Die deutsche Energiewende wird von grünen Politikern gern als Erfolgsgeschichte erzählt. Sie gilt in dieser Erzählung als Exportschlager, als Blaupause für andere Staaten, als Beweis dafür, dass ambitionierte Klimapolitik und sinkende Kosten Hand in Hand gehen können. Genau dieses Bild hat die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge jüngst erneut gezeichnet. Doch ein Blick auf die Realität der Stromversorgung in Deutschland genügt, um diese Darstellung erheblich zu relativieren.

Grüne feiern sich für die Energiewende

Deutschland steht bei den Strompreisen für private Haushalte seit Jahren an der Spitze in Europa. Das ist kein Randphänomen und kein vorübergehender Effekt einzelner Krisenjahre, sondern das Ergebnis einer langfristigen Strukturentscheidung. Der massive Ausbau erneuerbarer Energien wurde politisch gewollt, aber nicht kostenneutral umgesetzt. Die Behauptung, dieser Ausbau senke die Preise, kollidiert mit der Alltagserfahrung von Millionen Haushalten, die Monat für Monat steigende Belastungen schultern müssen.

Besonders auffällig ist dabei die Art, wie Kosten verschoben werden. Ein Teil der finanziellen Last verschwindet von der Stromrechnung, taucht aber an anderer Stelle wieder auf. Zuschüsse, Ausgleichszahlungen, Netzstabilisierungsmaßnahmen und staatliche Förderprogramme belasten öffentliche Haushalte. Am Ende zahlt nicht der Stromkunde weniger, sondern der Steuerzahler mehr. Die Rechnung bleibt dieselbe, nur der Zahlungsweg ändert sich.

Auch der oft zitierte internationale Vorbildcharakter der deutschen Energiewende hält einer nüchternen Betrachtung kaum stand. Andere Länder übernehmen einzelne Werkzeuge, etwa zeitlich begrenzte Fördermodelle für erneuerbare Energien. Was sie nicht übernehmen, ist das Gesamtkonstrukt aus Subventionen, Marktregulierung und dem vollständigen Verzicht auf Kernenergie. Der deutsche Sonderweg bleibt genau das: ein Sonderweg.

Während grüne Stimmen von weltweiter Nachahmung sprechen, orientieren sich viele Staaten weiterhin an einem breiten Energiemix. Versorgungssicherheit, Preisstabilität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit stehen dort im Vordergrund. Deutschland hingegen ringt mit hohen Kosten, wachsender Abhängigkeit von Importen und einem Stromsystem, das immer stärker auf staatliche Eingriffe angewiesen ist.

Zwischen politischer Selbstvergewisserung und messbarer Realität klafft damit eine erhebliche Lücke. Die Energiewende existiert längst in zwei Versionen: als positives Narrativ in politischen Interviews und als kostspielige Erfahrung im Alltag der Bürger.





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