Von Alexander Timochin
Man muss sich etwas von vornherein klarmachen: Die US-Amerikaner haben nicht genug Kräfte für eine groß angelegte Invasion in Iran. Im Jahr 2003 drangen in der ersten Welle drei US-amerikanische Divisionen (3. Infanteriedivision, 101. Luftlandedivision und 1. Marine-Expeditionsdivision), eine US-amerikanische Brigade (1. Marinebrigade) und drei britische Brigaden, die vom Divisionsstab geführt wurden, in den zerstörten Irak ein. Fast unmittelbar im Anschluss an diese Truppen zogen Teile der 82. Luftlandedivision und der 173. Luftlandebrigade, die im Nordirak abgesetzt worden waren, in den Kampf.
Im Falle Irans würde eine groß angelegte Invasion des Landes um ein Vielfaches größere Kraftanstrengungen erfordern, sollte eine solche geplant sein. Diese Kräfte stehen den USA in der Region nicht zur Verfügung, und sie werden auch nicht dorthin verlegt.
Derzeit bestehen die US-Streitkräfte in der Region aus einem Expeditionskorps der Marineinfanterie, Spezialeinheiten und einem Teil des 75. Ranger-Infanterieregiments (leichte Sturmtruppen mit Fallschirmausbildung), der Luftwaffe der Special Operations Forces sowie einer nicht genau bekannten Anzahl von Truppen aus der 82. Luftlandedivision – vermutlich etwa eine ihrer Kampfbrigadegruppen. Eine weitere Expeditionstruppe ist auf dem Weg in den Nahen Osten.
Insgesamt entspricht dies in etwa einer Division leichter mechanisierter Infanterie mit einer moderaten Anzahl schwerer Waffen. Diese hypothetische Division ist über das gesamte Kriegsgebiet verstreut und gehört zudem verschiedenen Teilstreitkräften an (Marines – Marine, Fallschirmjäger und Rangers – Heer, Spezialeinheiten – eigenständiges Kommando und so weiter).

Die einzige ausländische Streitmacht, die den US-Amerikanern helfen kann, sind die Truppen der Vereinigten Arabischen Emirate. Ihre Regierung hat einen ungelösten Territorialstreit mit Iran und hegt einen großen Groll gegen das Land – durch ihre Vergeltungsschläge haben die Iraner den Emiraten die Zukunft genommen, wie sie jahrzehntelang von den Herrschern dieses Konglomerats aus Kleinstaaten gestaltet worden war.
Weder Dubai noch Abu Dhabi werden jemals wieder solche Leuchttürme für Touristen und Unternehmen sein wie früher. Das wird man Iran nicht verzeihen.
Die israelische Armee ist im Südlibanon im Einsatz. Israel hat diesen Krieg ja nicht angezettelt, damit israelische Soldaten für die Interessen der USA sterben – der Plan war genau umgekehrt: Die US-Amerikaner sollten die ganze Hauptarbeit leisten. Und das tun sie auch.
Die US-amerikanischen Streitkräfte haben gegenüber den iranischen nur zwei Vorteile. Der erste ist die Luftunterstützung. Hier sind sie in der Lage, enorme Feuerkraft zu entfalten. So wird beispielsweise die direkte Unterstützung von Bodentruppen durch Bomber praktiziert – wo ein anderes Land seinen Soldaten am Boden ein paar Kampfflugzeuge oder Jagdflugzeuge mit einer Tonne Bomben zur Hilfe schickt, können die USA 40 oder sogar 50 Tonnen Bomben abwerfen, und zwar mit einem einzigen Angriff und punktgenau auf das Ziel.
Während der Kämpfe in Laos in den 70er-Jahren hatten die US-Luftstreitkräfte mit einem einzigen Schlag ganze Bataillone der vietnamesischen Infanterie mit genau diesen Methoden ausgelöscht. Seitdem haben sich ihre Fähigkeiten um ein Vielfaches erhöht.
Der zweite Vorteil ist die individuelle Ausbildung. Nach den Erfahrungen aus den Kämpfen im Irak in den 2000er-Jahren gewinnen die USA in direkten Gefechten mit einem Verlustverhältnis von etwa 100:1 – der Gegner verliert bis zu hundert Kämpfer pro einen US-amerikanischen Soldaten (obwohl das mit der regulären iranischen Armee nicht so funktionieren wird).
