Manche Studien werfen die Sozialwissenschaften um Jahrzehnte zurück, manche noch hinter die Gebrüder Grimm… Diese Studie zum Beispiel:
Ich halte mich jetzt nicht mit den Ergebnisse der Familienforschung auf, die seit eigentlich Jahrzehnten zeigen, dass Frauen in Deutschland bei potentiellen Partnern mindestens die gleiche formale Bildung voraussetzen, während Männer auch nach unten heiraten. Zumal solche Ergebnisse natürlich auf Basis von Aggregaten gewonnen werden und Partnerwahl nach wie vor, wenn auch in engen sozialen Grenzen [Welcher 18.jährige sieht sich schon nach einer 72jährigen als Partner um, welches Lieschen Müller aus einem evangelischen Pastorenhaushalt sucht einen Partner unter den noch verbliebenen Lehrlingen der BASF?], einen individuellen Faktor umfasst, den man als „Attraktion“, vielleicht sogar als Empfindung, in entsprechenden Novellen ist dann immer von „Liebe“ die Rede, bezeichnen könnte.
Indes: Heyne und Kogan, die ihr Dasein im Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung fristen, wollen von all den individuellen Faktoren, die eine Partnerwahl beeinflussen, all den Kleinigkeiten, die das „perfekte soziale Match“ zerstören können, nichts wissen. Denn nach Ihrer Ansicht findet eine Partnerwahl auf Basis von zwei Variablen statt:
Religiosität;
Formale Bildung;
Ernsthaft.
Um die Sache weiter zu verengen, untersuchen die beiden MZESler ob in Deutschland lebende Frauen sich gerade aus Syrien oder Afghanistan angeblich zugeflüchtete Männer als Partner vorstellen können, Afghanen und Syrer, die mit der Merkel-Welle zwischen 2014 und 2018 nach Deutschland gespühlt wurden und nun, mangels weiblichen Begleitpersonen, die diese Helden in vom Bürgerkrieg so heftig zerstörten Ländern, dass SIE fliehen mussten, zurückgelassen haben, zu partnern.
Warum auch nicht?
Wie hat schon Jane Austen zu Beginn von „Pride and Prejudice“, genauer: gleich im ersten Satz geschrieben:
„It is a truth, universally acknowledged, that a single man in possession of a fortune must be in want of a wife.“
Die entscheidende Qualifikation der Heiratspartner suchenden Männer ist „in possession of a fortune“, Eigentum macht den Heiratsmarkt. Wer als Mann im England von Austen, und nicht nur da, heiraten will, muss Besitz, Eigentum, Geld mitbringen.
Nun bringen Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien sich mit, keinen Besitz, kein Eigentum, kein Geld. Ihr einziger Besitz sind Ansprüche, Unterhaltsansprüche, die sie gegenüber deutschen Steuerzahlern geltend machen. Nicht unbedingt das Material, aus dem der (Heirats-)Partner ist.
Und es kommt noch schlimmer:
4.852 Befragte haben Heyne und Kogan im Sample, 2.697 junge Männer, die aus Syrien oder Afghanistan zugeflüchtet sind, 2.155 junge Frauen, die in Deutschland leben, darunter 1.030 mit einem Migrationshintergrund (MB). Alle Befragten sind irgendwo zwischen 26 und 28 Jahren alt.
Die Tabelle oben gibt ein paar rudimentäre Angaben zu den Befragten, denen man entnehemn kann, dass 82,1% der Zugeflüchteten KEINEN Hochschulabschluss haben. In dieser Zahl ist die Wahrheit, dass die meisten der Zugeflüchteten im besten Fall das Äquivalent zu einem Hauptschulabschluss erreicht haben, sofern sie überhaupt einen Schulabschluss haben, unauffindbar vergraben. Konkreter wird es bei der „Religiosität“: Zugeflüchtete Männer sind überwiegend religiöse Muslime, schon länger in Deutschland lebende Frauen überwiegen nicht religiös.
Eigentlich kann man hier schon aufhören, denn mit allem, was über den Heirats-/Partnermarkt bekannt ist, einen Markt, über den Dr. habil. Heike Diefenbach auf Basis eigener Forschung viel viel mehr weiß als ich, kann man an dieser Stelle bereits feststellen, dass es KEINEN Heirats-/Partnermarkt zwischen zugeflüchteten bildungslosen jungen Afghanen und Syrern und „schon länger in Deutschland“ lebenden Frauen gibt. Wollte man die ganze Situation auf den Punkt bringen, dann könnte man formulieren, dass Frauen, für die bildungslose und religiöse Muslime potentielle Partner sein können, aus dem heimischen Heiratsmarkt/Partnermarkt so ausgefroren sein müssen, vielleicht, weil sie bei den Grünen aktiv sind und man weiß ja, welche Grazien und angenehme Menschen bei den Grünen aktiv sind, dass sie ohne Option auf dem autochthonen Partnermarkt verblieben sind und nehmen müssen, was übrig bleibt …
Derb, aber so ist die Welt.
