Der Jahresrückblick aus klima- und umweltpolitischer Sicht: 2025 war durchwachsen, aber nicht so schlimm, wie 2026 mutmaßlich werden wird
Wenn Trockenheit sichtbar wird: Der Bodensee bei Konstanz in diesem Frühjahr
Foto: Markus Keller/imagebroker/Imago Images
1. Zu trocken. Zu nass. Und heiß.
Deutschland erlebte auch 2025 wieder Wetterextreme: Nach Auswertung der Daten seiner gut 2.000 Wetterstationen bezeichnet der Deutsche Wetterdienst DWD die Trockenheit im Frühjahr als „historisch“, zumindest im Osten. Dass 2025 nicht neuerlich als „Dürrejahr“ wie 2018, 2019 und 2021 in die Geschichtsbücher eingehen wird, lag am Juli und September, die der Wetterdienst als „verbreitet zu nass“ einstuft: Das Wetterjahr endet mit voraussichtlich durchschnittlich 655 Litern Niederschlag je Quadratmeter, ein Minus von 17 Prozent im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990.
Trockenes Frühjahr, verregneter Sommer – so ließe sich das Wetter 2025 zusammenfassen. Verglichen zur Referenzperiode war das Jahr um 1,9 Grad zu warm. Damit zählen die abgelaufenen 12 Monate zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Allerdings lag die Temperatur deutlich unter dem, was die Meteorologen noch 2024 gemessen hatten: Da war Deutschland bereits um 2,7 Grad zu warm.
Bemerkenswert war die Hitzewelle Anfang Juli, bei der stellenweise mehr als 39 Grad gemessen wurden: das drittstärkste Hitzeereignis, das der Deutsche Wetterdienst hierzulande bislang registrierte; bis zum Jahr 2014 war die 35-Grad-Marke nie überschritten worden. In einer Attributionsstudie hatte der DWD den Einfluss des Klimawandels untersucht. Ergebnis: Solche Temperaturen gehören mittlerweile zur Normalität im deutschen Sommer, durch den Klimawandel haben sie eine Wiederkehrzeit von 3,9 Jahren.
2. Weniger Schäden durch Unwetter
2025 gab es rund drei Milliarden Euro weniger versicherte Sachschäden als 2024: Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ermittelte, kam eine Schadenssumme in Höhe von 2,6 Milliarden Euro zusammen. Anders als 2024 blieb Deutschland von größeren Unwetterlagen verschont, es gab beispielsweise keine flächendeckenden Überschwemmungen wie im Vorjahr – als etwa Mitte Mai starke Regenfälle das Saarland sowie Teile von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg verwüsteten. Anfang Juni 2024 traf es Bayern, im September letzten Jahres dann schon wieder Bayern. In diesem Jahr gab es nur lokale Überschwemmungen, beispielsweise Anfang Juni in Krefeld oder Mönchengladbach.
„Dass es in diesem Jahr weniger Schäden gab, ist Glückssache“, erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Versicherungsverbandes. Wegen des Klimawandels würden auch in Deutschland Extremwetter-Ereignisse zunehmen, ergo die Gefahr steigen, dass es mehr Sachschäden gibt. „Angesichts der zunehmenden Risiken ist es dringend notwendig, eine ganzheitliche Gefahrenabwehr auszubauen“, forderte Asmussen von der Politik. Dafür hatte der Verband ein Modell namens Elementar Re vorgestellt, mit dem zukünftig alle versicherbar und bezahlbar bleiben – beispielsweise auch die gut 400.000 Wohngebäude, die hierzulande in Hochrisiko-Gebieten liegen.
3. Mehr erneuerbare Energie
Binnen der letzten zwölf Monate wurden in Deutschland Solarkraftwerke mit einer Leistung von 15.000 Megawatt installiert. Das ist dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren. Besonders die Balkonkraftwerke boomen: Mittlerweile sind mehr als eine Million dieser Steckeranlagen in der Bundesrepublik am Netz. Und das ist erklärlich: Dank der vereinfachten Regeln ist der Aufbau leicht, die Amortisationszeit für ein typisches 800-Watt-System liegt in vielen Regionen bei fünf Jahren. Zudem kamen 900 Windräder neu hinzu, die über eine Leistung von 4.500 Megawatt verfügen.
