Von Kai Rebmann

95 Prozent aller Briefe müssen innerhalb von drei Werktagen zugestellt werden, 99 Prozent müssen es am vierten Werktag nach Aufgabe der jeweiligen Sendung sein. So will es eine zum 1. Januar 2025 in Kraft getretene Gesetzesnovelle, mit der erheblicher Zeitdruck von der Post genommen werden sollte. Im Gegenzug, so hieß es, sollten die Kosten gesenkt und die Zuverlässigkeit erhöht werden. Sprich, die Empfänger müssen seither womöglich noch etwas länger auf ihre Briefe warten als ohnehin schon, dafür sollte die neue „Schneckenpost“ wenigstens ein wenig berechenbarer werden.

Doch gut ein Jahr später macht sich Ernüchterung breit, und das nicht nur bei den verärgerten Kunden. Allein bis Ende September 2025 registriere die Bundesnetzagentur rund 44.000 Beschwerden über die Post und damit 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum der ersten drei Quartale und sogar 70 Prozent mehr als noch im Jahr 2023. Die Bundesnetzagentur, die die Aufsicht unter anderem über die Post führt, kündigte deshalb im November drastische Maßnahmen an.

Agentur-Chef Klaus Müller posaunte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Wir wollen, dass die Post ihre Dienstleistung verbessert. Das hat sie uns auch zugesagt. Wenn das nicht eintritt, haben wir Möglichkeiten laut dem Gesetz, und die werden wir nutzen.“ Und die sähen Müller zufolge so aus: „Wenn die Post unseren Anforderungen dann nicht nachkommt, kann das im Extremfall teuer für sie werden.“

So weit die Theorie, sprich die eingangs erwähnte Gesetzesnovelle zu den neuen (und langsameren) Brieflaufzeiten. In der Realität sind der Bundesnetzagentur und ihrem Chef aber die Hände gebunden – und das womöglich noch bis zum Jahr 2029. Die Post kann zwar von allen Seiten gerügt werden, echtes Ungemach in Form von Bußgeldern droht dem Unternehmen bis auf weiteres aber wohl nicht.