Was die Einsparpläne im Gesundheitssystem bedeuten, was Jakob Augstein und Jana Hensel über den Zustand unserer Demokratie denken und die Lehren eines DDR-Fernsehfilms: der „Freitag“-Blick auf den Tag
Hallo,
neulich habe ich hier von meiner Moderation zum Thema „Alles auf Angriff? Über Aggression in der Gesellschaft“ in Frankfurt am Main erzählt. Es war ein tolles Gespräch in der Evangelischen Akademie! Was sowohl Frankfurts Feuerwehrchef als auch die Kriminologin und Soziologin auf dem Podium sagten: Viele der Aggressionen in der Öffentlichkeit haben mit einem immer schlechter funktionierenden Gesundheitssystem zu tun.
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Überfüllte Notaufnahmen oder eine steigende Armutskonzentration in Stadtteilen, mit der ein erschwerter Zugang zur Gesundheitsversorgung einhergeht: Ich habe bei den Sparvorschlägen, die nun eine Kommission Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegt hat, kein gutes Gefühl für die Zukunft unserer Gesellschaft. Meine Kollegin Ulrike Baureithel hat eine erste Einschätzung der Sparvorschläge geschrieben.
➜ Zu Ulrike Baureithels Kommentar zur Warken-Kommission
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Zwei Rotkehlchen am frühen Morgen: Sie umflatterten mich, checkten das (inzwischen leider leere) Vogelhäuschen auf der Suche nach Nahrung und flogen dann trillernd weiter. Hat mich daran erinnert, endlich einmal wieder Johanna Rombergs Buch Federnlesen. Vom Glück, Vögel zu beobachten zur Hand zu nehmen.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu hören und zu lesen: Seit bald einem halben Jahr nehmen die Freitag-Autoren Sebastian Friedrich und Nils Schniederjann den Aufstieg der radikalen Rechten auch auf ueberrechts.de unter die Lupe. Sie lesen rechte Bücher, interviewen rechte Aktivisten, blicken in das Innere der AfD und versprechen: „Wir beobachten die Rechten, damit ihr es nicht müsst.“ Jetzt haben Sebastian und Nils ihren ersten Live-Podcast veröffentlicht: Mit Suhrkamp-Lektor Heinrich Geiselberger und Politikwissenschaftler Thomas Biebricher diskutieren sie über deren Band Oben rechts. Rechtspopulismus als Klassenprojekt. Ein exzellenter Hinweis, nicht nur auf „abgehängte Arbeiter“ zu blicken, wenn es um den Aufstieg der Rechten geht – sondern auf die Reichen, die diesen Aufstieg befördern.
➜ Den Live-Podcast finden Sie unter diesem Link
4. Lese-Empfehlung
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➜ Ich hatte gute Geschichtslehrer, aber mindestens genauso viel wie in einer Schulstunde bei ihnen lerne ich in jeder Freitag–„Zeitgeschichte“: So schreibt Lutz Herden, der diese Rubrik verantwortet, über den im April 1982 in der DDR ausgestrahlten Fernsehzweiteiler Familie Rechlin. Er handelt von einer Familie, die der Bau der Mauer 1961 auseinanderreißt. Mutter Ingelore will aus Ost- nach Westberlin zu ihrer Tochter reisen, wo gerade ihr Enkelkind zur Welt gekommen ist. Ein Leutnant der Volkspolizei in der DDR-Passstelle verwehrt ihr das, wogegen sie aufbegehrt. „Selten zuvor sind in einem DDR-Fernsehfilm Bürgerbegehren und Behördenignoranz so heftig kollidiert und so glaubwürdig ausgespielt worden wie in dieser Szene“, schreibt Lutz Herden, der die Entstehungsgeschichte von Familie Rechlin erzählt und Regisseurin Vera Loebner zitiert, die „mühselige Debatten“ bei der Abnahme des Films schildert, und „Versuche, missliebige Passagen zu streichen“.
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Wir schreiben das Jahr 1962, als die Geschichte des 1981 abgedrehten Fernsehzweiteilers Familie Rechlin beginnt und Weihnachten nicht mehr zusammen am Hackeschen Markt gefeiert werden kann. Tochter Beate lebt mit ihrem Mann in Spandau, Mutter Ingelore mit ihrem, dem Straßenbahner Hannes Rechlin, in Mitte – dazwischen steht die Mauer. „Lange kann doch der Spuk nicht mehr dauern“, wettert Ingelore und hat ein Telegramm in der Hand, das die Geburt eines Enkels verkündet. Umgehend will sie nach Spandau und der Tochter beistehen: „Tochter kriegt ’n Kind, Mutter ’n Telegramm“. Zeiten sind das.
Ein brisanter Plot, das Thema Grenze, geteilte Stadt, geteilte Familie wird nicht eben häufig aufgerufen im DDR-Fernsehen. Mauergeschichten sind eine Rarität, zu heikel, zu angreifbar, zu sehr als politisches Vorturnen verrufen. Der Familie Rechlin bleibt ein solches Wechselbad erspart. Das Drehbuch hält sich an den 1978 erschienenen gleichnamigen Roman, in dem Jochen Hauser das Leben einer Berliner Familie im ersten Jahrzehnt mit dem Mauerbau schildert, unverkrampft und unverblümt, authentisch und amüsant. Die Druckgenehmigung des DDR-Kulturministeriums bescheinigt dem Werk einen „an Theodor Fontane erinnernden Erzählduktus“.
Feedback
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Ich wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag und Zeit für das Beobachten von Vögeln. Bald ist hoffentlich auch wieder der Kuckuck zu hören. Dem setzt der Klimawandel gehörig zu – er kommt immer zu spät aus dem Winter zurück, wie mein Kollege Nick Reimer hier erklärt hat.
Viele Grüße,
Ihr
Sebastian Puschner
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