Mittlerweile liefern die Erneuerbaren fast 56 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs, und das, obwohl das erste Quartal ein so windschwaches war, dass es als „historisch“ bezeichnet werden kann: Nie gab es in den ersten Monaten weniger Wind in Deutschland als in den ersten drei Monaten. Dennoch legten die Erneuerbaren um 0,7 Prozentpunkte gegenüber 2024 zu, die Erzeugung von Solarstrom stieg im Gesamtjahr 2025 um fast ein Fünftel. Allerdings liegt der Ausbau unter den eigentlichen Regierungszielen, bei der Windkraft sogar deutlich: Wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will, ist mehr Tempo notwendig.
4. Verkehr und Gebäude: Die Schwachstellen geben Hoffnung
Besonders auf den Straßen und beim Heizen hakte es mit dem Klimaschutz bislang. 2025 könnte sich aber als wegweisend zeigen: Bis Ende November wurden rund 490.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen, ein deutlich zweistelliges Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit haben derzeit etwa 5 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos einen voll- oder halbelektrischen Antrieb. Es gibt mittlerweile mehr als 190.000 öffentliche Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland – was die gesetzlichen Vorgaben um mehr als das Doppelte übertrifft. Zuletzt legten vor allem Ultra-Schnelllader am stärksten zu.
Im Gebäudebereich war die klimafreundliche Wärmepumpe 2025 die mit Abstand am meisten verbaute Heizungsart: Allein bis Oktober wurden 255.000 Systeme installiert, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings hat die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Wärmepumpen zu ändern: 2026 soll das „Heizungsgesetz“ so geändert werden, dass Fossilheizungen wieder attraktiver werden. „Technologieoffen“ nennt das die Regierung.
5. Das Gletscherjahr blieb ohne Wirkung
Weltweit gibt es derzeit noch etwa 275.000 Gletscher. Allerdings sorgen die steigenden Temperaturen überall dafür, dass ihre Fläche zurückgeht und damit auch die Wassermenge, die sie speichern. Die Vereinten Nationen hatten deshalb 2025 zum „Internationalen Jahr der Erhaltung der Gletscher“ ausgerufen, um die Bedeutung des Klimaschutzes ins Bewusstsein zu rücken. Hat aber nichts gebracht: Weder gab es bahnbrechende Erfolge auf der Klimakonferenz COP 30, noch sind die Emissionen gesunken – im Gegenteil: Die Konzentration der menschengemachten Treibhausgase in der Atmosphäre stieg rasant und liegt nun bei 423,9 ppm.
Für die Deutschen ist Klimaschutz übrigens nicht mehr so wichtig, wie die „Umweltbewusstseinsstudie“ des Umweltbundesamtes zeigt: Demnach halten nur noch 57 Prozent es für „sehr wichtig“, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Vor allem junge Menschen haben andere Sorgen: Nur noch 44 Prozent der 18- bis 29-Jährigen halten der Befragung zufolge Umwelt- und Klimaschutz für „sehr wichtig“, während es bei den über 50-Jährigen immerhin noch 63 Prozent sind. Wichtiger sind für die Deutschen sind der Erhebung zu Folge Gesundheit (81 Prozent), Bildung (77 Prozent) und die öffentliche Sicherheit (71 Prozent).
6. Die Regierung setzt die Axt an der Energiewende an
Vermutlich deshalb kommt Kanzler Merz und seine Regierung damit durch, überall den Klimaschutz auszubremsen: Beispielsweise hat sie mit der Gasspeicherumlage eine neue fossile Subvention eingeführt. Kostenpunkt: 3,4 Milliarden Euro jährlich. Finanziert wird das ironischerweise aus dem „Klima- und Transformationsfonds“ KTF, der doch eigentlich dazu eingerichtet wurde, um fossile Energien zu ersetzen. Für das Deutschlandticket fehlt dagegen das Geld, weshalb es zum Jahresanfang um fünf Euro teurer wird und dann 63 Euro kostet. Zur Erinnerung: Zur Einführung zahlten wir 9 Euro im Jahr, was tatsächlich Verkehr von der Straße auf die Schiene umleitete – praktischer Klimaschutz. Nach Branchenerhebung nutzen aktuell etwa 14 Millionen Menschen das Abo, das bundesweit Fahrten im Regional- und Nahverkehr ermöglicht.
Auch neue fossile Gaskraftwerke will diese Regierung bauen, Anfang 2026 geht es mit den Ausschreibungen dafür los. Die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lobbyiert gegen die Erneuerbaren, was nicht verwundern darf, vor neun Monaten war sie noch Managerin eines Fossilkonzerns. Im Bausektor ist im kommenden Jahr ein Abwürgen des Wärmepumpen-Booms zu befürchten, die Regierung will das Heizungsgesetz „technologieoffener“ machen – also fossile Heizsysteme wieder stärker ins Zentrum rücken. Bei der EU erreichte die Union, dass der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor 2035 aufgehoben wird – auch dort hieß das Argument „technologieoffen“.
