudem gehörten solche Artikel lediglich zum Randsortiment eines Supermarkts und damit nicht zu dessen Kernkompetenz, wie es in einem Facebook-Post heißt.

Dieses Anbiedern an den Zensur-Zeitgeist blieb freilich nicht ohne Folgen. Immer öfter sah sich der Geschäftsmann eigenen Angaben zufolge mit der wiederkehrenden Frage konfrontiert, weshalb er dann – in den Augen der Kommentatoren – nicht konsequenterweise auch Produkte von Müller Milch und anderer „verdächtiger“ Konzerne aus den Regalen nehme. Schließlich gehe der Verkauf von Fleisch mit Tierleid einher, der Verkauf von Alkohol und Zigaretten steigere die Zahl der Drogentoten und Schokolade gehe oft zulasten von Kinderarbeit und so weiter und so fort.

Merke: Wer der linientreuen Social-Media-Meute einmal den kleinen Finger reicht, der sollte sich nicht wundern, wenn er anschließend gleich den ganzen Arm verliert. Der Edeka-Kaufmann versuchte sich daraufhin in Schadenbegrenzung, die zu einer Mischung aus Rechtfertigung und dem Vorhalten eines Spiegels einerseits, aber auch einem Gang nach Canossa andererseits geriet. „Wenn ich da anfange, brauche ich irgendwann eine Ethik-Kommission“, so der Friedberger. Schließlich lässt sich bei praktisch allen Marken etwas finden, woran man Anstoß nehmen kann, wenn man nur will und lange genug stöbert.

Weiter gibt der Kaufmann zu bedenken: Noch im vergangenen Jahrhundert habe sich die Produktpalette von Müller mehr oder weniger auf Buttermilch beschränkt. Deren Fehlen wäre damals kaum aufgefallen, wie es in dem Post heißt. Heute aber gehöre Müller mit einem Jahresumsatz von rund 5 Milliarden Euro und einem gigantischen Markenportfolio zu den größten Molkereikonzernen weltweit, erklärt der Unternehmer und fragt rhetorisch: „Kann ein Supermarkt auf einen so großen Hersteller verzichten?“ Der Anteil von Müller-Produkten mache im LEH nicht selten einen Anteil von 30 Prozent aus.