Ein Gastbeitrag von Juliane Ried

Eine aktuelle Studie der Stiftung Marktwirtschaft zeigt eine alarmierende Verschlechterung der deutschen Staatsfinanzen und verdeutlicht den wachsenden Handlungsdruck. Die Ergebnisse machen deutlich: Deutschland steuert auf einen kritischen Wendepunkt zu.

Betrachtet man lediglich die explizite Staatsverschuldung – derzeit rund 2,5 Billionen Euro bzw. 62,5 Prozent des BIP und damit nur knapp oberhalb der Maastricht-Grenze –, könnte der Eindruck entstehen, Deutschland stünde im europäischen Vergleich noch relativ solide da. Doch diese Sicht greift zu kurz. Denn die explizite Verschuldung ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Der weit größere Teil der finanziellen Lasten liegt verborgen unter der Oberfläche: die implizite Staatsverschuldung. Diese ist weitgehend unsichtbar und wird in der politischen Diskussion völlig verdrängt. 

Die implizite Staatsverschuldung umfasst alle zukünftigen, bereits politisch zugesagten Verpflichtungen, die noch nicht in den öffentlichen Haushalten erscheinen – darunter Rentenansprüche der heutigen Erwerbstätigen, Pensionszusagen für Beamte sowie langfristige Verpflichtungen der Sozialversicherungen.