Ein Gastbeitrag von Thomas Rießinger
Ich gebe zu, dass für manche Menschen schon konsequentes Ignorieren zu viel Aufmerksamkeit ist, aber hin und wieder muss man doch den Blick auf Exemplare dieser Art lenken.
Sebastian Hotz, der sich gern El Hotzo nennt, wird von Wikipedia als „deutscher Satiriker, Gagautor, Podcaster und Schriftsteller“ charakterisiert, was für ihn den unbezweifelbaren Vorteil hat, dass es sich bei keiner dieser Zuschreibungen um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt. Nicht unbedingt für ihn spricht, dass er als sogenannter Gagautor für den notorisch humorbefreiten Propagandisten Jan Böhmermann fungierte, aber von irgend etwas muss der Mensch ja leben. Wirklich bekannt geworden ist er jedoch durch Äußerungen auf X, die er wohl für künstlerisch wertvoll und politisch angesagt hielt, als Donald Trump im letzten Jahr von der Kugel eines Attentäters buchstäblich um Haaresbreite verfehlt und nur am Ohr getroffen wurde und Hotz auf X fragte, was der letzte Bus mit diesem Attentat gemein habe. Seine Antwort: „Leider knapp verpasst“. Dass er weiterhin schrieb, er finde es absolut fantastisch, wenn Faschisten sterben, machte es nicht besser.
Die Tweets hat er dann schnell gelöscht, genützt hat ihm das nichts, denn so etwas wird im Internet nicht vergessen. Seiner Karriere mag das für eine Weile geschadet haben – der RBB kündigte die Zusammenarbeit auf –, doch nicht seinem sehr speziellen Sinn für Humor. Am Vormittag des 16. Dezember postete er in alter Frische das Folgende:

Ich sehe davon ab, dass er es nicht fertig brachte, den zweiten Teil der Überschrift korrekt über dem zweiten Bild zu positionieren, von Böhmermann-Mitarbeitern darf man nicht zu viel erwarten. Der „Trump-Style“ bezieht sich offenbar auf das Trump-Attentat, mit dem er anscheinend immer noch nicht fertig geworden ist, und das Ketchup soll das Blut auf dem damals getroffenen Ohr symbolisieren. Wie muss ich dann den „Kirk-Style“ verstehen? Der konservative politische Aktivist Charlie Kirk wurde vor einigen Monaten im Verlauf einer Veranstaltung auf dem Gelände der Utah Valley University angeschossen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Das Attentat auf Trump führte nur zu vergleichsweise wenig Blut, der Anschlag auf Kirk, der in den Hals getroffen wurde, war ungleich blutiger. Kann man diesen Post von Hotz anders interpretieren als ein sich lustig Machen über zwei blutige Attentate, deren eines tödlich geendet hat? Wer das kann, soll es tun; ich kann es nicht.
Theodor Fontanes Romanheld Dubslav von Stechlin, über den ich schon kürzlich gesprochen habe, sagt in dem Roman „Der Stechlin“: „Ja, herabgestiegen ist alles, und es steigt immer weiter nach unten. Das ist, was man neue Zeit nennt, immer weiter runter.“
Soweit es unsere neue Zeit angeht, kann ich ihm kaum widersprechen.
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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und war Professor für Mathematik und Informatik an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Neben einigen Fachbüchern über Mathematik hat er auch Aufsätze zur Philosophie und Geschichte sowie ein Buch zur Unterhaltungsmathematik publiziert.
Bild: Screenshot Youtube
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