7. Beim Naturschutz droht ein Anschlag
Ein Stopp bei der Förderung für Bauern, die mehr Tierwohl in ihren Ställen umsetzen wollten, neue Subvention für Agrardiesel und „Bürokratieabbau“ – der neue Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat eine beachtliche Rolle rückwärts beim Umbau hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft hingelegt. Beispielsweise kippte er eine Verordnung, die dazu diente, die Nitratbelastung im Grundwasser zu kontrollieren, und legte das als „Bürokratieabbau“ aus. In Brüssel torpedierte er die Umsetzung eines der wichtigsten EU-Gesetze zum Naturschutz in Deutschland: die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Die Renaturierungsverordnung – im Sommer 2024 in Kraft getreten – verpflichtet die EU-Staaten, bis 2030 mindestens 20 Prozent ihrer Land- und Meeresfläche zu renaturieren, was Rainer zu verhindern sucht.
Vor allem aber das sogenannte „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“ gleicht einem Anschlag der Regierung auf die Natur: Von der Bundesregierung im Dezember beschlossen, soll der Naturschutz bei neuen Autobahnen, beim vierspurigen Ausbau von Bundesstraßen, beim Neubau von Brücken und Lkw-Parkplätzen eingeschränkt werden. Gelten soll das ab 2026, Vorschriften für den Klima- und Umweltschutz sollen bei großen Infrastrukturvorhaben außer Kraft gesetzt werden. So soll beispielsweise die Pflicht zum Flächenausgleich bei Projekten entfallen, die im „überragenden öffentlichen Interesse“ sind.
8. Atommüll, Autofahren und die Vogelgrippe
Fortschritte gab es in diesem Jahr bei der Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat einen neuen Arbeitsbericht vorgelegt, nachdem jetzt noch rund ein Viertel des bundesdeutschen Grundes prinzipiell geeignet ist, die Strahlenlast aus gut 60 Jahren Atomkraftnutzung für eine Million Jahre aufzunehmen – denn so lange strahlt das Zeug tödlich. Vor der Arbeit waren noch mehr als 50 Prozent geeignet. Im aktuellen Haushalt des Bundesumweltministeriums sind 52 Prozent aller Gelder für den Atommüll vorgesehen – der größte Einzelposten von Umweltminister Carsten Schneider (SPD).
Und dann war da noch die Vogelgrippe, ein durch den Klimawandel begünstigtes Zugunglück, ein Gerichtsurteil zum „Grundrecht aufs Autofahren“, ein verheerender Waldzustandsbericht, der Einbruch beim grünen Wasserstoff, die „Climateflation“ und ein Erdüberlastungstag, der so früh wie nie registriert wurde.
bis 1990.Trockenes Frühjahr, verregneter Sommer – so ließe sich das Wetter 2025 zusammenfassen. Verglichen zur Referenzperiode war das Jahr um 1,9 Grad zu warm. Damit zählen die abgelaufenen 12 Monate zu den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Allerdings lag die Temperatur deutlich unter dem, was die Meteorologen noch 2024 gemessen hatten: Da war Deutschland bereits um 2,7 Grad zu warm.Bemerkenswert war die Hitzewelle Anfang Juli, bei der stellenweise mehr als 39 Grad gemessen wurden: das drittstärkste Hitzeereignis, das der Deutsche Wetterdienst hierzulande bislang registrierte; bis zum Jahr 2014 war die 35-Grad-Marke nie überschritten worden. In einer Attributionsstudie hatte der DWD den Einfluss des Klimawandels untersucht. Ergebnis: Solche Temperaturen gehören mittlerweile zur Normalität im deutschen Sommer, durch den Klimawandel haben sie eine Wiederkehrzeit von 3,9 Jahren.2. Weniger Schäden durch Unwetter2025 gab es rund drei Milliarden Euro weniger versicherte Sachschäden als 2024: Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ermittelte, kam eine Schadenssumme in Höhe von 2,6 Milliarden Euro zusammen. Anders als 2024 blieb Deutschland von größeren Unwetterlagen verschont, es gab beispielsweise keine flächendeckenden Überschwemmungen wie im Vorjahr – als etwa Mitte Mai starke Regenfälle das Saarland sowie Teile von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg verwüsteten. Anfang Juni 2024 traf es Bayern, im September letzten Jahres dann schon wieder Bayern. In diesem Jahr gab es nur lokale Überschwemmungen, beispielsweise Anfang Juni in Krefeld oder Mönchengladbach.