Der Einstieg klingt nach Satire, ist aber Realität: Ein Oberbürgermeister sieht in einem Regionalzug einen Jugendlichen, der ohne 1.-Klasse-Fahrschein in der 1. Klasse Platz nimmt. Er spricht ihn an – sachlich, ruhig. Der Jugendliche reagiert mit „Halt die Fresse“. Und was passiert? Die umstehenden Fahrgäste solidarisieren sich – mit dem Beleidiger. Nicht mit dem Beleidigten.

Der Mann, der sich als Leiter der Ortspolizeibehörde ausweist, wird gefilmt, konfrontiert, moralisch abgeurteilt. Nicht etwa für Gewalt oder Machtmissbrauch, sondern für den Versuch, ein Minimum an Regeln durchzusetzen. Und als Krönung sagt ihm eine Lehrerin, die sich einmischt, am Ende ins Gesicht: „Sie sind ein armes Opfer.“

Die Szene hat Boris Palmer öffentlich gemacht (siehe hier). Nicht im Stil eines Shitstorms, sondern als Diagnose: Was läuft hier schief? Warum kippen Situationen dieser Art immer öfter? Warum werden Täter zu Opfern – und Menschen, die Regeln vertreten, zu Problemfällen erklärt?