Auch in Indien spielen Solar- und Windkraftwerke eine wachsende Rolle beim Energiemix. Doch wie auch in Europa sorgt der wetterabhängige Flatterstrom immer wieder für Versorgungsprobleme. Alte Gaskraftwerke sollen das nun richten.
In den letzten Jahren hat Indien seine gasbefeuerte Kraftwerksflotte von 25 auf 20 GW Nennleistung reduziert. Die Hauptversorgung leisten Kohlekraftwerke, da diese die günstigste Form der Stromerzeugung für das energiehungrige Land sicherstellen können. Doch gleichzeitig werden auch die Kapazitäten bei Solar- und Windkraftwerken erhöht. Dies führt jedoch zunehmend zu Problemen.
Denn Wind und Sonne liefern nur wetterabhängig Strom, der Hauptbedarf liegt jedoch in den Nachmittags- und Abendstunden, wenn die Ausbeute beim Solarstrom immer geringer wird. Kohlekraftwerke können nicht einfach so beliebig hoch- und runtergefahren werden und sollten möglichst stets auf maximaler Leistung laufen, so dass hier ein Versorgungsdilemma entsteht.
Indiens Energiestaatssekretär Pankaj Agarwal will deshalb den Fokus verstärkt auf die veraltete Flotte an Gaskraftwerken setzen. Der Gasanteil am Energiemix zur Stromerzeugung soll auf 15 Prozent nahezu verdoppelt werden. “Seit den letzten drei Jahren untersuchen wir, ob Gaskraftwerke abends acht Stunden laufen und während des restlichen Tages abgeschaltet bleiben können”, sagte Agarwal bei einem Treffen mit Kraftwerksmanagern, so ein Bericht.
Allerdings wird damit erneut deutlich, dass ohne flexible und steuerbare Backup-Kapazitäten die Versorgungssicherheit leidet. Gleichzeitig stellt sich hierbei auch die Kostenfrage: Kraftwerke, die nur etwa ein Drittel der Zeit des Tages in Betrieb sind, kosten deutlich mehr als nur ein Drittel dessen, was ein ganztägiger Betrieb kosten würde. Angesichts der derzeit hohen LNG-Preise ist dies für die Inder derzeit jedoch nur eine mögliche Option, da dies die Produktionspreise noch weiter in die Höhe treibt.
Indien ist damit ein weiteres Beispiel dafür, dass der Ausbau der sogenannten “Erneuerbaren” auch mit einer Absicherung durch konventionelle Kraftwerke einher gehen muss. Doppelte Strukturen, die jedoch auch zusätzliche Kosten verursachen. Dafür bezahlen müssen jedoch die Stromkonsumenten.