Mit Siegfried Steger ist der letzte Vertreter der Generation von Südtirol-Aktivisten der 1960er Jahren verstorben. Sie hatten mit spektakulären Anschlägen auf Infrastruktur auf die Unterdrückung der deutschen Minderheit im südlichen Teil Tirols aufmerksam gemacht.

Die „Feuernacht“ von 1961

In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 kam es zur sogenannten „Feuernacht“. Mehr als 40 Strommasten wurden gesprengt.

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Ziel der Aktion war es, internationale Aufmerksamkeit auf die Situation der deutschen und ladinischen Südtiroler zu lenken, die seit der Eroberung durch Italien nach dem Ersten Weltkrieg durch Rom politisch und kulturell benachteiligt wurden.

Südtiroler Freiheitskampf

Ab Mitte der 1950er-Jahre hatte der Südtiroler Freiheitskampf an Fahrt aufgenommen. Ab 1956 sammelten sich um Sepp Kerschbaumer Südtiroler verschiedener Altersgruppen, um gegen die als aussichtslos empfundene Lage der deutschen Bevölkerung zu demonstrieren.

Ihnen wurden die zugesagten Minderheitenrechte verwehrt, bewusst tausende Italiener im Land angesiedelt und bevorzugt, das Land auch architektonisch verändert. Daraus entwickelte sich der Befreiungsausschuss Südtirol (BAS).

Italien reagierte brutal

Die BAS-Gruppen standen nur lose miteinander in Kontakt und vereinten unterschiedliche politische Strömungen. Was sie einte, war die Bereitschaft zu einem „Opfer für die Freiheit“ – aber niemals gegen Menschenleben.

Die italienischen Behörden reagierten brutal und mit harten Maßnahmen. Es kam zu massiven Repressionen, Folterungen der inhaftierten Aktivisten und zur Ermordung des BAS-Mitglieds Luis Amplatz. Auch vor Täuschungen schreckt Rom nicht zurück.

Freispruch in Österreich

So wurde die Tötungen von Carabinieri und Angehörigen der Guardia di Finanza den „Pusterern“ zugeschrieben, die nach Österreich flüchteten. Während Siegfried Steger, Sepp Forer, Heinrich Oberlechner und Heinrich Oberleiter in Österreich vor Gericht standen und freigesprochen wurden, verhängte Italien in Abwesenheit lebenslange Haftstrafen. Eine Rückkehr in ihre Heimat blieb ihnen jahrzehntelang verwehrt.

Italien forderte mehrfach die Auslieferung der vier Aktivisten. Die in Abwesenheit verhängten Urteile sind bis heute gültig, trotz späterer politischer Vereinbarungen zwischen Österreich und Italien im Zuge der Streitbeilegung.

Exil und späte Würdigungen

Der Südtiroler Schützenbund würdigte Steger nun in einem emotionalen Nachruf. „Der letzte der ‚Puschtra Buibm‘ ist heimgegangen“, heißt es. Mit ihm schließe sich ein Kapitel Südtiroler Zeitgeschichte.

Steger habe, so der Schützenbund, einen Preis gezahlt, „den kaum jemand ermessen kann: lebenslanges Exil“. Besonders schmerzlich sei gewesen, dass ihm selbst die Teilnahme an den Begräbnissen seiner Eltern verwehrt geblieben war.



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