Grünes Wissen to go: Erstmals wurden drei Exemplare der Stechmückenart Culiseta annulata in Reykjavik gefunden. In Deutschland steigt die Zahl der Dengue-Fälle


Die Stechmückenart Culiseta annulata wurde auf Island gefunden.

Foto: Blickwinkel/Imago


Es gibt nur wenige Regionen auf dieser Welt, die mückenfrei sind: Bislang zählte Island neben der Antarktis zu diesen Gebieten. Doch das könnte der Vergangenheit angehören: Zum ersten Mal nämlich sind in der Nähe der Hauptstadt Reykjavik drei Exemplare der Stechmückenart Culiseta annulata gefunden worden – zwei Weibchen und ein Männchen, wie Matthias Alfredsson vom isländischen Institut für Naturwissenschaften bestätigte.

Gefunden wurden die Mücken an mit gezuckertem Wein getränkten Seilen, die ursprünglich zum Einfangen von Nachtfaltern dienten. Matthias Alfredsson vermutet, dass die Exemplare mit Schiffen oder Containern in das Land gekommen seien. Der Insektenforscher hält eine Ausbreitung auf Island in Zeiten des Klimawandels für „potenziell möglich“. Wegen der steigenden Temperaturen ziehen kälte­liebende Arten weiter in den Norden, wärmeliebende kommen vom Süden nach.

Zum Beispiel die Asiatische Tigermücke, die meist nur einen halben Zentimeter groß ist. Sie ist tagaktiv, aber extrem angriffsfreudig. In Deutschland wurden die Eier der Asiatischen Tigermücke erstmals im Jahr 2007 auf dem Rastplatz Rheinaue an der Autobahn A 5 nahe Efringen-Kirchen in Baden-Württemberg nachgewiesen. Früher konnte diese Mücke hierzulande nicht überleben, weil es im Winter zu kalt war.

Doch im Zuge des Klimawandels ist der Frost in Deutschland deutlich seltener geworden und die Sommer bereits so warm, dass Tigermücken sich auch hier wohlfühlen und gut vermehren können. 2014 wurde am Oberrhein nahe Freiburg erstmals eine größere Population registriert, in den Sommern 2015 und 2016 auch entlang von Autobahnen in anderen Teilen Baden-Württembergs, in Rheinland-Pfalz und in Hessen. 2019 wurde eine Population im thüringischen Jena nachgewiesen.

Tigermücke ist Überträger von tropischen Krankheiten

Was die schwarz-weiß gefleckte Tigermücke gefährlicher als einheimische Artgenossen macht: Sie überträgt hierzulande bislang unbekannte tropische Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika-Viren oder West-Nil-Fieber. Aedes albopictus, wie die Asiatische Tigermücke wissenschaftlich heißt, stammt, wie der Name sagt, ursprünglich aus den süd- und südostasiatischen Tropen und Subtropen. Im Zuge der Globalisierung reiste sie im Ei-Stadium auf Schiffen, in Warencontainern, in kleinen Pfützen im Innern von Altreifen nach Europa.

Vermutlich in den 1990er-Jahren kam sie in Italien an, breitete sich fast im ganzen Land aus und wegen der steigenden Temperaturen als Folge des Klimawandels darüber hinaus. Inzwischen ist sie in weiten Teilen Südeuropas heimisch, an der spanischen Mittelmeerküste, in Kroatien, Albanien, Frankreich, aber auch in Deutschland.

Inzwischen ist die Tigermücke in Berlin beheimatet: Erstmals wurde sie 2021 in einer Berliner Kleingartenanlage im Bezirk Treptow-Köpenick gefunden und ging dann nicht mehr weg. Dengue-Fieber kann zu schweren Gesundheitsschäden bis zum Tod führen. Symptomen sind hohe plötzliche Fieberschübe, Hautausschläge und sehr starke Gliederschmerzen. Das Robert Koch-Institut stellte einen „starken Anstieg der Denguefieber-Meldefallzahlen in den ersten Monaten 2024“ fest. Die Anzahl der Diagnosen stieg in diesem Jahr um das 13‑Fache an, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Und Dengue ist nur eine Krankheit, die die Mücke überträgt.

Allerdings liegen die Fälle aktuell nur im oberen dreistelligen Bereich. Und bislang holten sich die Erkrankten das Fieber im Ausland, eine Übertragung durch einheimische Tigermücken wurde noch nicht nachgewiesen.

So gefährlich ist die jetzt in Island gefundene Mückenart nicht, sie sticht eben nur, wenn sie sich wohlfühlt und vermehren will. Die in Deutschland als „Ringelmücke“ bekannte Art überträgt solche Krankheiten nicht. Ob sie wirklich in Island heimisch wird, werde der nächste Frühling zeigen, erklärte Alfredsson der AFP. Immerhin könne sich die Stechmückenart Culiseta annulata gut an kälteres Klima anpassen.

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