Die Berliner Zeitung berichtet über ein bislang unveröffentlichtes Interview mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, das im Zuge der jüngsten Freigabe von Akten des US-Justizministeriums bekannt geworden sei. Das Gespräch habe Epstein mit dem ehemaligen Trump-Berater Steve Bannon geführt. Auffällig sei dem Bericht zufolge, dass darin nicht Epsteins Straftaten im Mittelpunkt stünden, sondern seine Sicht auf die Finanzwelt und die Krise von 2008.
Epstein habe geschildert, dass er sich am 14. September 2008, dem Tag der Insolvenz von Lehman Brothers, in Haft befunden habe. Ein Gefängniswärter habe ihn damals gefragt, ob er verstehe, dass die Wall Street gerade abstürze, und geäußert, er sorge sich um seine Rente. Diese Episode diene im Interview als Ausgangspunkt für grundsätzliche Überlegungen zum Finanzsystem. Seine eigenen Verbrechen habe Epstein dagegen nur am Rande erwähnt und sich selbst lediglich als verurteilten Straftäter bezeichnet.
Finanzmarktkrise mit heftigen Folgen!
Im Gespräch sei auch die Frage aufgeworfen worden, warum Bear Stearns gerettet worden sei, während Lehman Brothers habe Insolvenz anmelden müssen. Epstein habe erklärt, er sei früher Partner bei Bear Stearns gewesen und habe dort investiert. Das Institut sei im Frühjahr 2008 von JPMorgan Chase übernommen worden. Zur Erklärung staatlicher Eingriffe habe Epstein das Bild eines Körpers bemüht: Das Finanzsystem gleiche einem Organismus, Liquidität sei dessen Blut. Wenn diese austrockne, sterbe das System; daher müsse entschieden werden, welche „Organe“ man rette und welche nicht.
Besonders deutlich habe Epstein dem Bericht zufolge dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton eine Mitverantwortung zugeschrieben. Clinton habe in den 1990er-Jahren den Traum vom Eigenheim politisch gefördert und damit auch Bevölkerungsgruppen mit schwacher Bonität in den Immobilienmarkt geführt. Der Begriff „Subprime“ habe problematische Kreditwürdigkeit sprachlich entschärft. Die Berliner Zeitung ordnet diese Darstellung jedoch ein und verweist darauf, dass der starke Anstieg riskanter Kredite vor allem zwischen 2003 und 2007 erfolgt sei.
Eine Rolle hätten zudem Fannie Mae und Freddie Mac gespielt, die Hypotheken aufgekauft und gebündelt hätten, um Liquidität bereitzustellen, dabei jedoch ihre Risikoexposition erhöht hätten. Insgesamt, so die Zeitung, spreche vieles dafür, dass nicht allein politische Programme, sondern vor allem die Eigendynamik der Finanzmärkte, Gewinninteressen der Banken sowie unterschätzte Risiken durch Investoren und Ratingagenturen zur Instabilität beigetragen hätten.