In Kürze:

  • US-Beschränkungen für Tijuana und Monterrey aufgehoben
  • Ausgangssperren in Teilen von Jalisco bleiben bestehen
  • CJNG-Chef „El Mencho“ bei Militäroperation getötet
  • Reisewarnungen für mehrere Bundesstaaten verschärft

 

Nach mehreren Tagen von Unruhen und Ausschreitungen in mehreren Teilen Mexikos scheint sich die Lage weitgehend normalisiert zu haben. Die USA haben die Restriktionen für diplomatisches Personal in den Städten Tijuana und Monterrey aufgehoben. In Guadalajara und den ebenfalls im Bundesstaat Jalisco gelegenen Städten Puerto Vallarta und Ciudad Guzman bleiben Ausgangsverbote in den Nachtstunden und Reiseverbote außerhalb der Metropolregionen aufrecht. Dies geht aus einer Verlautbarung der US-Botschaft in Mexiko-Stadt hervor.

Der Betrieb auf den Flughäfen in Guadalajara und Puerto Vallarta kehre wieder zur Normalität zurück, für Dienstag, 24.2., seien sogar zusätzliche Flüge eingeplant gewesen. Auf einigen Straßen von Jalisco gebe es immer noch Sperren oder Behinderungen – offenbar durch Kontrollen. Dies gelte vor allem für Verbindungen zwischen Guadalajara und Puerto Vallarta.

Führungswechsel unter Mexikos Drogenkartellen nach „El Chapo“-Verhaftung

Vor allem in Jalisco war es in den vergangenen Tagen vielerorts zu Gewalt und Vandalismus gekommen. Anlass dafür war die koordinierte Operation der mexikanischen Armee und US-amerikanischer Geheimdienste am Sonntag in Tapalpa. Bei dieser wurde der mächtige Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, genannt „El Mencho“, getötet.

Der frühere Polizist hatte die Seiten gewechselt und war zum Führer des Drogenkartells Cartel de Jalisco Nueva Generación (CJNG) aufgestiegen. Nach der Gefangennahme des Chefs des Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán gelang es „El Mencho“, sein regionales Kartell innerhalb von 15 Jahren zu einer globalen Größe auszubauen.

In den USA ist das Kartell mittlerweile als terroristische Organisation gelistet. Auf Cervantes war wegen seiner Rolle im Fentanyl-Schmuggel ein Kopfgeld von 15 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Er war aus den USA abgeschoben worden, ehe er in den 1990er- und 2000er-Jahren über das Milenio-Kartell und Kooperationen mit „El Chapo“ selbst zum Kartellboss aufsteigen konnte. Er galt als schwer zu fassen, weil bis zum Schluss nur drei Fahndungsfotos von ihm existierten.

Straßensperren und brennende Supermärkte in den Tagen nach dem Tod von Cervantes

Dazu kam der Besitz militärischer Waffen. Im Jahr 2015 sorgte „El Mencho“ für Aufsehen, indem es seinem Kartell gelang, einen Armeehubschrauber mit einer Panzerfaust abzuschießen. Global handelte das Kartell mit Fentanyl, Kokain, Meth, Waffen und geraubtem Öl. Ein weiteres Standbein war Erpressung.

Nach der Eliminierung „El Menchos“ kam es in mehreren Bundesstaaten zu Krawallen. Anhänger des Drogenbosses bauten Straßensperren auf, setzten Busse und Supermärkte in Brand und zündeten Tankstellen an.

Influencer wollten Bild von Volksaufstand in Mexiko vermitteln

Mithilfe eigener Influencer betrieben sie zudem Propaganda. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet von einer Welle an „Fake-News“, die vom Kartell lanciert worden seien und die Runde gemacht hätten. Mithilfe häufig KI-generierter Videos versuchten die Urheber, den Eindruck eines „Volksaufstandes“ zu erwecken, der sich in Reaktion auf die Tötung „El Menchos“ entwickelt hätte.

Unter anderem verbreiteten die Influencer Videos, die zeigen sollen, dass das Kartell den Flughafen von Guadalajara eingenommen habe und nicht mehr unter der Kontrolle der Regierung stehe. Tausendfach geteilt wurden auch Videos, die brennende Flugzeuge auf Startpisten und Rauchsäulen auf Kirchen und Gebäuden in Touristengebieten darstellen sollen.
Das Auswärtige Amt (AA) hat seine Reisehinweise für Mexiko ebenfalls auf einen neueren Stand gebracht. Zwar bestätigt man auch dort, dass die Flughäfen in allen Teilen des Landes geöffnet seien. Allerdings könnten weitere Vergeltungsmaßnahmen und Gewalt nicht ausgeschlossen werden. In Jalisco könnte es weiterhin zu Flugausfällen kommen.

US-Senator Mullin: „Lage bleibt sehr volatil“

Zum jetzigen Zeitpunkt rät die AA dringend von Reisen in den gesamten Bundesstaat Michoacán sowie in weitere Bereiche des Bundesstaats Tamaulipas ab. Auch Reisen in die Bundesstaaten Jalisco und Guanajuato sollen demnach unterbleiben. Bereits zuvor galten dringliche Reisewarnungen für Teile der Bundesstaaten Colima, Guerrero, Sinaloa, Zacatecas und die Grenzregion zu den USA über das erforderliche Minimum für Ein- und Ausreise hinaus.

Obwohl die USA selbst keine diesbezügliche Warnung verbreiten, rief der US-Senator Markwayne Mullin US-amerikanische Jugendliche und junge Erwachsene dazu auf, von Reisen nach Cancún Abstand zu nehmen. Dort finden traditionell Feierlichkeiten zur sogenannten „Spring Break“ statt. Laut „Fox News“ erklärte Mullin:

„Niemand sollte jetzt dorthin gehen, es ist sehr volatil und die Vereinigten Staaten blicken mit wachem Auge auf das dortige Geschehen.“

Mullin äußerte, die nach dem Tod „El Menchos“ absehbare Zersplitterung von Drogenkartellen sei „eine große Chance für uns und Mexiko, sie alle zu zerschlagen“. Dies würde zwar nicht bedeuten, dass dadurch der weltweite Drogenhandel ein Ende finden würde. „Aber können wir die Lage wieder in den Griff bekommen? Absolut.“



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