Die Landwirtschaftskammerwahl 2026 in der Steiermark ist geschlagen.
Schwarze Zweidrittelmehrheit
Einerseits gibt es deutlichen Rückenwind für die Freiheitlichen Bauern, die ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln und ihre Mandate von zwei auf sechs sogar verdreifachen konnten. Andererseits hält der schwarze Bauernbund trotz Stimmenverlusten weiterhin eine komfortable Absolute – ja sogar die Zweidrittelmehrheit – in der Landeskammer.
Das geschieht ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die agrarpolitische Linie der ÖVP auf EU-Ebene viele bäuerliche Existenzen in existenzielle Gefahr bringen könnte.
Klarer Zugewinn für die freiheitlichen Bauern
Mit 14,11 Prozent der Stimmen erzielen die Freiheitlichen Bauern den mit Abstand größten Zuwachs aller Listen. Spitzenkandidat Albert Royer sprach von einem klaren Auftrag, die Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe künftig deutlich hörbarer zu vertreten. Der Stimmenzuwachs sei Ausdruck einer wachsenden Unzufriedenheit mit der bisherigen Agrarpolitik und zeigt, dass ein relevanter Teil der steirischen Bauernschaft einen Kurswechsel will – weg von Brüssel-Hörigkeit, hin zu Schutz regionaler Produktion und fairen Preisen.
Grüne und rote Bauern verlieren
Der Unabhängige Bauernverband (UBV) erhält 9,52 Prozent (-1,91 Prozentpunkte) und 5 Mandate (minus eins). Die Grünen Bäuerinnen und Bauern kommen auf 4,69 Prozent der Stimmen (minus 0,58 Prozent) und verlieren eines ihrer zwei Mandate. Die SPÖ-Bauern erhielten 4,41 Prozent (-1,76 Prozentpunkte) und haben ebenfalls nur noch ein Mandat (minus eins).
Bauernbund bleibt dominierend – trotz Vertrauensverlust
Demgegenüber steht der weiterhin dominierende ÖVP-nahe Steirische Bauernbund, der mit 67,27 Prozent der Stimmen zwar fast drei Prozentpunkte einbüßt, aber mit 28 von 39 Mandaten die bestimmende Kraft bleibt.
Die Wahlbeteiligung sinkt zugleich auf ein historisches Tief von nur 30,23 Prozent – ein Alarmsignal, das Fragen nach echter Zustimmung aufwirft.
Rechnung kommt erst
Offiziell wird das Ergebnis als Votum für „Stabilität und Verlässlichkeit“ gedeutet. In der politischen Realität bedeutet es jedoch auch, dass die steirische Standesvertretung weiterhin fest an eine Partei gebunden bleibt, deren EU-Abgeordnete nahezu geschlossen ein Abkommen unterstützen, das für viele bäuerliche Betriebe die Existenz kosten dürfte.
Mercosur auf Kosten der Bauern
Denn das umstrittene Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay sieht weitreichende Marktöffnungen für Agrarprodukte vor – insbesondere für Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol. Produkte aus Südamerika, erzeugt unter deutlich niedrigeren Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards, würden in direkter Konkurrenz zu europäischen Betrieben stehen.
ÖVP gegen Verzögerung von Mercosur
Das EU-Parlament hat das umstrittene Abkommen jedoch an den Europäischen Gerichtshof verwiesen. Er soll dessen Rechtmäßigkeit prüfen, an der erhebliche Zweifel bestehen.
Gegen diese Überprüfung sprachen sich vier von fünf ÖVP-EU-Abgeordnete aus und lieferten damit die österreichischen Bauern dem ruinösen Preisdruck und dem schleichenden Aus für klein- und mittelstrukturierte Höfe aus.
Paradoxes Signal aus der Steiermark
Vor diesem Hintergrund wirkt das steirische Wahlergebnis paradox. Mit ihrer Stimmabgabe haben sich die Bauern mehrheitlich damit einverstanden erklärt, dass ihre Standesvertretung eine Politik mitträgt, die ihre wirtschaftliche Existenz gefährden wird. Die starke blaue Zugewinndynamik zeigt zwar Widerstand und Unmut – sie reicht aber nicht aus, um die Machtverhältnisse zu kippen.