Großbritannien erlebt derzeit eine explosive Mischung aus politischem Fehltritt und finanzieller Nervosität. Innerhalb weniger Tage hat sich eine Personalentscheidung in der Regierung von Keir Starmer zu einem Vertrauensschock entwickelt, der nicht nur Westminster, sondern auch die internationalen Kapitalmärkte erreicht hat. Investoren reagieren empfindlich, wenn politische Stabilität infrage steht – und genau das ist nun der Fall.

An den Finanzmärkten zeigte sich die Unruhe besonders deutlich bei britischen Staatsanleihen. Die Renditen zogen kräftig an, was auf sinkende Kurse und damit steigende Sorgen über die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen hindeutet. Zehnjährige Anleihen kletterten auf ein Niveau, das seit Monaten nicht mehr erreicht worden war. Noch stärker fiel die Reaktion bei Papieren mit dreißig Jahren Laufzeit aus, die als Seismograf für langfristige Verschuldungsrisiken gelten. Parallel dazu geriet das Pfund Sterling unter Druck – ein klassisches Warnsignal für schwindendes Vertrauen in die politische Führung.

Anleihen fallen

Auslöser der Turbulenzen ist eine Affäre, die weit über Parteigrenzen hinaus Empörung ausgelöst hat. Starmer hatte den langjährigen Labour-Strategen Peter Mandelson als Botschafter in Washington vorgesehen. Im Zuge der Sicherheitsüberprüfung kamen jedoch dessen frühere Kontakte zu Jeffrey Epstein ans Licht. Trotz dieser Belastung hielt der Premier zunächst an der Personalie fest – ein Schritt, der sich als folgenschwer erwies.

Britische Medien reagierten scharf. Zeitungen wie die Daily Mail und die The Times zeichneten das Bild eines Premierministers, dessen Urteilsvermögen massiv angezweifelt wird. Besonders brisant waren Enthüllungen, wonach Mandelson auch nach Epsteins Verurteilung weiterhin Kontakt zu ihm gepflegt haben soll. Schließlich blieb Starmer nur der Rückzug nach vorn: In einer öffentlichen Erklärung entschuldigte er sich bei den Opfern und räumte ein, Mandelsons Aussagen vertraut zu haben.

Doch die politische Dimension reicht weiter. Die Beratungsfirma Eurasia Group schätzt die Wahrscheinlichkeit hoch ein, dass Starmer noch in diesem Jahr durch innerparteilichen Druck zu Fall gebracht werden könnte. Für Investoren ist das ein Albtraum, denn ein Führungswechsel könnte auch eine neue wirtschaftspolitische Linie bedeuten. Analysten wie Cathal Kennedy von der Royal Bank of Canada verweisen darauf, dass die Märkte vor allem die Ungewissheit fürchten.

Als mögliche Nachfolgerin gilt Angela Rayner, die dem linken Parteiflügel zugerechnet wird. Marktbeobachter, darunter Matthew Amis von Aberdeen Investments, warnen, dass Investoren in diesem Fall eine lockerere Haushaltspolitik und eine höhere Neuverschuldung erwarten könnten.

Ob Starmer den entstandenen Schaden noch reparieren kann, ist offen. Sicher ist nur: Die Verbindung von politischer Instabilität und wirtschaftlicher Unsicherheit hat Großbritannien in eine heikle Lage gebracht.





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