Ein früherer ranghoher NATO-Offizier wendet sich mit einer Warnung an die Öffentlichkeit, die nach seinen Worten nicht mehr ignoriert werden darf. Rob Bauer, bis Anfang 2025 einer der wichtigsten militärischen Entscheidungsträger der Allianz, beschreibt in einem Interview eine Lage, die einen grundlegenden Wandel in Europa erfordern soll. Seine Worte wirken wie ein Weckruf für eine Gesellschaft, die aus seiner Sicht auf eine völlig neue Realität zusteuert.
Kriegswirtschaft stellt alles in den Dienst der großen Sache
Bauer entwirft ein Bild, das deutlich macht, warum er ein Umdenken für notwendig hält: blockierte Krankenhäuser durch Cyberattacken, zusammenbrechende Versorgungsnetze, Ausfälle bei Wasser und Strom, Störungen im normalen Alltag, die in kürzester Zeit eine gesamte Bevölkerung betreffen können. Für ihn entspringt dieses Szenario keiner Übertreibung, sondern der Erfahrung eines Offiziers, der jahrelang an der Spitze der militärischen Beratung stand.
Er macht unmissverständlich klar, dass eine Phase vermeintlicher Beschwichtigung vorbei sei. Gegner würden den Zeitpunkt eines Angriffs wählen, nicht Europa. Deshalb fordert Bauer neue Denkweisen, mehr Bereitschaft zur Anpassung und realistische Einschätzungen internationaler Entwicklungen. Frieden, so wie er derzeit verhandelt wird, hält er nicht für gesichert.
Besonders besorgniserregend erscheint ihm die Möglichkeit eines koordinierten Vorgehens von Russland und China. Ein Angriff Pekings auf Taiwan könnte aus seiner Sicht mit einer russischen Offensive in Europa verknüpft werden, um die USA strategisch zu überlasten. Diese Vorstellung teilen mehrere amerikanische Sicherheitsexperten, die ebenfalls davon ausgehen, dass Washington nicht beide Schauplätze gleichzeitig abdecken kann. Bauer geht in seiner Analyse sogar einen Schritt weiter und erwähnt das Risiko eines weltweiten Konflikts.
Daraus leitet er kompromisslose Forderungen ab. Europa müsse sich stärker an Ländern orientieren, die bereits im Kriegsmodus leben. Er kritisiert Gewohnheiten, die aus seiner Sicht nicht mehr in die Zeit passen, und stellt das europäische Arbeitsmodell zur Debatte. Längere Arbeitszeiten, mehr Fokus auf Verteidigungsfähigkeit und höhere Bereitschaft zur Belastung seien nötig, um im Ernstfall widerstandsfähiger zu sein.
Bauer verweist darauf, dass Investitionen in Sicherheit kurzfristig weniger attraktiv wirken könnten als Projekte in Technologie oder Konsum. Sobald ein Krieg jedoch ausbricht, würden wirtschaftliche Grundlagen sofort erschüttert. Seine Schlussfolgerung: Europa müsse entscheiden, ob es an bisherigen Komfortgrenzen festhalte oder ob es rechtzeitig Vorsorge treffe, um größere Schäden zu verhindern.