Wie Macht, Rasse und Geopolitik bestimmen, wer verteidigt wird – und wer ignoriert wird

Die EU-Sanktionen gegen Jacques Baud haben ein auffälliges Ungleichgewicht in Berichterstattung und Aufmerksamkeit gezeigt – besonders im Vergleich zum fast vollständigen Schweigen über Nathalie Yamb, die tatsächlich die erste Schweizer Bürgerin war, die von der EU sanktioniert wurde.

Jacques Baud, ehemaliger Schweizer Nachrichtendienstoffizier und Sicherheitsanalyst, der in der Schweizer Armee, bei der NATO und den UN tätig war, analysiert seit 2022 öffentlich NATO- und Westpolitik, insbesondere im Ukraine-Krieg. Kritiker werfen ihm russlandfreundliche Narrative vor, während neutrale Beobachter ihn als unabhängigen Analysten sehen, der dominante westliche Positionen hinterfragt. Baud bestreitet die Vorwürfe und betont, dass seine Arbeit ausschließlich auf westlichen Quellen basiert.

Durch die EU-Sanktionen unterliegt Baud einem Reiseverbot in der EU und dem Einfrieren von Vermögenswerten. Sein Fall wird in verschiedenen Medien diskutiert und als Präzedenzfall für Meinungsfreiheit dargestellt – oft fälschlich als erste EU-Sanktion gegen einen Schweizer.

Der Fall Nathalie Yamb

Sie ist eine kompromisslose Kritikerin des westlichen Einflusses in Afrika, insbesondere der anhaltenden neo-kolonialen Politik Frankreichs.

Über soziale Medien und öffentliche Auftritte hat sie eine große frankophone Anhängerschaft gewonnen. Für die Pariser Eliten ist sie ein Stachel im Fleisch. Ihr Aktivismus basiert auf Meinungsfreiheit, Souveränität und demokratischer Verantwortlichkeit, und sie hinterfragt explizit westliche Machtstrukturen und Einmischung in Afrika.

Im Jahr 2019 erlangte sie internationale Bekanntheit, nachdem sie eine Rede auf dem Russland-Afrika-Gipfel in Sotschi gehalten hatte. Später wurde sie aus der Elfenbeinküste ausgewiesen, da ihre Aktivitäten als unvereinbar mit den Interessen der elfenbeinischen Eliten angesehen wurden, die den Anweisungen ihres langjährigen Kolonialherrn Frankreich folgen.

Im Juni 2025 sanktionierte die EU Yamb – als erste Schweizer Bürgerin dieser Welle – wegen angeblicher Verbreitung russlandfreundlicher Narrative und sogenannter „ausländischer Informationsmanipulation“. Die Sanktionen basieren nicht auf Gerichtsverfahren, sondern auf administrativen Entscheidungen, die sich vor allem auf öffentliche Aussagen, Berichte und Reisen stützen.

Unverhältnismäßige Folgen

Die Sanktionen haben schwere Konsequenzen. Schweizer Banken frierten ihre Konten ein, und sie darf die EU nicht betreten oder durchfliegen. Dies schränkt ihre Mobilität ein: Aus dem Ausland kann sie nicht mehr zurückkehren und die Schweiz kann sie nicht mehr verlassen. Im Gegensatz zu Baud, der über Netzwerke und Schutzmechanismen verfügt, ist Yamb weit weniger abgesichert.

Es handelt sich hier um drakonische und rechtlich ungetestete Exekutivmaßnahme, bei der politische Meinungsäußerung ohne Beweise oder rechtsstaatliche Kontrolle bestraft wird. Die Sanktionen setzen ein beunruhigendes Präzedenz: Mechanismen für ausländische Akteure werden gegen westliche Bürgerinnen eingesetzt.

Ein rassistischer Doppelstandard?

Yambs Fall erhielt in europäischen Medien kaum Aufmerksamkeit. Unterstützer sehen darin einen tief verwurzelten rassistischen und politischen Doppelstandard: Während bei einer weißen Schweizer Elitefigur Empörung herrscht, wird eine schwarze Aktivistin, die afrikanische Souveränität verteidigt, marginalisiert und als ausländischer Einfluss dargestellt.

Yamb weist die Vorwürfe zurück und kündigte an, die Sanktionen rechtlich anzufechten.

Als die Weltwoche Baud mit Interviews und Artikeln auf die Frontseiten beförderte, schickte ich Chefredakteur Köppel Yambs Geschichte – die wirklich erste Schweizerin, die sanktioniert wurde. Reaktion? Funkstille (Screenshot Weltwoche-Schlagzeile)

Das Forum Geopolitica bemerkte, dass die einflussreiche Weltwoche endlich begonnen hatte, auf Bauds Situation aufmerksam zu machen – während der Rest der Schweizer Medien weiterhin schlief. Ich war der Erste, der den Artikel kommentierte, indem ich die Auslassung des Falls Nathalie Yamb kritisierte und die fehlenden Details lieferte.

Trotzdem wächst ihr Einfluss in Afrika weiter. 2025 wurde sie Sonderberaterin des nigerischen Militärführers Abdourahamane Tiani und erhielt einen diplomatischen Pass – ein Dorn im Auge von Paris und Brüssel.

Unterstützer sehen Yamb als mutige Verteidigerin afrikanischer Souveränität. Kritiker diffamieren sie weiterhin als Sprachrohr russischer Narrative.

Was kaum hinterfragt wird, ist, ob die Reaktion der EU nicht nur geopolitische Befürchtungen widerspiegelt, sondern auch eine tiefere Abneigung der europäischen Eliten, offene Kritik zu tolerieren – insbesondere von einer schwarzen Frau, die im Gegensatz zu Jacques Baud die Macht des Westens und den französischen Neokolonialismus in Afrika hinterfragt.

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Felix Abt ist ein in Asien ansässiger Unternehmer, Autor (felixabt.substack.com) und Reiseblogger (youtube.com/@lixplore).



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