„Dass es in diesem Jahr weniger Schäden gab, ist Glückssache“, erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Versicherungsverbandes. Wegen des Klimawandels würden auch in Deutschland Extremwetter-Ereignisse zunehmen, ergo die Gefahr steigen, dass es mehr Sachschäden gibt. „Angesichts der zunehmenden Risiken ist es dringend notwendig, eine ganzheitliche Gefahrenabwehr auszubauen“, forderte Asmussen von der Politik. Dafür hatte der Verband ein Modell namens Elementar Re vorgestellt, mit dem zukünftig alle versicherbar und bezahlbar bleiben – beispielsweise auch die gut 400.000 Wohngebäude, die hierzulande in Hochrisiko-Gebieten liegen.3. Mehr erneuerbare EnergieBinnen der letzten zwölf Monate wurden in Deutschland Solarkraftwerke mit einer Leistung von 15.000 Megawatt installiert. Das ist dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren. Besonders die Balkonkraftwerke boomen: Mittlerweile sind mehr als eine Million dieser Steckeranlagen in der Bundesrepublik am Netz. Und das ist erklärlich: Dank der vereinfachten Regeln ist der Aufbau leicht, die Amortisationszeit für ein typisches 800-Watt-System liegt in vielen Regionen bei fünf Jahren. Zudem kamen 900 Windräder neu hinzu, die über eine Leistung von 4.500 Megawatt verfügen.Mittlerweile liefern die Erneuerbaren fast 56 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs, und das, obwohl das erste Quartal ein so windschwaches war, dass es als „historisch“ bezeichnet werden kann: Nie gab es in den ersten Monaten weniger Wind in Deutschland als in den ersten drei Monaten. Dennoch legten die Erneuerbaren um 0,7 Prozentpunkte gegenüber 2024 zu, die Erzeugung von Solarstrom stieg im Gesamtjahr 2025 um fast ein Fünftel. Allerdings liegt der Ausbau unter den eigentlichen Regierungszielen, bei der Windkraft sogar deutlich: Wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will, ist mehr Tempo notwendig. 4. Verkehr und Gebäude: Die Schwachstellen geben HoffnungBesonders auf den Straßen und beim Heizen hakte es mit dem Klimaschutz bislang. 2025 könnte sich aber als wegweisend zeigen: Bis Ende November wurden rund 490.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen, ein deutlich zweistelliges Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit haben derzeit etwa 5 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos einen voll- oder halbelektrischen Antrieb. Es gibt mittlerweile mehr als 190.000 öffentliche Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland – was die gesetzlichen Vorgaben um mehr als das Doppelte übertrifft. Zuletzt legten vor allem Ultra-Schnelllader am stärksten zu.Im Gebäudebereich war die klimafreundliche Wärmepumpe 2025 die mit Abstand am meisten verbaute Heizungsart: Allein bis Oktober wurden 255.000 Systeme installiert, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings hat die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Wärmepumpen zu ändern: 2026 soll das „Heizungsgesetz“ so geändert werden, dass Fossilheizungen wieder attraktiver werden. „Technologieoffen“ nennt das die Regierung.5. Das Gletscherjahr blieb ohne WirkungWeltweit gibt es derzeit noch etwa 275.000 Gletscher. Allerdings sorgen die steigenden Temperaturen überall dafür, dass ihre Fläche zurückgeht und damit auch die Wassermenge, die sie speichern. Die Vereinten Nationen hatten deshalb 2025 zum „Internationalen Jahr der Erhaltung der Gletscher“ ausgerufen, um die Bedeutung des Klimaschutzes ins Bewusstsein zu rücken. Hat aber nichts gebracht: Weder gab es bahnbrechende Erfolge auf der Klimakonferenz COP 30, noch sind die Emissionen gesunken – im Gegenteil: Die Konzentration der menschengemachten Treibhausgase in der Atmosphäre stieg rasant und liegt nun bei 423,9 ppm. Für die Deutschen ist Klimaschutz übrigens nicht mehr so wichtig, wie die „Umweltbewusstseinsstudie“ des Umweltbundesamtes zeigt: Demnach halten nur noch 57 Prozent es für „sehr wichtig“, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Vor allem junge Menschen haben andere Sorgen: Nur noch 44 Prozent der 18- bis 29-Jährigen halten der Befragung zufolge Umwelt- und Klimaschutz für „sehr wichtig“, während es bei den über 50-Jährigen immerhin noch 63 Prozent sind. Wichtiger sind für die Deutschen sind der Erhebung zu Folge Gesundheit (81 Prozent), Bildung (77 Prozent) und die öffentliche Sicherheit (71 Prozent). 