In Kürze:
- Macron macht Spaniens erneuerbares Energiemodell für Blackout mitverantwortlich
- Regierung in Madrid weist Vorwurf zurück
- Cyberangriff offiziell ausgeschlossen
- Technische Berichte nennen Spannungsschwankungen und Kaskadeneffekte
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die spanische Energiepolitik scharf kritisiert. In einem Interview mit der Tageszeitung „El País“ vom 10. Februar machte er die aus seiner Sicht starke Abhängigkeit des Landes von erneuerbaren Energien mitverantwortlich für den großflächigen Blackout im vergangenen Jahr. Zugleich sprach er von einer „falschen Debatte“ in Spanien über die Ursachen des Stromausfalls.
Am 28. April 2025 hatte ein massiver Stromausfall weite Teile Spaniens und Portugals sowie grenznahe Regionen Frankreichs lahmgelegt. Mehrere Millionen Menschen waren zeitweise ohne Strom; in einigen Gebieten dauerte es bis in die späten Abendstunden des Folgetages, ehe die Versorgung vollständig wiederhergestellt war.
REE und Sánchez bestreiten Zusammenhang zwischen Energiewende und Blackout
Obwohl Spaniens Regierung und Stromversorger eine einseitige Energieausrichtung zurückweisen, bleibt Macron überzeugt: „Das Problem ist, dass Spanien ein zu 100 Prozent erneuerbares Energiemodell hat, das das eigene inländische Netz nicht tragen kann.“
Der Stromausfall habe nicht auf Verbindungsprobleme zurückgeführt werden können, sondern auf die begrenzte Fähigkeit heutiger Technologien, eine derart hohe Abhängigkeit von erneuerbaren Energien zu stabilisieren. Ein ausgewogener Energiemix sei erforderlich, um starke Systemschocks zu vermeiden. Entscheidend sei zudem nicht allein die Zahl der Verbindungen, sondern die Belastbarkeit und Stabilität der Netzinfrastruktur.
Die Präsidentin des Netzbetreibers REE, Beatriz Corredor Cadena, wies Macrons Vorwurf zurück und betonte, dass erneuerbare Energien genauso zuverlässig wie konventionelle Kraftwerke seien. Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich ähnlich.
Untersuchungsausschuss wird Netzbetreiber und Energieversorger befragen
Ein eindeutiges Ergebnis zur Ursache des Stromausfalls gibt es bisher nicht. Das Oberste Gericht Spaniens stellte am 12. Januar seine Ermittlungen ein; technische Berichte schließen einen Cyberangriff aus.
Die Energieversorger machen unterdessen den Netzbetreiber REE für den Ausfall verantwortlich und lehnen den „multifaktoriellen“ Erklärungsansatz der Regierung ab. Der Abschlussbericht des Verbandes ENTSO-E wird in den kommenden Wochen erwartet.
Kettenreaktion führte zu Blackout
Der Stromausfall begann am 28. April 2025 um etwa 12:32 Uhr mit dem Ausfall dezentraler Wind- und Solaranlagen mit einem Leistungspotenzial von rund 208 Megawatt. Kurz darauf fiel ein 2-Gigawatt-Transformator in Granada aus, was zu Überspannungen von über 435 Kilovolt führte und automatische Abschaltungen auslöste.
Technische Auswertungen zeigen, dass mehrere Faktoren zum Ausfall beitrugen: deutliche Spannungsschwankungen, zeitweise Überproduktion von Solar- und Windenergie sowie unzureichende Blindleistungskapazitäten. Experten weisen zudem auf Defizite bei der Netzspannungsregelung hin. In der Folge löste ein Kaskadeneffekt aus, bei dem automatisierte Schutzmechanismen weitere Anlagen abschalteten und die Instabilität verstärkten.
Fehlende Stabilität Erneuerbarer als Risiko für die Netze
Energieanalysten wie Andy Mayer vom Institute of Economic Affairs sehen in stark erneuerbar geprägter Stromsysteme ein strukturelles Problem. Wind- und Solaranlagen speisen zwar Energie ein, tragen jedoch nicht in gleicher Weise zur Netzstabilisierung bei wie konventionelle Großkraftwerke.
Gas-, Kohle- oder Kernkraftwerke nutzen schwere, rotierende Turbinen, deren kinetische Energie Frequenzschwankungen abfedert. Fehlt diese sogenannte Trägheit, können Störungen schneller und heftiger durch das Netz laufen. Zudem erhöht die Vielzahl dezentraler Einspeisepunkte die technische Komplexität und damit potenziell die Zahl möglicher Fehlerquellen. Kritiker warnen daher vor einem höheren Risiko sogenannter Auslöseereignisse, die systemische Kettenreaktionen auslösen können.