In Kürze:

  • Stromausfälle betreffen nicht nur Licht, sondern auch Heizung, Wasser, Kommunikation und Alltagsroutinen.
  • Schon ein Gedankenspiel zeigt: Vorbereitung sorgt für ein Höchstmaß an Sicherheit und Handlungskompetenz.
  • Essentiell sind Ruhe, Orientierung, Wasser, Nahrung, Wärme und Hygiene – notfalls in dieser Reihenfolge.
  • Kreative Lösungen ersetzen temporär Strom und alltägliche Geräte.
  • Wer für sieben bis zehn Tage vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig, ruhig und selbstwirksam.

 

Zuerst ist es nur das Gefühl einer kurzen Irritation, gefolgt von einem Stirnrunzeln – warum geht das Licht nicht an? Dann die Stille, das fehlende Summen, die vertrauten Geräusche im eigenen Umfeld, die Klimaanlage, der Kühlschrank, der Computer, alles scheint verstummt. Ein Moment, der offenbart: der Strom ist ausgefallen. Kein Blinken irgendwelcher elektronischen Geräte mehr, kein Summen von Kühlschrank oder Gefriertruhe – die optische und akustische Untermalung, unsere unbewussten, treuen Begleiter, sind still.

Hier stellt sich ad hoc die Erkenntnis ein, dass unsere großen, aber auch kleinen Dinge von Elektrizität durchdrungen sind. Jeder Mensch ist ständig in irgendwelchen persönlichen Alltagsdingen verwoben, sei es beruflich oder privat, außer wenn er gerade im Bett liegt und schläft – und wir deshalb weitreichend vom Strom und seiner Verfügbarkeit abhängig.

Die Menschen, die „am Knöpfchen sitzen“, tun alles, um Netze zu stabilisieren. Ein nationaler Blackout ist daher extrem unwahrscheinlich – aber nicht ausgeschlossen. Das Nachdenken darüber schärft etwas, das im Alltag oft verloren geht: das Potenzial der Eigenkompetenz und des kreativen Handelns.

Ein Beispiel aus dem Leben

Eine Mutter bereitet gerade das Mittagessen für ihre Kinder zu, die gleich aus der Schule heimkehren werden – sie warten bereits vor dem Aufzug des Mehrfamilienhaus, der sie jedoch nicht nach oben befördern wird. Der Herd ist aus, das Essen bleibt unfertig stehen.

Währenddessen steht der Ehemann und Vater an einer Tankstelle – die Tankanzeige befindet sich bereits im Reservebereich. Er möchte noch schnell auffüllen, bevor er ebenfalls zum Essen nach Hause fährt. Aber die Zapfsäule reagiert nicht.

Der Mann möchte seine Frau anrufen, aber auch das Mobilfunknetz ist zusammengebrochen. Er wird laufen müssen, vielleicht nimmt jemand ihn ein Stück mit. Währenddessen erwärmt sich zu Hause der Kühlschrank und die Heizung kühlt herunter.

Technisches Versagen als Schneeballeffekt

Allerorts kippt der Alltag weiter, ein allmählicher Schneeballeffekt, bis jetzt nicht in seiner absoluten Dimension feststellbar. Nach und nach versagen sämtliche technischen Anlagen in allen Bereichen und damit die gewohnte Versorgung: Ampeln, Bahnen, Aufzüge, Navigationssysteme – alles steht still.

Jedes kleinste Szenario wird jetzt sehr schnell zum Geduldsspiel – und zieht einen Rattenschwanz nach sich, der vor Augen führt, wie sehr wir nicht nur auf die selbstverständliche Technik angewiesen sind, sondern durch sie und mit ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, familiär verbunden.

Auch in Geschäften und Unternehmen bricht der gewohnte Ablauf abrupt zusammen: Maschinen stehen still, Computer und Telefon sind offline, elektronische Kassen funktionieren nicht mehr, die Kühltheken beginnen sich zu erwärmen. Termingeschäfte können nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen werden. Die Produktion kommt vielerorts zum Stillstand. Möglicherweise handelt es sich um ein Szenario, das aufgrund eines technischen Fehlers nur für ein paar Stunden anhält; vielleicht führt es aber auch zu einem länger dauernden Blackout.

Gelassen bleiben und sich orientieren

Zuerst geht es um Sicherheit und Orientierung. Wer panisch ist und sich in schlimmste pessimistische Szenarien hineinsteigert, wird handlungsunfähig – er schafft seinen persönlichen Blackout.

Ruhe innerhalb der Familie bewahren, die Wohnung sichern, Nachbarschaft zusammen führen und Informationen sammeln, auf Einsatzwagen mit Megaphonen in den Straßen lauschen und über ein Batterieradio. Das ist eine Basis für die nächsten Schritte.

Gelassenheit sorgt dafür, dass wir uns sicher fühlen und bestmöglich rational orientieren, auch um keine zusätzliche Nervosität im familiären Umfeld zu erzeugen. Ist die erste Nervosität überwunden, werden die Ärmel hochgekrempelt, um mit vereinten Kräften aktiv Lösungen für den Erhalt der Versorgung zu finden. Es gilt, Kreativität auf den Plan zu rufen und im Kollektiv zu bündeln. Dazu gehört auch, sich regelmäßig in der Gemeinschaft zu treffen – strukturiertes Vorgehen und Erfahrungsaustausch schaffen ein Gefühl der Sicherheit.