Indes, für solche bereits bekannten Fakten kann man keine Forschungsförderung loseisen, ergo müssen sich Heyne und Kogan etwas einfallen lassen. Und bei der Suche nach etwas, das man nutzen könnte, um ein altes Ergebnis in neuem Gewandt präsentieren zu können, sind sie bei der Vignetten-Analyse angekommen, die Heike Diefenbach und Karl-Dieter Opp so erfolgreich eingesetzt haben, um die Entscheidung, sich scheiden zu lassen, zu erklären:
Diefenbach und Opp nutzen die Vignettenanalyse um Hypothesen über unterschiedliche Szenarien zu operationalisieren, Hypothesen, die aus der Rational Choice Theory unter Anwendung von Brückenhypothesen abgeleitet sind, und zu testen, welche Szenarien die Enscheidung, sich scheiden zu lassen, erklären können.
Ach ja, die gute alte theoriegeleitete Forschung.
Bei Heyne und Kogan ist die Theorie auf die „Matching Hypothese“, die letztlich nichts anderes als Homophilie in der Patnerwahl beschreibt, reduziert und die Frage, warum ausgerechnet Religiosität dabei eine Rolle spielen soll (vor allem für Frauen, die damit nichts am Hut haben), eine, die unbeantwortet bleibt, so wie die Frage, wie verzweifelt Frauen sein müssen, wenn sie sich unter weitgehend formal ungebildeten, von sozialen Zuwendungen ausgehaltenen Syrern und Afghanen nach einem Partner umsehen müssen, ausgeblendet wird. Das kann man recht einfach ausblenden, indem man Befragten Szenarien vor den Latz knallt, mit denen so getan wird, als seien Zugeflohene auch nur ansatzweise in dem Kreis zu finden, aus dem die eigenen Partner gewählt werden. Das sieht dann so aus:
Wie wir alle wissen, trifft man afghanische, syrische Flüchlinge im Stammrestaurant, am Arbeitsplatz, im Fitness-Center, einfach überall, sie sind Teil der uns umgebenden Gesellschaft, so gut integriert, dass sie nicht mehr von der autochthonen Bevölkerung unterscheibar sind und somit jederzeit als Partner, in den man sich verlieben kann, verfügbar.
Das ist die heile Phantasie-Welt, die Heyne und Kogan ihren Befragten vorgaukeln (man könnte sagen, das methodische Design ist ein Kalter) und obschon sie das tun, erhalten sie keine enthusiastischen Wahlergebnisse zugunsten von Zugeflüchteten. Nein, in Deutschland lebende Frauen wollen mit zugeflüchteten Männern aus Afghanistan und Syrien nichts zu tun haben. Eine Entscheidung, die nicht auf Gegenseitigkeit beruht, denn afghanische und syrische Männer sind auf der Suche nach hochgebildeten deutschen Frauen, können sich dieselben als Partner vorstellen.
Wen außer den Autorinnen wundert das?
Wen wundert es, dass in Deutschland lebende Frauen keine in aller Regel formal ungebildeten, arbeitslosen und von Sozialhilfe abhängigen soziale Nichtse aus Afghanistan oder Syrien zum Partner wollen, während formal ungebildete, arbeitslose und von Sozialhilfe abhängige soziale Nichtse aus Afghanistan oder Syrien sich sehr gut vorstellen können, Partner formal hochgebildeter Frauen aus Deutschland zu sein?
Außer Heyne und Kogan, die denken, das ganze habe etwas mit Religiosität zu tun, wundert sich darüber niemand:
„Taken together, our results show that partnership preferences between male refugees in Germany and female members of the resident population only partially align. Even at the level of stated preferences, there is a significant mismatch between the two groups. The strong openness of male refugees toward women from the resident population – beyond what matching based on homophily would predict – appears to be driven in large part by their absolute preference for highly educated partners. On the other hand, the reluctance of resident women to accept partnerships with refugees is largely explained by their rejection of the ‘imported’ religious Islam. It is possible that resident women perceive the religious practices of newly arrived refugees as different from their own, reinforcing a social distance that limits intergroup partnerships. Moreover, this reluctance might not only reflect religious differences but also concerns about gender norms or perceived lifestyle incompatibilities.“
Aber klar, das Partnern mit einem ungebildeten, arbeitslosen und der deutschen Sprache nicht mächtigen Typen, der keinerlei Chance auf dem Arbeitsmarkt hat, das scheitert natürlich nicht daran, dass der Typ ungebildet, arbeitslos und unverständlich ist, sondern ausschließlich daran, dass er „religiöser Muslim“ ist.
Ich vermute, Heyne und Kogan sind single…
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