Doch trotz dieser Vorteile reichen die Kräfte der US-Amerikaner einfach nicht aus. In einem großen Krieg würden die Iraner, unter Berücksichtigung der Verluste durch Luftangriffe, Tausende von Menschen pro US-Soldat verlieren. Die Sache ist jedoch die, dass sie diese Tausende von Menschen haben. Und sie können es sich leisten, sie zu verlieren. Die USA hingegen können das nicht – sie haben keine Reservisten einberufen und keine Kriegsbereitschaft in den einzelnen US-Bundesstaaten ausgerufen. Sie sind derzeit nicht in der Lage, ihre Verluste, selbst kleine, auszugleichen.
All dies schränkt die Einsatzmöglichkeiten der Landstreitkräfte der USA buchstäblich auf vier Richtungen ein. Die erste Richtung sind gemeinsame Operationen mit den Kurden im Nordwesten Irans, in den Bergen. Dort sind vermutlich bereits US-amerikanische Spezialeinheiten im Einsatz. Die USA haben die Möglichkeit, Iran in diesen Gebieten ernsthaft unter Druck zu setzen, allerdings werden sie dort keinen entscheidenden Erfolg erzielen.
Die zweite Option sind ähnliche Aktionen in der Provinz Sistan und in Belutschistan, gemeinsam mit belutschischen Separatisten. Dies ist aus politischer Sicht der fragwürdigste Ansatz, da es keinerlei Garantien für die Unterstützung durch einheimische Kräfte gibt. Diese Option ist zwar denkbar, aber unwahrscheinlich.
Die dritte Option sind Angriffe auf Atomanlagen. Es ist schwer vorherzusagen, wie das enden könnte – Iran ist groß, solche Angriffe lassen sich nicht mit Hubschraubern durchführen. Theoretisch könnten die CH-47-Hubschrauber, die die US-Armee einsetzt, sowohl vom Irak als auch von Kuwait aus bis nach Fordos fliegen, aber es wäre gefährlich, sich so lange im feindlichen Luftraum aufzuhalten, noch dazu in geringer Höhe. Das Risiko wäre extrem hoch.

Die US-Amerikaner könnten versuchen, mit Flugzeugen dorthin zu fliegen und Truppen dort abzusetzen, wo sie gebraucht werden, aber erstens ist das Risiko, während des Fluges zum Ziel einer Rakete zu werden, ebenfalls sehr hoch. Ein Transportflugzeug ist kein Kampfflugzeug, das eigene Selbstverteidigungssysteme und flugtechnische Eigenschaften besitzt. Und zweitens stellt sich die Frage nach der möglichen Evakuierung der Fallschirmjäger. Die Flugzeuge müssen irgendwo landen, und zwar so, dass sie beim Start nicht abgeschossen werden. Hubschrauber könnten die Fallschirmjäger zwar von überall her herausholen, aber dann müssten sie mehr als eine Stunde lang durch den iranischen Luftraum fliegen, über Berge hinweg, in geringer Höhe und ohne Überraschungseffekt – ein äußerst zweifelhaftes Unterfangen, das mit Verlusten behaftet ist. Außerdem sind dafür nicht so viele Truppen erforderlich. Allerdings kann man solche Angriffe nicht vollständig ausschließen.
Die vierte Richtung für US-Aktionen gegen Iran wären Operationen auf den Inseln sowie an der iranischen Küste im Persischen Golf. Dies ist das wahrscheinlichste Szenario, obwohl ein Teil der US-Streitkräfte auch die erste Option ausführen könnte.
Die bedeutendsten iranischen Inseln im Persischen Golf sind die Insel Charg, über die iranisches Öl verschifft wird, die Insel Qeschm – eine große (135 Kilometer lange) bewohnte Insel, zwei Inseln fast direkt in der Straße von Hormus – Ormuh und Larak – sowie drei Inseln in der Mitte des Persischen Golfs, die die Vereinigten Arabischen Emirate als ihr Eigentum betrachten – Groß- und Klein-Tomb sowie Abu Musa.