Steigen wir wieder ein, in das hypothetische Gedankenspiel, und stellen uns vor, was wir als Nächstes erleben werden.

Individuelle und improvisierte Lösungen

Niemand weiß, wie lange es dauern wird, die gekappte Grundversorgung wiederherzustellen. Zum Kauf von noch vorhandenen Lebensmitteln wird Bargeld benötigt, am besten in kleinen Scheinen, da Kartenzahlung nicht mehr funktioniert.

Auf Essen kann tagelang verzichtet werden. Die höchste Priorität hat somit die Versorgung mit Wasser. Drei Liter pro Person und Tag reichen für Trinken, Kochen und die nötigste Hygiene. In einem Vier-Personen-Haushalt macht das 12 Liter pro Tag; besser sind grundsätzlich Notvorräte für eine Woche oder mehr – und eine geschickte Mehrfachnutzung.

Die Bereitstellung von täglichen Trinkwasserrationen steht an erster Stelle, das verbleibende kostbare Nass für das Erwärmen von Mahlzeiten, Hände- und Wäschewaschen. Es kann weiterhin für die Bewässerung von Pflanzen und für das Nachspülen in der Toilette zweit- und drittverwertet werden.

Kleidung kann in Bottichen oder Wannen mit Seife von Hand gewaschen werden, bevor sie auf Leinen oder Stühlen in Sonne und Wind trocknen.

Eine Eimerdusche mit Schöpfkelle kann zur Körperpflege dienen; Haare und Kopfhaut lassen sich mit improvisiertem Trockenshampoo aus Maisstärke oder Babypuder auffrischen. Selbst einfache Nottoiletten aus Eimern, Müllbeuteln und Katzenstreu, ergänzt durch Erde oder Holzkohle, sichern Hygiene und Geruchskontrolle. All das reduziert das Risiko von Infektionen und erhält das Gefühl von Menschenwürde und Kontrolle in einer solchen Ausnahmesituation.

Ein Puffer für die Grundversorgung

Nahrung verliert im Bedarfsfall ihren Luxusstatus – sie dient dem Überleben. Haltbare Lebensmittel, kalt essbar, wobei der Fokus auf Kalorien statt auf Vielfalt liegt, sichern Kraft und Energie. Hier kommen Notmahlzeiten wie Brot, Müsli, Nüsse und Konserven zum Einsatz, ergänzt durch Trockenfrüchte oder Honig.

Mit einem Metalltopf über Kerzen oder auf einem kleinen Spiritus- oder Gaskocher lassen sich Mahlzeiten und Wasser aber auch hervorragend erwärmen. Aber Vorsicht im Umgang mit offenem Feuer; das Telefon, um Feuerwehr oder Notarzt zu rufen, funktioniert auch nur mit Strom.

Metallkanister mit heißem Wasser dienen als Wärmespeicher und ermöglichen warme Getränke oder Mahlzeiten über Stunden. Wenn ausreichend die Sonne scheint, können mit einem Solarkocher Nudeln und Reis zubereitet, Brot gebacken oder Gemüse und Fleisch gegart werden.

Medizin und Schutz

Besonders im Winter kann Unterkühlung schnell gefährlich werden; Kleidung in Schichten, Thermodecken und das Nutzen der Körperwärme in geschlossenen Räumen stabilisieren das Raumklima. Für die medizinische Versorgung und die Hygiene sind Medikamente, wie Schmerztabletten, Erkältungs- und Durchfallmittel sowie Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel eine präventive Absicherung.

Da ein kompletter Stromausfall über Tage das Leben nicht nur komplett auf den Kopf stellt, sondern auch eine große psychische Belastung erzeugt, ist es wichtig die Kinder bestmöglich zu beruhigen.

Bücher, selbst gebastelte Brettspiele, Akustikinstrumente oder gemeinsames Tanzen erhalten Routine und Freude. Gemeinsame Mahlzeiten, Rituale, wie das Erzählen von Geschichten, und wiederkehrende Abläufe stiften Ordnung, selbst in ungewohnter Dunkelheit.

Kerzen in Einmachgläsern und Spiegel – notfalls aus Alufolie – zur verstärkten Reflexion erzeugen ein wenig Sicherheit und Behaglichkeit. Markierungen an Türen, Treppen und wichtigen Punkten helfen, um sich zurechtzufinden.

Selbstwirksam, kreativ und handlungsfähig

Ein globaler Blackout ist praktisch ausgeschlossen, da es (noch) keine globalen Stromnetze gibt. Auch ein Blackout von kontinentalem Maß ist unwahrscheinlich. Auf internationaler Ebene ist das Szenario spätestens seit den Ereignissen in Spanien und Portugal Ende April 2025 nicht mehr undenkbar. Regionale und zeitlich begrenzte Stromausfälle sind immer realistisch. Diese betreffen sodann nicht nur Licht und Internet, sondern auch Wasser, Heizung, Kommunikation und Alltagsroutinen.

Wer jedoch auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet ist, hat sich bereits eigenverantwortlich und mit psychologischem Geschick eine solide Basis geschaffen, für die stabile Grundversorgung in einer für alle belastenden Ausnahmesituation.



Source link