Grünes Wissen to go: Der Rosen-Seitling gedeiht trefflich auf Möhrenresten. Und eignet sich, um daraus vegane Gerichte herzustellen: Erste pilzbasierte Produkte gibt es mittlerweile zu kaufen


In Ostasien schon heute eine Spezialität: der Rosen-Seitling

Foto: O. Diez/imagebroker/Imago Images


Hunger ist noch immer Alltag auf der Welt. Laut Vereinten Nationen litt im Jahr 2023 einer von elf Menschen an Hunger, rund drei Milliarden konnten sich keine gesunde Ernährung leisten.

Die industrielle Tierhaltung verursacht sehr viele Treibhausgase, weshalb die Wissenschaft nach anderen Eiweißquellen sucht. Dabei sind Forscher:innen nun auf den Rosen-Seitling gestoßen: Der Blätterpilz besiedelt abgestorbenes Holz und bildet rosafarbene Fruchtkörper aus, in Ostasien ist er als Speisepilz beliebt.

Vielleicht wird er das demnächst auch hierzulande: Forscher:innen des Forschungscampus Mittelhessen züchteten 100 solcher Pilzstämme auf Möhrenresten, die aus der Farbstoffproduktion der Firma GNT Europa stammten und dort eigentlich nur noch Abfall sind. Allerdings nicht, um den überirdischen Pilz zu verarbeiten, sondern das Pilzmyzel: Sie optimierten die Bedingungen, um Proteine zu erzeugen, die tierischen und anderen pflanzlichen Proteinen möglichst ähnlich sind.

Pilzmyzel ist eine nachhaltige und schmackhafte Proteinquelle

Messungen zeigten, dass Pleurotus djamor – wie der Pilz wissenschaftlich heißt – einen hohen Proteingehalt und obendrein einen geringen Fettgehalt aufweist. Um den Geschmack zu testen, stellten die Forscher aus den Myzelien – gewissermaßen den Wurzeln des Pilzes – vegane Patties und Würstchen her. Testesser bewerteten die Produkte als „hervorragend“.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass pilzliche Myzelien eine nachhaltige und schmackhafte Proteinquelle sind, die zudem ähnliche ernährungsphysiologische Vorteile wie pflanzliche Proteine bieten kann“, erklärte der federführende Autor Martin Gand. „Da hier Nebenprodukte in Lebensmittelqualität für die Produktion von hochwertigen Proteinen genutzt werden, muss keine zusätzliche Landwirtschaft betrieben werden, um die Ernährungssicherheit zu fördern.“

Experten bezeichnen Pilzmyzel bereits als „treibende Kraft“ für die Entwicklung von Fleischersatz der nächsten Generation. Das Hamburger Food-Unternehmen Infinite Roots sammelt Millionen von Investoren wie Haribo und Rewe ein, um seine Myzel-Technologie voranzutreiben. Die ersten pflanzlichen Burger wurden für ihre langen Zutatenlisten kritisiert, die neue Technologie kommt mit kurzen Rezepturen aus. Bei REWE gibt es mittlerweile erste Produkte auf Pilzbasis zu kaufen.

Nachhaltig auch in der Baubranche

Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), forscht seit geraumer Zeit zu den Einsatzmöglichkeiten des Myzels, wie das Wurzelgewebe genannt wird. „Wir bekommen es von Pilzfarmen aus Belgien oder Holland, denn für die ist das Abfall“, so Hebel.

In Karlsruhe macht man aus dem Geflecht Platten für den Innenausbau, die die herkömmlichen Span- oder Faserplatten ersetzen. „Durch die Kleber darin werden die herkömmlichen Platten beim Verbrennen zu toxischer Asche, die auf den Sondermüll muss“, so Hebel, „unsere Pilzplatten können Sie auf den Kompost geben.“

Grünes Wissen to go

Welche Themen rund um Umweltschutz und Klimakrise werden gerade diskutiert? Unser Überblick über die jüngsten Erkenntnisse gibt Ihnen Gelegenheit, am Küchentisch zu glänzen.

Zum Inhalt

.Vielleicht wird er das demnächst auch hierzulande: Forscher:innen des Forschungscampus Mittelhessen züchteten 100 solcher Pilzstämme auf Möhrenresten, die aus der Farbstoffproduktion der Firma GNT Europa stammten und dort eigentlich nur noch Abfall sind. Allerdings nicht, um den überirdischen Pilz zu verarbeiten, sondern das Pilzmyzel: Sie optimierten die Bedingungen, um Proteine zu erzeugen, die tierischen und anderen pflanzlichen Proteinen möglichst ähnlich sind.Pilzmyzel ist eine nachhaltige und schmackhafte ProteinquelleMessungen zeigten, dass Pleurotus djamor – wie der Pilz wissenschaftlich heißt – einen hohen Proteingehalt und obendrein einen geringen Fettgehalt aufweist. Um den Geschmack zu testen, stellten die Forscher aus den Myzelien – gewissermaßen den Wurzeln des Pilzes – vegane Patties und Würstchen her. Testesser bewerteten die Produkte als „hervorragend“.„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass pilzliche Myzelien eine nachhaltige und schmackhafte Proteinquelle sind, die zudem ähnliche ernährungsphysiologische Vorteile wie pflanzliche Proteine bieten kann“, erklärte der federführende Autor Martin Gand. „Da hier Nebenprodukte in Lebensmittelqualität für die Produktion von hochwertigen Proteinen genutzt werden, muss keine zusätzliche Landwirtschaft betrieben werden, um die Ernährungssicherheit zu fördern.“Experten bezeichnen Pilzmyzel bereits als „treibende Kraft“ für die Entwicklung von Fleischersatz der nächsten Generation. Das Hamburger Food-Unternehmen Infinite Roots sammelt Millionen von Investoren wie Haribo und Rewe ein, um seine Myzel-Technologie voranzutreiben. Die ersten pflanzlichen Burger wurden für ihre langen Zutatenlisten kritisiert, die neue Technologie kommt mit kurzen Rezepturen aus. Bei REWE gibt es mittlerweile erste Produkte auf Pilzbasis zu kaufen.Nachhaltig auch in der Baubranche Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), forscht seit geraumer Zeit zu den Einsatzmöglichkeiten des Myzels, wie das Wurzelgewebe genannt wird. „Wir bekommen es von Pilzfarmen aus Belgien oder Holland, denn für die ist das Abfall“, so Hebel.In Karlsruhe macht man aus dem Geflecht Platten für den Innenausbau, die die herkömmlichen Span- oder Faserplatten ersetzen. „Durch die Kleber darin werden die herkömmlichen Platten beim Verbrennen zu toxischer Asche, die auf den Sondermüll muss“, so Hebel, „unsere Pilzplatten können Sie auf den Kompost geben.“



Source link