Eine naheliegende Option: Die Vereinigten Arabischen Emirate erobern mit US-amerikanischer Unterstützung ihre drei „eigenen Inseln“, während die USA die anderen Inseln angreifen. Dabei schließt die Stärke der US-Streitkräfte eine gleichzeitige Eroberung von Qeschm und den anderen Inseln aus – die US-Amerikaner könnten Qeschm selbst in ein Schlachtfeld verwandeln und Teile davon lange Zeit halten, aber für mehr reichen ihre Kräfte nicht aus.
Wenn sie Qeschm unberührt ließen, könnten sie alle übrigen iranischen Inseln im Persischen Golf einnehmen. Da man dort jedoch auf sie warten würde (der Überraschungseffekt wäre dahin), kämen sie bei der Erstürmung nicht ohne Verluste davon.
Und alles Weitere ist einfach: Nachdem sie bei der Eroberung der Inseln durch einen schweren Fleischwolf gehen würden, müssten die US-amerikanischen Infanteristen, die die Inseln einnehmen würden, diese auch halten, sonst würden die Iraner einfach dorthin zurückkehren. Die Verteidigung dieser Inseln würde dazu führen, dass sie dort einfach unter den Angriffen von Drohnen und Raketen festsitzen würden – ohne Aussicht auf ein Ende. Wenn es den USA gelänge, dort eine Garnison der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate zu stationieren, wären es die Araber, die unter dem ständigen Beschuss festsitzen würden.
Das einzige Ergebnis solcher Maßnahmen wäre, dass Iran sein Erdöl nicht mehr exportieren könnte. Theoretisch könnten die US-Amerikaner dies später als Druckmittel nutzen, um Iran zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Aber was, wenn Teheran sich nicht darauf einlässt? Auch die USA haben darauf keine Antwort.
Was die Insel Qeschm betrifft, so könnten die USA mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften versuchen, sie einzunehmen, wobei die Erfolgsaussichten hoch wären. Aber dann müssten sie mit der Eroberung der übrigen Inseln noch warten. Die Kämpfe um Qeschm würden wohl kaum heftig ausfallen, da die US-Amerikaner auf der Insel Handlungsspielraum hätten. Diese Kämpfe würden aber lange andauern, und Verluste unter der lokalen Bevölkerung würden Trump erneut politische Schwierigkeiten bereiten. Außerdem würden die Besatzer dann unter Beschuss stehen.

Selbst wenn die USA eine der Inseln erobern sollten, hätten sie keine Chance, siegreich aus dem Krieg hervorzugehen. Jeder Schritt in Richtung Eskalation wird Donald Trump vor die Wahl zwischen einer weiteren Eskalationsstufe oder dem Rückzug stellen. Was die Vereinigten Arabischen Emirate betrifft, so wäre eine Beteiligung an diesem Krieg ein furchtbarer Fehler – die USA werden sich früher oder später zurückziehen, während die Iraner für immer in dieser Region bleiben werden.
Es gibt nur eine Möglichkeit, wie die USA ihr Gesicht wahren können – nämlich wenn Marineinfanteristen und Fallschirmjäger für Überfälle auf iranisches Gebiet eingesetzt würden.
Die US-Amerikaner lieben Überfälle und führen sie gut durch. Sie können ihre Angriffe sowohl auf die Inseln als auch auf die iranische Küste richten, zum Beispiel um Abschussrampen für Anti-Schiffs-Raketen aufzuspüren. Doch selbst das wird den USA nicht die Möglichkeit geben, den Krieg zu gewinnen. Die US-Amerikaner werden jeden solchen Angriff zwar als ihren Sieg verkünden können, doch kein einziger solcher Sieg wird die Lage grundlegend zugunsten der USA verändern.
Insgesamt haben die USA trotz der scheinbaren Vielfalt an Optionen und trotz der qualitativen Überlegenheit ihrer Truppen nach wie vor keine guten Optionen. Entweder müssen sie sich aus der Region zurückziehen und ihre Niederlage eingestehen, oder sie verstricken sich immer tiefer in die iranische Falle. Mit unvermeidlichen, im Falle einer Bodenoperation, steigenden Verlusten.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 31. März 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Alexander Timochin ist ein Militäranalyst bei der Zeitung Wsgljad.
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