Wieder einmal muss ich Ihnen ein Geständnis machen. Kein finsteres, aber eines, das mich bedrückt. Sie alle haben sicher gelesen von der gruseligen Bluttat in Hamburg, wo ein Sudanese ein Mädchen mit sich ins Bahngleis der U-Bahn riss – und damit in den Tod. Die Medien schreiben „Frau“ – doch sie war 18, und da von „Frau“ zu schreiben verharmlost in meinen Augen, dass da jemand aus einem Leben gerissen wurde, das gerade erst so richtig anfing.

Mein Geständnis: Ich habe die Nachricht gelesen, war entsetzt, habe mich dann aber bei dem Gedanken ertappt, dass ich fast schon so etwas wie gewohnt daran bin. Dass ich mich intuitiv dafür entschieden habe, nicht darüber zu schreiben – weil ich mir sagte: Es schreiben ja eh schon alle. Und jetzt frage ich mich: Bin ich auch schon abgestumpft? Also genau das, was ich immer anderen vorhalte und beklage?

Und ich fürchte: Bis zu einem gewissen Grade ja. Wahrscheinlich ist das ein Rettungsmechanismus der Psyche – weil man sonst verrückt würde irgendwann. Bei all dem, was in diesem Land geschieht. Viele haben diesen Rettungsmechanismus zur Maxime erhoben – und spalten das, was geschieht, komplett von ihrem Innenleben ab. Nur so ist erklärbar, dass immer noch eine Mehrheit all das mehr oder weniger schweigend erträgt. Dass Politik und Medien sich weiter gegenseitig befeuern in diesem Irrsinn.

Ich bin vergangene Woche geflogen, und habe dabei das Magazin „Stern“ in die Hand bekommen. Als ich das Titelbild sah, traute ich meinen Augen kaum. Da war das Porträt einer jungen, schönen Frau zu sehen, und darunter stand in großen Buchstaben die Frage: „Warum musste diese Frau sterben“. Und dann: „Wie wir Femizide in Deutschland endlich verhindern“.

Ich traute meinen Augen nicht. Sind die Kollegen endlich aufgewacht, fragte ich mich? Und dann das: Als ich das Heft aufschlug, sah ich, dass es den „Stern“-Journalisten ausschließlich um Tötungstaten in Beziehungen ging. Den Elefanten im Raum – die massive Gewalt durch Zuwanderer aus Krisen- und Gewaltgebieten gegen Frauen – blenden die „Stern“-Leute komplett aus.

Mich hat das völlig sprachlos gemacht.

Und das, obwohl mich nicht mehr viel sprachlos macht in diesen Zeiten. Dabei ist in meinen Augen das Schlimmste: dass wir längst gelernt haben, uns an alles zu gewöhnen, nicht mehr sprachlos zu werden – aber umso schweigsamer zu sein. Die bittere Realität zu überdecken, zu rationalisieren, wegzukonsumieren. Der Verstand schreit – aber der Alltag brüllt lauter.

Was wir erleben, ist mehr als Desinformation – ausgerechnet von denen, die uns Kritikern ständig vorwerfen, wir würden Desinformation verbreiten. Und die dazu die Fehler, die überall, eben auch bei uns, passieren, aufblasen, um so einen Pappkameraden zu errichten, auf den sie sich dann einschießen. Ja, wir machen Fehler. Aber was sie tun, ist etwas anderes: Das vorsätzliche Konstruieren einer Ersatzrealität. Der „Stern“-Artikel ist nur ein Beispiel von vielen: Ein echtes Thema wird genommen – Femizide –, und mit halber Wahrheit so zugerichtet, dass daraus ein kompatibles Narrativ wird. Man nennt das im PR-Jargon „Reframing“. In der Psychologie nennt man es: kognitive Dissonanzreduktion.

Denn natürlich spürt auch der linksliberale Redakteur, dass da draußen etwas aus dem Ruder läuft. Dass sich viele Frauen nicht mehr sicher fühlen. Dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen der veränderten Bevölkerungsstruktur und der veränderten Alltagsgewalt. Aber dieser Gedanke ist tabu. Und was tabu ist, wird wegerklärt. Weganalysiert. Wegrationalisiert. Man tut so, als würde man das Problem aufgreifen – in Wahrheit legt man es weich. Vertuscht es. Verabreicht mediales Valium.

Diese Form der medialen Simulation erzeugt eine bizarre Parallelwelt. Wer nur ARD, ZDF, „Spiegel“, „Stern“ konsumiert, lebt in einer hermetisch abgeriegelten Filterblase, die sich selbst für die Realität hält. Und das ist kein Kollateralschaden – das ist Methode.

Der Fall Günther bei Markus Lanz ist ein weiteres Beispiel. Was der Ministerpräsident bei Markus Lanz im ZDF sagte, seine vernichtende Kritik gegen alternative Medien und Forderung nach Regulierung – das war ein Tiefschlag gegen die Meinungsfreiheit (siehe hier). Sätze wie aus dem Wörterbuch für Autoritäre. Und was macht der „Stern“ daraus, in der gleichen Ausgabe? Er lässt seinen Autor Micky Beisenherz die Aussagen Günthers einfach wegrationalisieren. Dreht sie um – mit einer Methode, die geradezu klassisch ist für die moderne Propaganda: Man unterstellt den Kritikern etwas, was sie nie gesagt haben – und widerlegt dann diesen Strohmann.

Beisenherz schreibt wörtlich im Vorspann: „Ministerpräsident Daniel Günther will die Plattform ‚Nius‘ verbieten? Stimmt nicht, sagt Micky Beisenherz – wäre den Krawallmachern aber nur recht.“ Wie perfide! Denn fast niemand hatte Günther unterstellt, ein „Nius“-Verbot zu fordern – wohl aber eine gefährlich autoritäre Haltung. Doch genau das wird weggeschoben. Aus Kritik wird ein vermeintlicher Angriff, aus einem echten Problem ein rhetorischer Taschenspielertrick.