6. Die Regierung setzt die Axt an der Energiewende anVermutlich deshalb kommt Kanzler Merz und seine Regierung damit durch, überall den Klimaschutz auszubremsen: Beispielsweise hat sie mit der Gasspeicherumlage eine neue fossile Subvention eingeführt. Kostenpunkt: 3,4 Milliarden Euro jährlich. Finanziert wird das ironischerweise aus dem „Klima- und Transformationsfonds“ KTF, der doch eigentlich dazu eingerichtet wurde, um fossile Energien zu ersetzen. Für das Deutschlandticket fehlt dagegen das Geld, weshalb es zum Jahresanfang um fünf Euro teurer wird und dann 63 Euro kostet. Zur Erinnerung: Zur Einführung zahlten wir 9 Euro im Jahr, was tatsächlich Verkehr von der Straße auf die Schiene umleitete – praktischer Klimaschutz. Nach Branchenerhebung nutzen aktuell etwa 14 Millionen Menschen das Abo, das bundesweit Fahrten im Regional- und Nahverkehr ermöglicht.Auch neue fossile Gaskraftwerke will diese Regierung bauen, Anfang 2026 geht es mit den Ausschreibungen dafür los. Die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lobbyiert gegen die Erneuerbaren, was nicht verwundern darf, vor neun Monaten war sie noch Managerin eines Fossilkonzerns. Im Bausektor ist im kommenden Jahr ein Abwürgen des Wärmepumpen-Booms zu befürchten, die Regierung will das Heizungsgesetz „technologieoffener“ machen – also fossile Heizsysteme wieder stärker ins Zentrum rücken. Bei der EU erreichte die Union, dass der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor 2035 aufgehoben wird – auch dort hieß das Argument „technologieoffen“.7. Beim Naturschutz droht ein AnschlagEin Stopp bei der Förderung für Bauern, die mehr Tierwohl in ihren Ställen umsetzen wollten, neue Subvention für Agrardiesel und „Bürokratieabbau“ – der neue Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat eine beachtliche Rolle rückwärts beim Umbau hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft hingelegt. Beispielsweise kippte er eine Verordnung, die dazu diente, die Nitratbelastung im Grundwasser zu kontrollieren, und legte das als „Bürokratieabbau“ aus. In Brüssel torpedierte er die Umsetzung eines der wichtigsten EU-Gesetze zum Naturschutz in Deutschland: die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Die Renaturierungsverordnung – im Sommer 2024 in Kraft getreten – verpflichtet die EU-Staaten, bis 2030 mindestens 20 Prozent ihrer Land- und Meeresfläche zu renaturieren, was Rainer zu verhindern sucht.Vor allem aber das sogenannte „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“ gleicht einem Anschlag der Regierung auf die Natur: Von der Bundesregierung im Dezember beschlossen, soll der Naturschutz bei neuen Autobahnen, beim vierspurigen Ausbau von Bundesstraßen, beim Neubau von Brücken und Lkw-Parkplätzen eingeschränkt werden. Gelten soll das ab 2026, Vorschriften für den Klima- und Umweltschutz sollen bei großen Infrastrukturvorhaben außer Kraft gesetzt werden. So soll beispielsweise die Pflicht zum Flächenausgleich bei Projekten entfallen, die im „überragenden öffentlichen Interesse“ sind. 8. Atommüll, Autofahren und die VogelgrippeFortschritte gab es in diesem Jahr bei der Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat einen neuen Arbeitsbericht vorgelegt, nachdem jetzt noch rund ein Viertel des bundesdeutschen Grundes prinzipiell geeignet ist, die Strahlenlast aus gut 60 Jahren Atomkraftnutzung für eine Million Jahre aufzunehmen – denn so lange strahlt das Zeug tödlich. Vor der Arbeit waren noch mehr als 50 Prozent geeignet. Im aktuellen Haushalt des Bundesumweltministeriums sind 52 Prozent aller Gelder für den Atommüll vorgesehen – der größte Einzelposten von Umweltminister Carsten Schneider (SPD).Und dann war da noch die Vogelgrippe, ein durch den Klimawandel begünstigtes Zugunglück, ein Gerichtsurteil zum „Grundrecht aufs Autofahren“, ein verheerender Waldzustandsbericht, der Einbruch beim grünen Wasserstoff, die „Climateflation“ und ein Erdüberlastungstag, der so früh wie nie registriert wurde.