An den Ölmärkten zeichnet sich auch nach der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur keine Entspannung ab. Sorgen vor einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus halten die Preise auf dem höchsten Niveau seit Jahren.
Freigabe der Ölreserven verpufft am Ölmarkt
Unterdessen suchen Regierungen nach Wegen, mehr Öl auf den Weltmarkt zu pumpen. Die Internationale Energieagentur (IEA) gab am 11. März bekannt, eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freizugeben.
Insgesamt werden die 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl an den Markt geben. Das würde genügen, um einen Ausfall für 20 Tage auszugleichen.
Auslieferung könnte Monate dauern
Die freigegebene Reserve könnte ausreichen, um eine Blockade der Straße von Hormus einige Zeit zu überbrücken. Nach Angaben der IEA passierten die Meerenge im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Millionen Barrel pro Tag.
Die USA geben wegen des Ölpreisschocks 172 Millionen Barrel ihrer Reserven frei. Die Freigabe werde in der kommenden Woche beginnen und sei für rund 120 Tage angesetzt, erklärte US-Energieminister Chris Wright.
Die USA hatten ihre strategische Reserve nach der Ölkrise der 1970er Jahre eingerichtet. Sie ist nach Angaben des Energieministeriums in Washington eigentlich für 714 Millionen Barrel ausgelegt. Aktuell bevorraten die Vereinigten Staaten nach Angaben der Energiebehörde EIA jedoch nur rund 415 Millionen Barrel Öl.
In Deutschland stieg diese Woche der Durchschnittspreis für die günstigste gängige Benzinsorte E10 auf über zwei Euro pro Liter. Die Bundesregierung will Tankstellen deshalb verbieten, die Preise mehr als einmal täglich anzuheben. Auch in den USA – selbst einer der größten Ölproduzenten der Welt – sind die Preise gestiegen.
IEA: Ölproduktion am Golf um 10 Millionen Fass pro Tag geschrumpft
Die Ölproduktion in der Golfregion sei um zehn Millionen Barrel pro Tag geschrumpft, teilte die IEA in Paris mit. Dies umfasse acht Millionen Barrel Rohöl und zwei Millionen Barrel Erdölprodukte, darunter Kondensate.
„Der Krieg im Nahen Osten verursacht die größte Störung des Angebots in der gesamten Geschichte des globalen Ölmarkts“, sagte die Energie-Agentur.
Besonders betroffen sei die Produktion im Irak, in Katar, in Kuwait, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien. Die IEA geht davon aus, dass die weltweite Ölversorgung teilweise durch eine höhere Produktion in anderen Ländern ausgeglichen wird.
Asien hart betroffen
Besonders hart dürften die Folgen derweil für Asien sein. Vier von fünf Ölfässern, die die Straße von Hormus passieren, gehen nach IEA-Angaben dorthin. Viele Aktienmärkte in Asien gingen infolge der steigenden Ölpreise auf Talfahrt, etwa in Japan.
Aus Sorge vor Energieknappheit sind Beamte in Thailand mittlerweile angewiesen, von zu Hause zu arbeiten, auf Reisen zu verzichten und die Treppe statt den Aufzug zu benutzen. Auf den Philippinen ordnete die Regierung eine Vier-Tage-Woche für Beamte an.
Neuseeland erwägt autofreie Tage und weniger Flüge
Aus Sorge vor Treibstoffknappheit erwägt die neuseeländische Regierung den Rückgriff auf eine jahrzehntealte Regelung. Diese sieht vor, dass Fahrzeughalter einen Tag pro Woche festlegen, an dem sie ihr Auto nicht benutzen – andernfalls drohen hohe Geldstrafen.
Das Gesetz war in Neuseeland nach dem Sturz der Monarchie im Iran durch die Islamische Revolution 1979 eingeführt worden, in deren Folge die Ölpreise weltweit stark stiegen. Außerdem wurde der neuseeländischen Regierung mit dem Gesetz damals erlaubt, die Verkaufsmenge von Treibstoff zu begrenzen.
Neuseeland ist stark von Treibstoffimporten abhängig, die Preise stiegen für Benzin seit dem 28. Februar um fast 10 Prozent für Benzin und Diesel um über 20 Prozent.
Finanzministerin Nicola Willis sagte auch, dass die Beschränkungen für Pkw nur dann nötig seien, wenn es tatsächlich „erhebliche Versorgungsengpässe“ bei Treibstoff geben sollte. Nach Angaben von Energieminister Shane Jones befinden sich derzeit Treibstoffvorräte für etwa 50 Tage in Neuseeland oder sind auf dem Weg dorthin.
Die nationale Fluggesellschaft Air New Zealand kündigte an, in den kommenden beiden Monaten fünf Prozent ihrer Flüge streichen zu wollen, hauptsächlich auf Inlandsstrecken. Grund sind demnach die steigenden Kerosinkosten. (dpa/afp/red)