Ein prominenter Sozialdemokrat rüttelt an der Brandmauer: Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig hat die SPD zu einer strategischen Neuausrichtung im Umgang mit der AfD aufgefordert. Angesichts der Wahlerfolge der Partei, so Albig, könne man nicht auf Dauer so tun, als sei sie „die Ausgeburt der Hölle“. Statt einer strikten Abgrenzung plädiert er für eine pragmatischere Linie, die auch von der AfD tolerierte Minderheitsregierungen einschließt.
Vorbild Dänemark
Albig, der heute als Lobbyist für Philip Morris Deutschland arbeitet, warb in der Neuen Osnabrücker Zeitung dafür, sich stärker an dem dänischen Modell zu orientieren. Dort seien Sozialdemokraten teils eher bereit, bei einzelnen Themen mit Rechtspopulisten zusammenzuarbeiten, um eigene Wähler zurückzugewinnen. Für die SPD sei es laut Albig gefährlich, weiter auf herkömmliche Vielparteienbündnisse zu setzen, weil dies die Partei auf Dauer schwäche und frustrierte Wähler zurücklasse.
Mächtige Ost-AfD macht den Roten Sorge
Besonders mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst sieht Albig die Gefahr, dass Minderheitsregierungen anstelle stabiler Koalitionen entstehen könnten. Solche Modelle, so sein Argument, könnten durch die AfD toleriert werden und wären damit handlungsfähig. Zugleich fordert er auch die Bundesregierung auf, sich auf solche Konstellationen einzustellen, selbst wenn dies politisch heikel sei.
Verzweifelter Versuch, Wähler zurückzuholen
Aus seiner Sicht geht es nicht darum, das „ideologische Gedankengut“ der AfD zu teilen, sondern verlorene SPD-Wähler zurückzugewinnen. Im Ruhrgebiet, so Albig, wechselten frühere Genossen teils direkt zur AfD, weil sie bei der SPD etwas vermissten. Eine begrenzte Zusammenarbeit könne deshalb, so seine Hoffnung, einen „Spaltpilz“ in die AfD tragen und zugleich die Sozialdemokratie wieder anschlussfähiger machen.
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