Fokus verschoben, Publikum abgelenkt, Täter entlastet. Propaganda-technisch brillant. Journalistisch ein Offenbarungseid. Warum funktioniert das? Weil die Mehrheit gelernt hat, sich selbst zu betrügen. Aus Schutz. Aus Angst. Aus Bequemlichkeit. Es ist ein psychologischer Selbstbetrug mit System. Die Menschen merken, dass etwas faul ist – aber sie wollen sich ihren inneren Frieden bewahren. Also weichen sie aus, suchen Erklärungen, die ihnen erlauben, das Offensichtliche nicht sehen zu müssen.

Die einen lenken sich ab mit Serien und Konsum. Die anderen mit Empörung über das Falsche: mit Gendersternchen, Klimapanik, Kirchentagen mit Vulva-Workshop oder Lichterketten gegen Rechts. Die Dritten mit dem Glauben, dass alles schon nicht so schlimm sei. Die Vierten mit Zynismus, der jede Verantwortung weglacht. Und die meisten: mit Schweigen. Denn Schweigen schützt. Zumindest vor dem nächsten sozialen Pranger.

Denn das Grundproblem ist: Die menschliche Psyche ist offenbar so konstruiert, dass man nicht einfach nur einen Teil seiner Gefühle abschalten oder abspalten kann – die lästigen, die störenden, die schmerzhaften. Wer das Mitgefühl unterdrückt, weil es zu viel wird, verliert nach und nach auch das Gespür für alles andere. Für Gerechtigkeit. Für Nähe. Für Anteilnahme. Für das, was uns eigentlich menschlich macht.

Man kann eben nicht nur das Mitgefühl für das 18-jährige Mädchen von Hamburg abschalten, um den Schmerz nicht zu spüren – ohne dabei auch andere Teile in sich stillzulegen. Wer sich innerlich gegen das Entsetzliche schützt, stumpft auch für das Berührende ab. Und ich fürchte – viele Menschen gehen genau diesen Weg. Das erklärt, warum unsere Gesellschaft immer apathischer wird. Immer empathieloser.

Und genau davor habe ich Angst. Dass ich diesen Weg selbst schon begonnen habe – mit jedem Mal, wo ich eine solche Tat einfach zur Seite lege, weil ich sie für „zu oft gelesen“ halte. Mit jedem inneren Achselzucken. Mit jeder Entscheidung, nicht mehr darüber zu schreiben.

Ich fürchte: Nicht der Verlust an Sicherheit ist eine der schlimmsten Entwicklungen unserer Zeit. Sondern auch der Verlust an innerer Resonanz. Wenn wir aufhören, betroffen zu sein, verlieren wir uns selbst.

Genau deshalb ist es so gefährlich, wenn selbst jene, die kritisieren könnten – wie ich – innerlich abstumpfen. Wenn man beginnt, sich zu schonen, statt zu schreiben. Wenn das innere Nicken über eine weitere unvorstellbare Tat zum Reflex wird. Ich will nicht, dass es so weit kommt. Und darum schreibe ich diesen Text. Vielleicht auch, um mir selbst wieder ins Gewissen zu reden. Denn wer aufhört, sich zu empören, hat schon verloren.

Nicht die Wut ist gefährlich, die uns die rot-grünen Kulturkrieger und Gesellschafts-Transformierer ausreden wollen, die sie kriminalisieren wollen mit ihrem Kampf gegen Gefühle wie Hass. Sondern das Verstummen – das sie uns aufzwingen wollen. Ihr Versuch, uns das Empfinden abzuerziehen. Wenn sie das schaffen, ist das ihr Triumph. Und unser Ende: Wer nicht mehr spürt, was falsch läuft, wird nie mehr aufstehen.

PS:

Ich verzichte hier gezielt auf die Details zu der grausamen Tat von Hamburg, auf all die unglaublichen Skandale dahinter – etwa, dass der Täter offenbar gezielt aus dem Südsudan nach Deutschland geholt wurde, zwei Tage zuvor Polizisten angriff und doch sofort wieder auf freien Fuß kam.

All das können Sie überall nachlesen – bei den alternativen Medien. Ich versuche stattdessen, eben nicht die bekannten Fakten zu wiederholen – sondern zu zeigen, was sie mit uns machen. Was sie in uns verändern. Und warum das vielleicht eine der gefährlichsten Entwicklungen ist – fast so gefährlich wie die Gewaltexplosion selbst.

Ich wollte bewusst keinen Empörungstext mit moralischem Tremolo schreiben – davon gibt es genug (auch aus meiner Feder, in früheren Fällen). Stattdessen habe ich innegehalten und mich entschieden, einen klassischen Artikel im eigentlichen Sinn zu verfassen – so, wie Journalismus einmal gedacht war, bevor er zur Echokammer der Empörten oder zum Sedativum der Angepassten wurde. Eine Einladung zum Nachdenken. Über das Verstummen. Über das Nachlassen des Mitgefühls. Und über das, was wir verlieren, wenn wir das nicht mehr spüren.

Im Dezember 2019 ging meine Seite an den Start – damals mit einem alten Laptop am Küchentisch. Heute erreicht sie regelmäßig mehr Leser als manch großer Medienkonzern. Und trotzdem: Der Küchentisch ist geblieben. Denn eines hat sich nicht geändert – meine Unabhängigkeit. Kein Verlag, keine Zwangsgebühren, keine Steuermittel. Nur Herzblut – und Sie.

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